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Weiter wie geplant

Gerüchte, die Badgaststätte in Schmölln schließt jetzt, stimmen nicht. Ein Nachfolger wird aber gesucht, und der Partyservice fällt weg.

© Thorsten Eckert

Von Constanze Knappe

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Die Rinderzunge kocht, der Braten ist fertig. In der Badgaststätte Schmölln wird heute gefeiert. Ekkehard Rodig hat für die 40 Gäste eines Familienfestes alle Hände voll zu tun. Nach ein paar Tagen wohlverdienten Urlaubs ist der langjährige Koch mit seinem Team nun ins neue Jahr gestartet. Und das entgegen der Gerüchte, dass er schließen würde. Woher die Nachrede kommt, kann sich der 64-Jährige nicht erklären. Es habe aber einen unangenehmen Beigeschmack, sagt er. Und dass er es leid sei, ständig Rede und Antwort stehen zu müssen. Selbst in Bischofswerda beim Einkauf werde er darauf angesprochen. Am 1. April 2016 steht das 20-jährige Bestehen der Gaststätte unter seinen Fittichen an. Die Zeit bis dahin will er jedenfalls „noch voll machen“, stellt Rodig klar.

Im Kulturhaus Bischofswerda hatte er 1967 Koch gelernt und stand seitdem immer in irgendeiner Küche, hat in seiner Jugend sogar auf der Leipziger Messe gekocht. Als er 1996 in Schmölln mit dem Kauf der Badgaststätte etwas Neues beginnen wollte, rieten viele dem damals 46-Jährigen ab. Er ließ sich nicht beirren. Wenn etwas schief gegangen wäre, so sagt er heute, hätte er sich nur an die eigene Nase fassen können. Doch es passte – zumal seine Frau Ilona gelernte Kellnerin ist. Erbaut wurde die Gaststätte in tiefsten DDR-Zeiten in den einstmals üblichen freiwilligen Aufbaustunden. 1998 ließ Ekkehard Rodig einen Anbau errichten. Mit Toilette. Zuvor hatte jeder bei einem Bedürfnis über den Hof gemusst. In den ersten drei Jahren wurde mehr als zehnmal eingebrochen. Wegen Zigaretten und Alkohol. Der angerichtete Schaden war meist größer als der Wert des Diebesgutes. Seither sind Fenster und Türen vergittert.

Schon viel mitgemacht

Viel hat Wirt Ekkehard Rodig in den fast zwei Jahrzehnten mitgemacht, wie die Euro-Umstellung zum Beispiel. Und jetzt die Einführung des Mindestlohns. Es sei gut für die Leute, die nun mehr verdienen, sagt er. Doch kleine Firmen wie seine hätten daran zu knabbern. Hinzu käme der riesige bürokratische Aufwand. Jederzeit müsse man dem Zoll Stundennachweise der Mitarbeiter vorlegen können. Das sei bei einigen Lieferanten schon kontrolliert worden. Viel mehr Aufwand ohne zusätzlichen Umsatz. Da zog der Chef der Badgaststätte Konsequenzen. Er strich den Partyservice. „Der ist sehr zeitaufwendig und mit dem Mindestlohn nun zu kostenintensiv“, begründet er. Zudem ist sonntags nur noch zum Mittagstisch offen. Und in der Badsaison der Kiosk.

Das Vorurteil mancher, er verdiene im Sommer so viel, dass er im Winter davon leben könne, sei eine Illusion. Ohne die anderen Standbeine wie Gaststätte und Feiern käme er nicht über die Runden. Außerhalb der Badsaison sei in der Woche kaum etwas los. Dafür werde der Mittagstisch am Wochenende immer beliebter. Vereine wie der Schmöllner Heimatverein, Imker, Kaninchenzüchter und Angler aus der Umgebung halten bei ihm Versammlungen ab. Aber den größten Umsatz bringen Familienfeiern, zumeist Geburtstage. Ekkehard Rodig und seine Frau werden von einer weiteren Köchin, einer Küchenhilfe und einer zweiten Bedienung unterstützt. Personal für die Gastronomie sei ja kaum noch zu haben. Wohl auch wegen der Arbeitszeiten. Wie oft er in 47 Berufsjahren Weihnachten und Silvester in der Küche verbrachte, vermag er nicht zu sagen. Bereut hat er den Schritt in die Gastronomie dennoch nicht. Auch wenn er jetzt manchmal merkt, dass es an die Kräfte geht. Er habe sich nie damit zufrieden gegeben, als Badgaststätte nur Getränke, Eis und Pommes anzubieten. Dafür koche er viel zu gern.

Noch keinen Nachfolger gefunden

2016 will sich Familie Rodig aus der Gaststätte zurückziehen. Ekkehard Rodig macht es Sorge, dass er noch keinen Nachfolger weiß. Der einzige Sohn sei zwar ebenfalls Gastronom, lebe aber im Ausland. Dass Rodigs dann viel mehr Zeit für ihre drei Enkel haben werden, darauf freuen sie sich schon.

Badgaststätte Schmölln geöffnet ab 17 Uhr, So ab 11 Uhr, Die/Mi Ruhetag,Telefon: 03594 707675

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