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Görlitz

Wird es für Görlitz und Niesky ein Jahr ohne Feste?

Hexenfeuer und Europamarathon sind in Görlitz wegen Corona abgesagt. Viele andere Veranstalter warten noch ab.

Teatro Só aus Portugal gastierten mit dem Stück „Sorriso“ beim Viathea 2018 im Görlitzer Stadtpark. Ob es 2020 ein Viathea gibt, ist offen.
Teatro Só aus Portugal gastierten mit dem Stück „Sorriso“ beim Viathea 2018 im Görlitzer Stadtpark. Ob es 2020 ein Viathea gibt, ist offen. © nikolaischmidt.de

Der 17. Europamarathon hat schon einen neuen Termin: Am 6. Juni 2021 findet der Lauf statt – wegen der Corona-Krise exakt ein Jahr später als geplant. Aus dem gleichen Grund abgesagt sind dieses Jahr alle Hexenfeuer in der Stadt Görlitz. Doch was ist mit den anderen Großveranstaltungen in Görlitz, Niesky und Umgebung? Was ist abgesagt, wo besteht noch Hoffnung? Die SZ hat sich umgehört.

Tippelmarkt und Altstadtfest: Entwicklung abwarten

Der städtische Kulturservice in Görlitz hat bisher keinen seiner Veranstaltungshöhepunkte wie Tippelmarkt,  Altstadtfest und Christkindelmarkt abgesagt. „Im April treffen wir dazu keine Entscheidungen“, sagt Geschäftsführer Benedikt Hummel. Die Devise heißt: „Wir warten ab, wie sich die Lage entwickelt.“ Im Mai müsse der Kulturservice dann weitersehen.

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Bis dahin werden alle Feste weiter vorbereitet – so, dass sie tatsächlich stattfinden könnten. Manches läuft aber trotzdem anders als sonst. Beispielsweise gibt der Kulturservice kein Geld für Werbung aus. Und er schließt auch keine verbindlichen Verträge mit Musikern, Schaustellern und dergleichen. „Wenn wir Verträge schließen, dann unter dem Vorbehalt, dass die Veranstaltung auch abgesagt werden könnte“, so Hummel. Bisher sei noch niemand fest gebucht, auch keine Hauptband für das Altstadtfest.

Der Schlesische Tippelmarkt in Görlitz ist für den 18./19. Juli geplant. Ob er stattfinden kann, ist offen. Die Planung läuft aber weiter, sodass der Markt durchführbar ist.
Der Schlesische Tippelmarkt in Görlitz ist für den 18./19. Juli geplant. Ob er stattfinden kann, ist offen. Die Planung läuft aber weiter, sodass der Markt durchführbar ist. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Theater: Viathea ist in der Schwebe

Am Gerhart-Hauptmann-Theater gibt es Kurzarbeit bis Ende April, alle Veranstaltungen bis Ende Mai sind abgesagt. „Derzeit haben wir nur eine Notmannschaft hier“, sagt Philipp Bormann, Referent des Generalintendanten. Sogar Viathea-Organisatorin Christiane Hoffmann sei auf Kurzarbeit null. „Wir können derzeit nichts organisieren, weil wir nicht wissen, wann und in welcher Form wieder Veranstaltungen stattfinden können“, begründet Bormann die Entscheidung.

Wenn klar ist, wann Veranstaltungen möglich sind, müsse geprüft werden, wie die Projekte aussehen können. Es könne dann ja immer noch Einschränkungen geben – etwa, weil Künstler aus dem Ausland nicht anreisen dürfen oder weil nur eine bestimmte Besucherzahl zugelassen wird. Das gelte fürs Viathea genauso wie fürs Sommertheater und alle anderen Aufführungen.

Landskron: Braufest ist noch nicht abgesagt

„Wir gehen bisher noch davon aus, dass unser Braufest Mitte Juni stattfindet“, sagt Matthias Grall von der Landskron-Brauerei. Sein Unternehmen versuche, den Termin so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, sei aber letztlich an die Entscheidungen der Politik gebunden. In der Kulturbrauerei sind die April-Konzerte verschoben. Da, wo sich kein Ersatztermin finden ließ, gab es Absagen, erklärt Lars Semrok von der Kulturbrauerei.

Er rechnet damit, dass auch die Konzerte von Stahlzeit und Bonnie Tyler Anfang Juni verschoben werden: „Dort werden gerade Ersatztermine abgefragt.“ Auf der Brauerei-Internetseite soll das veröffentlicht werden, sobald es feststeht. Für die Konzerte von Lea und Max Giesinger im Juli/August hat Semrok noch Hoffnung.

Stadt: Sanierungstag und Denkmaltag werden vorbereitet

„Die Entscheidung, ob der Tag der offenen Sanierungstür mit der Kreiselmeile im Juni stattfinden kann, fällt nach Ostern“, sagt Hartmut Wilke vom Amt für Stadtentwicklung. Auch die Vorbereitungen für den Denkmaltag im September laufen erst einmal, sagt Stadtsprecherin Sylvia Otto: „Bis dahin ist aber auch noch ein wenig Zeit.“

Subkultur: Kneipenfest und Zukunftsvisionen verschoben

Das Kneipenfestival „Görlitz rockt“ ist normalerweise der Auftakt des Veranstaltungsjahres in Görlitz. Es sollte am 18. April stattfinden, doch zu diesem Termin gilt die Ausgangsbeschränkung auf jeden Fall noch. Neuer Termin ist der 3. Oktober. Auch das studentische Festival Zukunftsvisionen, das vom 23. Mai bis 1. Juni stattfinden sollte, wird verschoben. „Es wird definitiv stattfinden“, sagt Projektleiter Felix Schuster. Ein genaues Datum soll an diesem Wochenende bestimmt werden: „Wir tendieren zum Spätsommer.“ Die Förderer ziehen mit: „Wir müssen also keine Angst haben, in finanzielle Nöte zu geraten.“

Festivals: Fokus und Folklorum sollen stattfinden

„Das Fokus Festival kann nach aktuellem Stand im August stattfinden“, sagt Christian Thomas vom Verein Second Attempt. Die Vorab-Veranstaltungen, die für April und Juni geplant waren, seien aber erst einmal verschoben worden. Die Entscheidung zur offiziellen Eröffnung des neuen Zentrums im früheren Waggonbau-Werk I sei noch nicht final getroffen. „Mit der Vorbereitung liegen wir im Plan, rechnen aber eher mit einer Verschiebung“, so Christian Thomas. Auf der Kulturinsel Einsiedel zeigt sich Jürgen Bergmann optimistisch: „Ich bin mir zu 99 Prozent sicher, dass das Folklorum Anfang September stattfindet.“

Polen: Zgorzelec sagt große Veranstaltungen ab

Der Zgorzelecer Bürgermeister Rafal Gronicz hat die Durchführung der größten Veranstaltungen des Jahres abgesagt. Betroffen sind das Finale „Tage der Stadt“ am 27./28. Juni und das 23. Festival des Griechischen Liedes vom 10. bis 12. Juli. Wahrscheinlich fällt auch das Jakuby-Fest aus, das zusammen mit dem Görlitzer Altstadtfest vom 28. bis 30. August geplant war.

Fahrgeschäfte und das Riesenrad gehörten 2018 während des Rothenburger Sommerfestes anlässlich des 750. Jahrestages der Ersterwähnung der Stadt einfach mit dazu.
Fahrgeschäfte und das Riesenrad gehörten 2018 während des Rothenburger Sommerfestes anlässlich des 750. Jahrestages der Ersterwähnung der Stadt einfach mit dazu. © Archivfoto: Rolf Ullmann

Kreba, Rothenburg und Niesky: Feste sind noch unklar

Ob die beiden größten Volksfeste im Nordkreis Ende Juli und Anfang August stattfinden, steht noch nicht fest. Erst im Mai soll darüber entschieden werden. Laut Rothenburgs Bürgermeisterin Heike Böhm dürfte es schwer werden, die nötige Planungssicherheit zu bekommen. Sie bezweifelt zudem, dass eine abgespeckte Variante oder die Verschiebung in den Herbst möglich wären.

„Auch bis dahin wird es noch darum gehen, Infektionsketten zu durchbrechen. Dies lässt sich nur mit körperlicher Distanz erreichen.“ Nicht ganz so pessimistisch beurteilt Krebas Gemeinde-Chef Dirk Naumburger die Lage. „Wenn es für den Juli eine neue Allgemeinverfügung für Veranstaltungen geben sollte – vielleicht mit bis zu 500 oder 1.000 Leuten – würden wir uns natürlich daran halten. Für eine realistische Einschätzung sei es noch zu früh.

Ob die Stadt Niesky ihr Herbstfest am ersten Septemberwochenende feiern wird, darauf will sich Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann derzeit nicht festlegen. Auch wenn sie ihre Meinung dazu hat, will sie die Entscheidung dem Stadtrat überlassen. Dieser tagt am 4. Mai wieder. Dann soll das Gremium über das Herbstfest 2020 entscheiden. Die organisatorischen Vorbereitungen dafür sind bereits im vergangenen Jahr angelaufen.

Horka und Groß Radisch: Noch ist alles offen

Der Reit- und Fahrverein „Wehrkirch“ ist sich noch unsicher, ob das diesjährige Pfingstturnier in Horka stattfinden kann. Geplant ist es vom 30. Mai bis 1. Juni. Vereinsvorsitzender Matthias Barth sagt, dass der Vorstand sich zu Ostern entscheiden will. Da gänzlich alle Großveranstaltungen für die nächste Zeit abgesagt sind oder werden, wird es auch Horka treffen, mutmaßt Barth. „Es sieht aus heutiger Sicht nicht gut für uns aus“, meint er. Seit 1993 findet das große Reitturnier mit Tausenden Zuschauern zu Pfingsten in Horka statt. Dieses Jahr wäre es das erste Mal, dass es ausfallen müsste.

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Ob das Kirschendorf Groß Radisch am zweien Juli-Wochenende sein Kirschenfest feiert, darüber ist noch nicht entschieden. Veranstalter ist der Heimat- und Kulturverein Groß Radisch. Seine Vorsitzende hofft, dass sich die Dinge bis dahin wieder einigermaßen normalisiert haben. „Wir haben bereits unseren alljährlichen Genussabend am 14. März abgesagt und dieses Jahr findet auch keine Wanderung zur Kirschblüte statt. Diese sollte am 26. April sein und ist nun ersatzlos gestrichen“, so Sabine Hohlfeld. Seit 1997 wird entlang der Kirschbäume im Frühjahr gewandert. In diesem Jahr ist das leider nicht möglich. 

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