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Weiterer Hochwasserschutz für die Übigauer

Die Bewohner haben jetzt eine Bürgerinitiative gegründet, um im Notfall besser gerüstet zu sein. Auch die Stadt ist gefordert.

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Von Kathrin Kupka-Hahn

Ruhig fließt sie vor sich hin, die Elbe. Doch so richtig genießen können Jens Jeremias und Tino Jasef die momentane Idylle nicht. Noch sind die Bilder vom Juni 2013 in ihren Köpfen. Damals kämpften beide gegen das Hochwasser, das Übigau in eine Insel verwandelte und einzunehmen drohte. Jeremias war am Sandsackverbau an der Lindenschänke in Altmickten beteiligt, während Jasef bei der Verteidigung des Kindergartens der „Übigauer Großfamilie“ in Altübigau half. Der Pegel war hier rund 40 bis 50 Zentimeter höher als in Dresden.

Mehrere Sandsackwälle hatten die Übigauer errichtet und die südliche Grenze der Flutrinne gesichert – anfangs alleine, später unterstützten die Feuerwehrleute aus Weißig und zahlreiche freiwillige Helfer. Im Großen und Ganzen ist 2013 alles gut gegangen. Übigau wurde dank der errichteten Wälle nicht überflutet und die Schäden hielten sich in Grenzen. Dennoch ist unklar, was ein nächstes Hochwasser anrichten könnte. „Dann wollen wir schnell und rechtzeitig reagieren können“, sagt Jens Jeremias.

Deshalb haben er und einige weitere Bewohner vor vier Wochen eine Bürgerinitiative gegründet – für den Hochwasserschutz der Übigauer Insel. Inzwischen haben sich dieser rund 30 Anwohner angeschlossen. „Wir wollen fester Partner der Stadt sein und somit Ansprechpartner für Ämter, Verwaltungen und Behörden“, sagt er. Parallel dazu sehen es die Übigauer als Pflicht an, selbst aktiv zu werden. Bereits am 11. Juni ist ein Training für den richtigen Sandsackverbau beim Katastrophenschutz in Übigau angesetzt. „Wichtig ist uns auch, dass mobile Hochwasserschutzwände und auch mehrere Sandsäcke bei den Bewohnern vor Ort eingelagert werden“, sagt Tino Jasef.

Unterstützung für ihre Initiative bekommen die Übigauer vom Stadtrat Veit Böhm (CDU). Er will sich dafür einsetzen, dass Kaditz und Übigau in den Hochwasserschutzplan der Stadt aufgenommen werden. Über einen entsprechenden Antrag soll in den aktuellen Sitzungen des Pieschener Ortsbeirates und des Stadtrates abgestimmt werden. Normalerweise ist der Freistaat mit seiner Landestalsperrenverwaltung (LTV) dafür zuständig. Jedoch ist momentan unklar, wann dessen Pläne umgesetzt werden können. Eine aktuelle Anfrage der Sächsischen Zeitung blieb unbeantwortet. Der Mitarbeiter sei erst ab Donnerstag wieder erreichbar. Im März sagte LTV-Sprecherin Britta Andreas, dass die Pläne frühestens zum Jahresende, wahrscheinlich erst im Sommer 2016 zur Genehmigung eingereicht werden können.

Flutrinne ist noch immer unsaniert

Eine konkrete Aussage zum Baubeginn konnte sie nicht treffen. Dieser sei je nach Dauer des Genehmigungsverfahrens frühestens Anfang 2018 möglich. Laut Stand vom Sommer 2014 sind folgende Hochwasserschutz-Arbeiten für Übigau vorgesehen: In Altübigau soll die bestehende Mauer an der Elbe verstärkt und teilweise neu gebaut werden. Zudem wird an dem Durchgang zur Elbe ein Hochwasserschutztor errichtet. In Altmickten, zwischen der Mündung der Kaditzer Flutrinne und der Straße Altmickten, wird eine Hochwasserschutzwand errichtet. Zudem soll der Deich als südliche Begrenzung der Flutrinne neu gebaut werden.

Letzteres halten nicht nur Jens Jeremias und Tino Jasef für sehr wichtig, auch die unmittelbar angrenzenden Grundstückseigentümer. „Beim letzten Hochwasser hat nicht mehr viel gefehlt, und der Deich wäre gebrochen. Er war weich wie Pudding“, sagt Uwe Weitzenberg. Umso mehr ärgert den Anwohner, dass die Böschung an der südlichen Flutrinne nicht gepflegt wird. Seit Jahren schon. „Offenbar fühlt sich niemand dafür zuständig“, sagt Tino Jasef. Deshalb begann der Übigauer zu recherchieren. Die Flutrinne wurde 1902 geplant, bis 1912 gebaut und bereits 15 Jahre später verbreitert. 2012/2013 hatte die LTV den nördlichen Rand der Flutrinne saniert und erhöht. Die Südseite blieb außen vor.

Bei seinen Recherchen stieß Jasef auf eine Übertragung der Grundstücke an der Flutrinne an die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). „Früher fuhren die Bahnen auf dem Damm entlang bis zur Gleisschleife bei Siemens“, sagt er. Doch DVB-Sprecher Falk Lösch teilt auf Nachfrage mit, dass die Verkehrsbetriebe dort keinerlei Liegenschaften oder Linienverkehr haben. Eine Antwort der Landestalsperrenverwaltung dazu steht noch aus.

Heute Abend stellen die Übigauer ihre Bürgerinitiative Hochwasserschutz Übigauer Insel in der Pieschener Ortsbeiratssitzung vor. Beginn ist um 18 Uhr im Bürgersaal des Rathauses in der Bürgerstraße 63.