merken
PLUS

Welche Zukunft hat das Königswarthaer Wohngebiet?

Seit 2004 wurden schon 130 Wohnungen abgerissen. Doch der Leerstand bleibt hoch. Nun will die Gemeinde neue Wege gehen.

In diesem Licht sieht das Wohngebiet in Königswartha an der Ecke Hahnebergstraße/Eichbergweg recht idyllisch aus. Doch viele Fenster bleiben dunkel.
In diesem Licht sieht das Wohngebiet in Königswartha an der Ecke Hahnebergstraße/Eichbergweg recht idyllisch aus. Doch viele Fenster bleiben dunkel. © SZ/Uwe Soeder

Königswartha. Wenn sich nichts ändert, könnte die Wohnbaugesellschaft von Königswartha in zwei Jahren schon zahlungsunfähig sein. Das kam jedenfalls im Bericht des Wirtschaftsprüfers, den er im Gemeinderat vorgestellt hat, zum Ausdruck. Damit das nicht eintritt, will die Gemeinde nun neue Wege gehen.

Das Positive vorweg: Für die Mieter ändert sich nichts. Aber um den Standort Königswartha attraktiver zu gestalten, braucht die Wohnbaugesellschaft Geld. Das hat sie aber nicht, weil die Gesellschaft immer noch Altkredite drücken. Und das, obwohl die Bank dank der Abrissmaßnahmen und dank einer Vereinbarung mit der Versorgungsgesellschaft Königswartha einige Schulden erlassen hat. Doch es sind noch immer rund 3,6 Millionen Euro, die die Bank fordert. Bis 2020, so der Wirtschaftsprüfer Andreas Schell, können die Zahlungen noch erfolgen, doch dann wäre Schluss. Es sind zu wenig Wohnungen vermietet. Gab es 2004 zum Beispiel noch 557 Wohnungen, waren es Ende 2017 noch 427. Doch der Leerstand bleibt gleich: Über 130 Wohnungen stehen leer. Der Königswarthaer Bürgermeister kennt das Problem sehr gut. „Wir sind der Bank ausgeliefert, denn um den Standort attraktiver zu machen, haben wir kein Geld, dürfen auch keinen Kredit aufnehmen“, sagt Swen Nowotny (CDU). Ein Gespräch mit der Bank, wo die Gesellschafter eine bestimmte Summe angeboten haben, um die Kredite abzulösen, akzeptierte die Bank nicht. Zum Glück, sagt Swen Nowotny, sei die Gemeinde nicht für die Schulden haftbar. Sie belasten die Finanzen der Gemeinde nicht direkt. So sollen nun neue Ideen zu einer Lösung in den nächsten zwei Jahren führen.

Anzeige
Wir sind systemrelevant
Wir sind systemrelevant

Die medizinische Einrichtung Reha Salus in Großpostwitz ist weiter uneingeschränkt für Sie da.

Noch vier Altbauhäuser

Im November hat der Gemeinderat beschlossen, die Geschäftsanteile der Wohnbaugesellschaft auszuschreiben. Das heißt, es werden Interessenten gesucht, die die Häuser kaufen. Zu denen gehören nicht nur die kurz vor der Wende entstandenen Wohnblöcke, die damals vor allem für die Beschäftigten der Mechanischen Werkstätten gebaut wurden. Es gibt noch vier Altbauhäuser, die alle voll vermietet sind. Doch auch diese Häuser würden dann mit verkauft werden. „Das ist der einzige Weg, um zu ermitteln, wie viel die Häuser am Markt wirklich wert sind“, so Nowotny. Allerdings hofft er, dass sich niemand findet, der mehr bietet, als die Gesellschafter der Bank angeboten haben. „Wir wollen ja gern die Gestaltung unserer Wohnungen selbst in der Hand behalten. Dann wissen wir, wie wir uns weiterentwickeln können“, sagt er. Ideen, was dann getan werden muss, gibt es bereits. Vor allem altengerechter Umbau steht im Fokus.

Die Gemeinderäte können mit dieser Lösung leben. Sie wissen, dass sie abhängig von der Bank sind und so lange auch keine Sanierung der Wohnungen stattfinden kann. Gemeinderat Peter Klemmer von den Parteifreien Wählern fragte dann noch einmal in Richtung des neuen Geschäftsführers der Wohnungsbaugesellschaft, ob es wirklich keinen anderen Ausweg gibt. Markus Mörbe verneinte. „Der Spielraum ist durch die Sanierungsvereinbarung eingeschränkt“, sagt er. Doch diese Vereinbarung läuft eben auch 2019 aus. Deshalb besteht eben die Chance, auf einen Investor mit Konzept zu hoffen oder das Wohngebiet sogar selbst zu übernehmen.