SZ +
Merken

Welche Fische leben eigentlich im Olbersdorfer See?

Der O-See ist nicht nur für Badegäste ein beliebtes Ziel. Viele Tiere fühlen sich hier wohl – mehr, als manchem lieb ist?

Teilen
Folgen

Von Stephan Paul

Klaus-Peter Scharf ist jemand, den man mit Sicherheit als einen passionierten Angler bezeichnen kann. Seit vier Jahrzehnten geht er inzwischen auf Fischfang, erzählt der 48-Jährige. „Als Kind bin ich im Spreewald gewesen. Da habe ich meine Leidenschaft fürs Angeln entdeckt.“

Seit 1975 war er in einem Zittauer Angelverein Mitglied, bevor er dann in den 90er Jahren nach Großschönau wechselte, wo er inzwischen auch Vorsitzender ist. Wenn er nicht gerade seinem Hobby nachgeht, dann betreibt er zwei Zoohandlungen in Zittau. Somit kennt er sich mit den Fischen im Olbersdorfer See bestens aus.

Es gibt sechs Arten, die ziemlich häufig im ehemaligen Tagebau vorkommen. Das sind laut dem Angler Aale, Zander, Karpfen, Schleie, Barsche und Hechte. Wie sind die Fische aber in den ehemaligen Tagebaustandort gekommen?

„Kurz nachdem der See entstanden ist, gab es schon einen recht großen Bestand an Hechten“, weiß Scharf. Die seien entweder von Wasservögeln eingeschleppt worden oder durch die Grundbachsenke eingewandert. Der Großteil ist aber anders in den ehemaligen Tagebaustandort gelangt: „Die Angelvereine kaufen die Fische und setzen diese dann in den Gewässern ein“, erklärt Scharf. Für den Olbersdorfer See ist vor allem der Zittauer Sportfischerverein zuständig, den es seit 1992 gibt.

Dort ist auch Andreas Großmann seit zehn Jahren Mitglied. „Wir angeln nicht nur, sondern pflegen auch das Gewässer und reinigen die Uferränder“, so der 50-jährige Zittauer. „Die Fische setzen wir ein, damit das ökologische Gleichgewicht erhalten bleibt.“ Das heißt im Klartext – verschiedene Fischarten leben in einem Gewässer und wie überall gilt die Devise: Der Größere frisst den Kleineren. Die Bestandszahlen bleiben dabei in etwa gleich, ohne dass von außen weiterer Einfluss darauf genommen werden muss.

Unter den sechs Arten sind drei Raubfische. Das lässt den ein oder anderen Badegast vielleicht aufhorchen, heißt aber nur, dass sich die Fische nicht von Pflanzen ernähren, sondern zum Beispiel von Würmern oder kleinen Fischen. Diese Essgewohnheiten teilen Aale, Hechte und Zander gemeinsam. Die restlichen Arten sind Vegetarier. Karpfen und Schleie sind dabei besonders genügsam. Sie fressen alles Pflanzliche und davon bietet der O-See reichlich.

Überhaupt ist er ein Gewässer, dass optimale Bedingungen für die Fische bietet: „Die Wasserqualität im See könnte kaum besser sein.“ Danach und nach dem Nährstoffgehalt richte sich letztlich auch, welche Fische in einem See leben.

Spannend ist aber vor allem die Lebensweise der einzelnen Tiere. Besonders interessant sind die Aale. Ihr eigentlicher Lebensraum liegt in Süßgewässern wie dem Olbersdorfer See. Wenn sie aber laichen – also Eier im Wasser ablegen – dann zieht es sie ins Salzwasser. Gegen Ende des Herbstes werden die Fische unruhig und verlassen ihren eigentlichen Lebensraum. Sie nehmen dafür einen mehr als einjährigen Weg in Kauf, bei dem sie ohne Nahrung auskommen. Ihr Ziel ist der Sargassosee im Atlantik, wo alle Aale schlüpfen. Dann schwimmen sie zum Beispiel an den Olbersdorfer See zurück, wo die Eltern gelebt haben. „Warum das so ist, konnte die Wissenschaft bislang nicht vollständig erforschen“, sagt Großmann.

Die anderen Fische im O-See laichen an den Uferrändern, wo die Eier gut versteckt sind. Vor allem Hechte verteidigen diese Stellen besonders aggressiv. Für andere Fische kann das gefährlich sein. Badegäste haben dabei nicht viel zu befürchten, versichert Großmann: „Es kann höchstens mal einen kleinen Kratzer geben. Und wenn, dann geschieht das nur versehentlich, denn meistens flüchten sie vor Menschen.“ Man kann also ganz sorgenfrei im Olbersdorfer See baden gehen, ohne Angst vor den Fischen haben zu müssen.

Vielleicht nimmt man sie aber beim nächsten Badebesuch etwas bewusster wahr.