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Welche Gefahren gehen von der Königsteiner Wismuthalde aus?

Eine Abdichtung nach unten gibt es nicht, genauso wenig wie konkrete Messwerte.

Von Ines Mallek-Klein

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Würde Ivo Teichmann die E-Mails alle ausdrucken, käme mittlerweile ein ordentlicher Stapel Papier zusammen. Seit Ende letzten Jahres steht er im Kontakt mit dem Landratsamt in Pirna und dem Umweltministerium in Dresden. Er will wissen, was auf der Wismuthalde im Schüsselgrund passiert und wie hoch die Schadstoffbelastung für die Umwelt ist.

Alarmiert hat Ivo Teichmann ein Zeitungsbeitrag (SZ vom 28. November 2014). Im Zuge des Abrisses von zwei Fördertürmen erklärte der Sprecher der Wismut, warum ein Teil der schadstoffbelasteten Abfälle in Königstein bleibt – mitten im Landschaftsschutzgebiet. Den Begriff Endlager mag man bei dem Unternehmen, das sich seit 1990 um die Hinterlassenschaften der Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft kümmert, nicht besonders. Nichts anderes ist aber die Halde im Schüsselgrund. Rohre, Schläuche, Matten, Reifen – alles, was sich nicht oder nur mit großem Aufwand dekontaminieren lässt, bleibt dort.

Für Ivo Teichmann, der seit 2014 für die AfD im Kreistag sitzt, ein Skandal. Er sieht die Gesundheit der Einwohner und die Zukunft der Region als Urlaubsdomizil in Gefahr. Letztere Ansicht teilen auch seine politischen Gegner. Es sei aber nicht der strahlende Uranschrott, der die Touristen vertreibt, sondern die von Teichmann geforderte öffentliche Debatte über das Thema. Teichmann lässt sich davon nicht irritieren. Er hat um Aufklärung über die aktuelle Schadstoffbelastung im Landratsamt gebeten. Das wiederum schaltete das zuständige Umweltministerium in Dresden ein. Die Antwort von dort ließ, erstens, auf sich warten, und lässt , zweitens, „viele meiner Fragen offen“. Teichmann forderte konkrete Messergebnisse, doch die bleibt das Ministerium auch in seiner zweiten Reaktion schuldig. Es gibt zwar ein Messnetz zur Umgebungsüberwachung. Die Sensoren erfassen die Konzentration von Radon und langlebigen, gefährlichen Alphastrahlen im Schwebstaub. In den zurückliegenden Jahren sei keine signifikante Erhöhung der Strahlendosis festgestellt worden, heißt es aus Dresden.

Doch warum nennt man, wenn man nichts zu verbergen hat, keine konkreten Werte, fragt Ivo Teichmann. Noch eine Tatsache bereitet ihm Sorge. Das Umweltministerium räumt ein, dass die 1964 eingerichtete Halde nach dem damals geltenden Stand der Technik gebaut wurde und damit nach unten nicht abgedichtet ist. Ein gewisser Eintrag von radioaktiven und anderen löslichen Stoffen aus der Schüsselgrundhalde in den Untergrund sei deshalb nicht auszuschließen, heißt es weiter. Das ist fatal, sagt Teichmann. Denn im Bereich des Wismut-Geländes gibt es verschiedene Grundwasserleiter. Sie sind ein Grund, warum das Unternehmen die alten Stollen nicht vollständig fluten kann. Experten fürchten, dass Schadstoffe aus dem Gestein ausgewaschen werden und in das Grundwasser gelangen könnten.

Abhilfe soll eine spezielle Abdeckung schaffen, die verhindert, dass Niederschlagswasser eindringt. Doch warum liegen dann so große Teile offen und warum gibt es ein Trockenbeet, in das eigens Schlamm eingespült wird, fragt Ivo Teichmann. Antworten erhofft er sich nun am 3. März. Dann werden die Mitglieder des Umweltbeirates zusammenkommen. Sie begleiten die Sanierung der Wismuthalde von Beginn an. Über 880 Millionen Euro wurden hier seit 1990 schon investiert. Für die Ablagerungen und den Rückbau gibt es entsprechende Genehmigungen. Aber warum wurde nie die Bevölkerung informiert, fragt der Kreisrat. Er möchte das ändern und fordert eine Informationsveranstaltung von der Wismut.

Thema dort könnte auch der Wildschutzzaun sein. Der soll verhindern, dass Wildtiere auf das Wismutgelände gelangen und dort mit giftigen Stoffen in Berührung kommen. Das Schwarzwild hat den Zaun immer wieder untergraben. Die Wismut wurde deshalb dazu angehalten, eine Lizenz zu beantragen, um eingedrungene Tiere zu jagen, und tut das seitdem auch. Grundsätzlich geht das Umweltministerium aber davon aus, dass die Wildschweine nicht radioaktiv belastet sind. Die ein Meter hohe Abdeckung der Halde sei für sie quasi undurchdringbar. Doch was ist mit den offenen Rohren, Matten und Reifen, die wenige Meter weiter im Trockenbeet liegen, fragt Ivo Teichmann.

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