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Weiter Streit um Kraut in der Röder

Die Naturschutzbehörde wehrt sich gegen den Vorwurf, sie verhindere das Entfernen von Pflanzen in der Röder und sorge so für Hochwassergefahr.

Von Udo Lemke

Als Anfang Mai ohne ersichtlichen Grund – weder Starkregen noch Hochwasser hatte es gegeben – in Naundorf das Wasser der Röder plötzlich um 20 Zentimeter stieg, hatten viele der dort wohnenden Bürger Angst vor der Überflutung ihrer Grundstücke. „Die Wasserspiegelerhöhung ist auf das sehr schnell und sehr stark gewachsene Kraut infolge der Temperaturen im Gewässer zurückzuführen. Es stellt ein enormes Fließhindernis dar und führt zu Aufstau.“ Das erklärte Eckehard Bielitz, der Chef der für die Röder zuständigen Landestalsperrenverwaltung (LTV) mit Sitz in Pirna. Es sei immer schwieriger, das Kraut so zu entfernen, dass es nicht zum Stau des Wassers komme, erklärte Bielitz und nannte auch gleich den seiner Meinung nach Verantwortlichen: „Ursache sind Einschränkungen durch die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes Meißen. So dürfen z. B. nur noch kurze Abschnitte im Längsschnitt oder einzelne Bereiche des Abflussquerschnittes entkrautet werden. Das hat natürlich wasserwirtschaftlich praktisch keinen oder nur geringen Effekt.“

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Das will die Untere Naturschutzbehörde so nicht stehen lassen. Mitarbeiter Thomas Pfeiffer erklärt, dass „Gewässerunterhaltungen im Rödergebiet zwischen Naturschutzbehörde und LTV abgestimmt werden“. So habe die LTV die Röderkrautungen für dieses Jahr bei seiner Behörde vorschriftsmäßig angezeigt und die Naturschutzbehörde habe zugestimmt.

Darüber hinaus, so Pfeiffer, hat die LTV Anfang Mai zusätzliche Krautungen im Stadtgebiet Großenhain angezeigt, die ebenfalls anstandslos genehmigt worden sind. Das bestätigt auch Stadtsprecherin Diana Schulze. „Die LTV hat in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde in diesem Jahr die Krautung der Größen Röder zur Senkung des Wasserspiegels vorgezogen.“

Naturschutzmitarbeiter Pfeiffer verwies darauf, dass die LTV sich als staatliche Stelle an die Gesetze zu halten habe und diese sehen für die Große Röder besondere Maßnahmen als Teil des europäischen Schutzgebieteverbundes „Natura 2000“ vor. Das heißt, dass die Große Röder ein möglichst naturnaher Fluss werden soll, und dazu gehört das Kraut, bei dem es sich zum großen Teil um eine Pflanze namens Flutender Hahnenfuß handelt.

Den Anwohnern an der Großen Röder ist der Streit der Behörden herzlich egal. Sie wollen vor Hochwasser sicher sein. Ulrike C. Fahle wohnt an der König-Albert-Mühle in Kleinraschütz. Sie erzählt von einem Mitbewohner, der seine Wohnung direkt am Röderufer hat und „das Kraut regelmäßig entfernt, weil das Wasser sonst staut“. Zudem hat sie beobachtet, dass im Kraut nicht nur Flaschen und Plaste hängen bleiben, sondern ganze Müllbeutel. Und: „Bei Starkregen reißt das Kraut ab und staut das Wasser.“ Sie wohne zwar erst seit November vergangenen Jahres in der Albertmühle, aber sie wisse dass das Areal durch die Hochwasser 2010 und 2013 betroffen war. Nach SZ-Informationen stehen seitdem zwei Erdgeschosswohnungen leer.

Gefragt, was die Verwaltung derzeit zum Hochwasserschutz im Stadtgebiet tue, verwies Sprecherin Schulze darauf, das die Große Röder als bedeutendes Fließgewässer in der Verantwortung der LTV und damit des Landes, liege. Allerdings kümmere sich die Stadt um kleinere Gewässer: „Aufgrund der Erfahrungen der letzten Hochwasser untersucht die Stadt Hochwasserschutzmaßnahmen am Wiesengraben und Strießener Grenzgraben.“ Dabei gebe es keine „negativen Einschränkungen durch naturschutzrechtliche Bestimmungen“, erklärte die Sprecherin.