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Weitergeben statt wegwerfen

Seit reichlich einem Jahr hat die Möbelbörse geöffnet. Das Projekt hilft, Müll zu vermeiden.

Von Cathrin Reichelt

Schallplatten liegen neben Plüschtieren, Lampen neben Gardinenstangen, Brotbüchsen neben Vasen. „Die Möbelbörse bietet nicht nur Schrankwände und Couchgarnituren an. Darüber sind immer noch viele Leute erstaunt, die hierher kommen“, sagt Christine Seifried. Sie leitet im Netzwerk Möbelwert die Möbelbörsen in Döbeln, Mittweida und Penig sowie die Umweltwerkstätten.

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Seit reichlich einem Jahr gibt es die Möbelbörse an der Eichbergstraße in Döbeln. Rund 740 Quadratmeter Fläche, verteilt auf zwei Etagen, sind extra für das Projekt vorgerichtet worden. In dem arbeiten zwei Festangestellte. Sie werden durch neun Langzeitarbeitslose und ein bis zwei Leute unterstützt, die einen sozialen Dienst leisten.

Christine Seifried appelliert an das Umweltbewusstsein der Menschen. „Jeder hat eine Verantwortung gegenüber der Umwelt“, meint sie. „Was nicht wiederverwendet wird, wird entsorgt.“ Dem will das Netzwerk Möbelwert entgegenwirken. „Egal, ob eine Kaffeetasse oder ein Schlafzimmer – alles kann einen zweiten Nutzer finden“, meint Christine Seifried. Durch die Abgabe der Dinge an die Möbelbörse werde zum einen das Müllaufkommen verringert. Zum anderen freuten sich Menschen, die die Sachen für einen geringen Preis kaufen können.

Allerdings stellen die Mitarbeiter der Möbelbörse auch einen gewissen Anspruch an die potenziellen Verkaufsobjekte. „Wir nehmen zum Beispiel nur Möbel, die noch jeweils zweimal auf- und abgebaut werden können“, so Christine Seifried. Deshalb schauen sich Mitarbeiter die Schrankwände, Küchen oder auch Badmöbel zuerst beim Anbieter an. Sind sie in einem ordentlichen Zustand, werden sie kostenlos abgebaut und zur Möbelbörse gebracht. „Dort bauen wir jedes Stück wieder auf. Wir stellen keine Bretter an die Wand. Interessierte sollen sich die Möbel von allen Seiten betrachten können“, erklärt die Leiterin. Hat sich ein Käufer gefunden, werden die Möbel wieder abgebaut und zu ihm nach Hause gebracht. „Was diesen Kreislauf nicht übersteht, nehmen wir gar nicht erst an“, so Seifried.

In der Möbelabteilung findet sich zurzeit von jedem etwas: rustikale Schrankwände, Schlafzimmer, Badeinrichtungen, aber keine Schrankwände aus DDR-Zeiten. „Die sind zwar meistens gut gepflegt, aber die kauft niemand mehr.“ Anders sehe das mit DDR-Küchen aus. Sie seien nach wie vor gefragt. An einer Wand stehen Kühlschränke und Herde. An denen und an Waschmaschinen habe die Möbelbörse immer Bedarf.

Bedürftige erhalten Preisnachlass

Wie in einem Haushaltwarengeschäft sieht es in der oberen Etage aus. Teller, Tassen und Gläser stapeln sich. „Wenn jemand so etwas abzugeben hat, kann er immer zu den Öffnungszeiten zu uns kommen. Es muss auch kein ganzes Service sein. Hauptsache das Geschirr ist nicht kaputt“, sagt die Leiterin. Deren Mitarbeiter nehmen auch Kleidung entgegen, die in einem der hinteren Räume nach Kinder-, Damen- und Herrensachen sortiert, präsentiert wird.

Pro Monat erhält die Möbelbörse 30 bis 40 Angebote, die abgeholt oder gebracht werden. Alles wird gereinigt, einiges in der Polsterei oder Tischlerei in Mittweida aufgearbeitet. „Mittlerweile nehmen wir auch Auftragsarbeiten von Kunden entgegen, die ihre Möbel behalten, aber auf Vordermann bringen möchten“, sagt Christine Seifried.

Für die Sachen, die in der Möbelbörse angeboten werden, gibt es Grundpreise. Zusätzlich werden sie danach bewertet, wie viele Gebrauchsspuren sie haben und ob sie modern oder eher älter sind. Jeder, der Interesse hat, kann sich in der Möbelbörse umsehen. Für Menschen, die zum Beispiel mit einem Hatz IV- oder BAföG-Bescheid oder einer GEZ-Befreiung ihre Bedürftigkeit nachweisen, erhalten ab einem Betrag von zehn Euro einen Nachlass von zehn Prozent auf den Preis.

Die Einnahmen aus der Möbelbörse werden für die Miete der Räume, Benzin, Verwaltung und Personalkosten verwendet. „Wir arbeiten kostendeckend“, sagt die Leiterin. Ein paar mehr Kunden könnte das Projekt aber noch vertragen. Derzeit kommen im Durchschnitt 30 bis 40 Besucher pro Tag. Aber, wie in jedem anderen Geschäft, kauft nicht jeder etwas. Wer in der Woche keine Zeit hat, kann sich den 17. Mai vormerken. Dann bietet die Möbelbörse von 9 bis 12 Uhr einen verkaufsoffenen Sonnabend an.

Die Möbelbörse an der Eichbergstraße hat montags, mittwochs und freitags von 9 bis 14 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 9 bis 18 Uhr geöffnet.