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Welche Musikschule ist das Fördergeld wert?

Der Landkreis will die Musikschullandschaft verändern. Einige Elternvertreter sprechen von Zerschlagung.

© dpa

Von Gunnar Klehm

Mit einer oft gemachten Fehlinterpretation von Untersuchungsergebnissen will die Leiterin der Musik-, Tanz- und Kunstschule (MTK) Bannewitz aufräumen. „Das Musizieren macht Kinder nicht intelligenter, aber es ist unbestritten, dass diese Kinder ihr Potenzial viel besser ausschöpfen“, sagt Jeanne Kompare-Zecher. Weil das auch längst die meisten Politiker verstanden haben, will der Freistaat Sachsen mehr Kinder für den Musikschulunterricht interessieren. Jedes Kind – unabhängig der finanziellen Möglichkeiten der Eltern – soll die Chance bekommen, sich an einem Musikinstrument auszuprobieren, heißt es aus dem Kultusministerium. Das ist unbestritten löblich. Nur sehen die Musikschulen im Landkreis nicht, wie das umgesetzt werden soll. Im Gegenteil. Insbesondere die Einrichtungen in Bannewitz sehen eher eine Gefährdung für ihr Geschäftsmodell, als dass sie gestärkt werden würden.

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Grund dafür ist, dass von den zusätzlichen Millionen des Freistaates nichts bei den Musikschulen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ankommt. Das zusätzliche Geld geht zum Großteil an die jeweiligen Kulturräume. Hier ist es der Zusammenschluss Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Der hat aber schon 2012 auf einen sich anbahnenden Konflikt hingewiesen. Damals wollte der Freistaat die Landesbühnen Sachsen inklusive der Orchestermusiker loswerden, weil sie zu teuer wurden. Die offizielle Begründung hieß aber, dass das Theater hauptsächlich in kleineren Städten spiele und auf dem Land. Deshalb sollten auch die Kommunen das Geld aufbringen. Der hiesige Kulturraum übernahm die Trägerschaft, um die Elblandphilharmonie zu retten. Damit sind die Geldprobleme nur vom Land auf den Kulturraum abgewälzt worden. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie wieder akut werden.

Das ist nun der Fall, erklärt Kati Hille (CDU), die Beigeordnete des Landrats. „Bereits zum damaligen Zeitpunkt war absehbar, dass der Zuschussbedarf für das Orchester tendenziell weiter steigen wird, wodurch in den Folgejahren weniger Kulturraummittel für alle anderen Sparten zur Verfügung stehen“, erklärt sie auf Anfrage der SZ. Als eine Möglichkeit des Sparens bei den Musikschulen sieht sie einen Zusammenschluss der sechs im Landkreis bestehenden Schulen. „In keinem anderen sächsischen Kulturraum gibt es solch eine hohe Anzahl an Musikschulen“, erklärt Hille. Wie genau damit Kosten eingespart werden können, ist allerdings unklar.

Nun hat der Kulturraum seine Förderrichtlinien für Musikschulen verändert. Demnach werden nur noch größere Musikschulen gefördert, die auch eine regionale Bedeutung haben. Zudem müssen die Gemeinden einen höheren Anteil an der Finanzierung tragen als bisher. Die Gemeinde Bannewitz hat bereits erklärt, dass das 2019 noch zu stemmen ist, danach aber nicht mehr.

„Das ist allein ein Problem der Gemeinde Bannewitz“, sagte Landrat Michael Geisler (CDU) kürzlich in der Kreistagssitzung. In Bannewitz gibt es zwei Musikschulen, die beide inzwischen eine Petition an den Landtag formuliert haben. Dort beschäftigt man sich zwar nicht mit der Struktur der Musikschullandschaft in den Kreisen, Kunstministerin Stange (SPD) ist aber bewusst, dass „wir mehr Geld für die Musikschulen brauchen“. Ein Beispiel für die Notwendigkeit: An der Musikschule Sächsische Schweiz findet laut Geschäftsführung noch immer ein Gehaltstarif von 1994 Anwendung.

Bekämen Musikschulen tatsächlich vom Freistaat mehr Geld, könnten diese womöglich auf eine Förderung über den Kulturraum verzichten. Auch kleinere Neugründungen wären dann möglich, etwa für spezielle Instrumente oder Musikrichtungen. Mit der neuen Richtlinie sind die aber nicht förderfähig.

Jetzt sind Musikschulen von den Zuschüssen über den Kulturraum abhängig. Weil die neuen Förderkriterien für die MTK Bannewitz derzeit nicht erfüllbar sind, hat der Elternrat auf der Homepage der Schule einen dramatischen Appell veröffentlicht, in dem es heißt: „Den Musikschulen im ehemaligen Weißeritzkreis droht die Zerschlagung durch das Landratsamt“.

Letzteres bleibt aber gesprächsbereit. Für Anfang Dezember wurde zu einer Beratung mit allen Musikschulen des Kulturraums, den betroffenen Bürgermeistern sowie der Geschäftsstelle des Kulturraums eingeladen, wo die aufgeworfenen Fragen und das weitere Vorgehen besprochen werden sollen, wie das Landratsamt mitteilte.