SZ + Großenhain
Merken

Welche Chance hat das Ärztehaus wirklich?

Das Alte Schloss in Zabeltitz soll für Millionen zum Gesundheitszentrum werden. Doch spielt da die Kasse mit?

Von Birgit Ulbricht
 4 Min.
Teilen
Folgen
Umweltminister Thomas Schmidt besuchte im Januar Dr. med. Ronald Mai im Alten Schloss Zabeltitz. Der Kieferchirurg könnte sich hier ein Gesundheitszentrum mit Ärzten und Tagespflege vorstellen.
Umweltminister Thomas Schmidt besuchte im Januar Dr. med. Ronald Mai im Alten Schloss Zabeltitz. Der Kieferchirurg könnte sich hier ein Gesundheitszentrum mit Ärzten und Tagespflege vorstellen. © Kristin Richter

Großenhain. Diese Nachricht verwunderte viele Großenhainer dann doch. Das Zabeltitzer Schloss soll für Millionen zu einem Top-Gesundheitszentrum umgebaut werden. Vielleicht auch mit einer Tagespflege für Senioren. In einer Mammutrunde mit Ministerien, Ämtern, Landkreis, Nachbarkommune und vor allem der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) hat die Stadt den Superdeal offenbar klargemacht. Zumindest soweit, dass die KV einem medizinischen Standort nördlich von Großenhain überhaupt zustimmt. 

Denn eines ist klar, ohne grünes Licht für einige Fachärzte droht das Projekt von vornherein zu scheitern. Wie es trotzdem gehen könnte, Ärzte nach Zabeltitz zu holen, das erklärten CDU-Kreise im Anschluss an diese Runde. Betrachtet wurde demnach das ländliche Gebiet von Gröditz bis in den nördlichen Raum von Großenhain hinein, aber auch Südbrandenburg. 

Ein „weißer Fleck“ in Sachen medizinischer Versorgung, wie man befand. Zahlen wurden der SZ allerdings auf Nachfrage nicht mitgeteilt. Nur zwei Tage später veröffentlichte die Kassenärztliche Vereinigung allerdings die Statistik zur ärztlichen Versorgung. Betrachtet wurden die vorhandenen Praxen im Versorgungsgebiet Riesa-Großenhain.

Der Altkreis RG gilt als eine Betrachtungsregion. Das hat schon zu mancher Crux geführt: zuletzt, als mit der Schließung der Kinderarztpraxis in Schönfeld nachgerechnet wurde, wie es um die Versorgung der Jüngsten steht. Ergebnis: der Altkreis galt als überversorgt, ein neuer Kinderarzt konnte sich nicht ansiedeln und das, obwohl die Eltern im Osten des Landkreises plötzlich richtig lange Wege hatten, weil auch in Südbrandenburg und Königsbrück Ärzte, ohne Nachfolger zu finden, aufgehört hatten. 

Denn für die Statistik ist es gleich, ob die Ärzte einer Fachrichtung alle in einer Stadt oder gut verteilt im Gebiet niedergelassen sind. Was zählt, ist nur die Abdeckung pro Einwohner. Genau diesen Mechanismus wollte die Stadt Großenhain mit der Betrachtung des nördlichen Gebietes bis Gröditz und Südbrandenburg durchbrechen.

Die offiziellen Zahlen verheißen nun aber nichts Gutes. Von rund 97.700 Einwohnern gehen die Planer hier aus. Die südliche Hälfte des Landkreises gehört zum Planungsbereich Meißen. „Der Versorgungsgrad berechnet sich aus dem Verhältnis der Zahl der Vertragsärzte beziehungsweise angestellten Ärzte in der jeweiligen Arztgruppe zur Einwohnerzahl des Planungsbereichs“, erklärt Katharina Bachmann-Bux, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen. 

„Möglichkeiten der Zulassung und Anstellung bestehen bis zu einem Versorgungsgrad von 110 Prozent. Erst dann ist der Planungsbereich gesperrt, sodass keine Neuzulassungen mehr möglich sind“, so die Sprecherin. Auffallend für den Planungsbereich Riesa-Großenhain: Bei allen Fachärzten in der Statistik herrscht Überversorgung, seien es Haut-, Nerven, HNO-, Augen-, Kinder-, Frauenärzte oder Urologen. Oft deutlich mit Prozentwerten weit über 140, bei den Chirurgen und Orthopäden sind es sogar rund 181 Prozent. 

Der Landesausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung habe aber noch Anpassungsspielraum, um regionale Besonderheiten zu berücksichtigen, zum Beispiel den Altersdurchschnitt und die Infrastruktur. Neu ab nächstem Jahr soll auch beachtet werden, ob in einer Region bestimmte Krankheitsbilder häufiger auftreten. Im Abstand von drei bis fünf Jahren werde die Bedarfsplanung überprüft und angepasst. Darauf setzt man auch im Großenhainer Rathaus. 

Denn wie Sprecherin Katharina Bachmann-Bux einräumt, müsse man die Situation noch einmal aktuell prüfen, wenn die Umbauvorbereitungen in trockenen Tüchern sind. Das könnte erst in ein paar Jahren der Fall sein. Zunächst gibt die Stadt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, die das Vorhaben unter anderem nach baulichen, technischen, medizinischen und finanziellen Konsequenzen prüft. Im Sommer gab es dazu Gespräche seitens der Stadt Großenhain mit dem Sächsischen Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) und der KV Sachsen. 

Die KV Sachsen begrüßt es sehr, dass sich die Stadt Großenhain für die ärztliche Versorgung in der Region engagiert. Doch zwei Fragen werden dann zu beantworten sein: Bekommt Zabeltitz für bestimmte Ärzte eine Niederlassungserlaubnis bzw. können Praxen hierher verlegt werden? Wie überzeugt man Mediziner, nach Zabeltitz zu kommen. Da geht es um viel Geld, Genehmigungen und Lebensentscheidungen.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.