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Welchen Kurs BuS in Riesa jetzt einschlägt

Nach Bekanntwerden der Übernahmepläne durch eine niederländische Firma ist noch vieles offen. Auch der Name?

Von Jens Ostrowski

Nichts bereitet Menschen mehr Sorge als Veränderungen. Nach der Ankündigung am vergangenen Donnerstag, dass das niederländische Unternehmen Neways Electronics International noch in diesem Jahr die gesamte Riesaer BuS-Gruppe übernehmen wird, ist die Unruhe unter den 900 Mitarbeitern an allen Standorten groß. Betriebsrat und Gewerkschaft schweigen sich bislang aus. Noch gebe es zu wenig Informationen. Neways in den Niederlanden hingegen versteht die ganze Aufregung nicht.

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Was passiert mit den 900 BuS-Mitarbeitern?

Alle Verträge der 900 Mitarbeiter müssen laut Gesetz übernommen werden. Ein Betriebsübergang darf nicht zu Kündigungen führen. Das regeln in Deutschland das Bürgerliche Gesetzbuch sowie eine entsprechende EU-Richtlinie. Demnach gibt es auch eine einjährige Besitzstandswahrung für Regelungen, die individuell mit dem Arbeitnehmer vereinbart sind. Für Regelungen, die sich aus Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen ergeben, gibt es aber keine Schonfrist. Sie gehen sofort in die Rechtslage des neuen Unternehmens über.

Müssen sich die Mitarbeiter vor Synergie-Effekten fürchten?

Auch nach der einjährigen Frist habe Neways kein grundsätzliches Interesse daran, Mitarbeiter zu entlassen, sagen die Vorstände Vincent de Bok und Huub van der Vrand auf SZ-Nachfrage. „Dafür sehen wir überhaupt keinen Anlass. Denn wir wollen, wenn möglich, BuS-Elektronik weiter ausbauen und noch mehr Arbeitsplätze schaffen.“ Tatsächlich steht das Unternehmen in Deutschland unter Zugzwang, nachdem das Neways-Werk in Kassel Ende letzten Jahres vollständig abgebrannt ist. Der Wiederaufbau lohnt sich nicht. So unterhält Neways derzeit nur noch ein deutsches Werk im saarländischen Neunkirchen. Es ist auf die Herstellung von Mess- und Regeltechnik, Wärmemessgeräte und Schaltanlagen für die Automobilindustrie spezialisiert und beschäftigt etwa 150 Mitarbeiter. Synergie-Effekte zwischen Riesa und Neunkirchen, die sich auf die Anzahl des Personals auswirken könnten, gäbe es nicht, sagen die niederländischen Vorstände. Im Gegenteil: „Beide Standorte würden sich bestens ergänzen.“

Was geschieht mit dem Namen

BuS Elektronik?

Der Name bleibt nach der Übernahme bestehen. „BuS Elektronik hat in der Branche einen guten Ruf und einen guten Namen. Deshalb wäre es nicht sinnvoll, den Namen zu verändern“, sagt Vincent de Bok. Auch ein Namenszusatz, der die Zugehörigkeit zu den Niederländern signalisieren könnte, sei derzeit nicht geplant.

Bleibt die BuS-Geschäftsführung

im Amt?

Laut Vincent de Bok und Huub van der Vrand wolle Neways an der BuS-Geschäftsführung festhalten. Und auch Dr. Werner Maiwald, der BuS-Gründer und derzeit noch Hauptgesellschafter, soll für eine Übergangszeit im Unternehmen verbleiben und mithelfen, die Fusion nahtlos über die Bühne zu bringen.

Wann wird der Verkauf

abgeschlossen?

Bislang haben beide Unternehmen erst eine Absichtserklärung unterschrieben, die aber in weiten Teilen bereits bindend ist. Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass der Verkauf stattfindet. Laut dem niederländischen Vorstand sollen die Verträge bis spätestens zu den Sommerferien ausgearbeitet und unterschrieben sein. Zu der Höhe der anvisierten Summe wollen sich beide Parteien derzeit nicht äußern. Nach dem Verkauf aber wird Neways dazu Stellung beziehen müssen, da das börsennotierte Unternehmen zu Transparenz verpflichtet ist.