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Weitere Stolpersteine verlegt

Das Denkmal für jüdische Mitbürger wächst weiter. Der Neffe zweier Opfer zeigt sich tief berührt.

Von Kristin Hofmann

Eigens aus New York reiste der 80-jährige Neffe des Ehepaares de Levie an. Für die beiden wurden zwei Stolpersteine vor deren ehemaligem Wohnhaus in der Großenhainer Straße 13 verlegt. In einer bewegenden Rede sprach der Psychologe in fließendem Deutsch von einem großen Tag für seine Familie und erinnerte an das Leben von Bernhardt und Frieda de Levie. Sie lebten bis zu ihrer Flucht nach Amsterdam in Meißen und wurden 1942 nach Auschwitz verschleppt und dort im Alter von 40 und 32 Jahren ermordet. Ari de Levie war damals sechs Jahre alt und lebte mit seinen Eltern in Palästina. Eine Beerdigung und damit eine letzte Ruhestätte haben seine Angehörigen nie erhalten.

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Umso erfreuter ist er nun, dass mit diesen beiden Steinen ein fester Platz zum Gedenken an seinen Onkel und dessen Frau eingerichtet werden konnte. Einen besonderen Dank sprach de Levie den Vertretern der Bürgerinitiative Stolpersteine Meißen für deren Engagement und dem Künstler Gunther Demnig aus, der dieses Projekt in den 90er Jahren ins Leben rief und mittlerweile europaweit für das größte dezentrale Denkmal der Opfer des Nationalsozialismus mehr als 43 500 Stolpersteine verlegt hat.

Rund 50 Menschen, darunter eine komplette Schulklasse der Pestalozzi-Schule, nahmen an der Einweihungsfeier teil. Neben den Stolpersteinen in der Großenhainer Straße wurden zwei weitere Gedenktafeln vor den Häusern am Roßmarkt 1 für Rosa Cohn und in der Hafenstraße 29 für Marie Moskowitz verlegt. Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) und Pfarrer Bernd Oehler legten, wie viele andere Gäste, Blumen an den Gedenkstätten nieder. Landrat Arndt Steinbach (CDU) sagte, dass es besonders wichtig sei, die Erinnerung, vor allem bei den jungen Menschen, 75 Jahre nach Beginn der Gewaltmaßnahmen gegen die Juden aufrecht zu erhalten.

In Meißen sind mittlerweile sechs der kleinen Messingtäfelchen verlegt, weitere sollen demnächst folgen. Die Bürgerinitiative Stolpersteine Meißen ist zur Finanzierung der je 120 Euro teuren Gedenksteine auf weitere Spenden angewiesen.