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Windrad-Pläne: Verwirrung und Skepsis

Verhandlungen eines Unternehmens um einen Windpark im Königsholz irritieren - denn bei Herrnhut und Oderwitz ist aktuell nichts geplant. Die Sache hat aber Kalkül.

Diese Windräder bei Bernstadt stehen auch künftig auf Flächen, die explizit für die Windenergie ausgewiesen sind.
Diese Windräder bei Bernstadt stehen auch künftig auf Flächen, die explizit für die Windenergie ausgewiesen sind. © Matthias Weber/photoweber.de

Eigentlich schien doch alles klar: Als Windkraft-Vorranggebiete sieht der Entwurf des neuen Regionalplanes im Süden des Kreises Görlitz künftig nur diese fünf Flächen vor, auf denen zum Teil schon Anlagen stehen: in Mittelherwigsdorf, Bernstadt, Leuba, Schlegel und auch Sohland am Rotstein. Nirgendwo sonst - so haben es die Planer in Aussicht gestellt - sollen künftig neue Räder entstehen oder modernisiert und aufgerüstet werden dürfen. Umso irritierender also, dass nun das Dresdner Unternehmen Energiequelle mit Grundstückseigentümern über Flächen eines 120 Hektar großen Terrains vor allem zwischen der B178n und dem Königsholz verhandelt. Was soll das, wenn dort aktuell kein Windfeld zugelassen werden soll? Oder gibt es doch heimliche Pläne? Und wieso kommt die Firma, die auch in Mittelherwigsdorf in Windenergie engagiert ist, ausgerechnet auf diese Flächen?

Um diese beiden Potenzialflächen geht es. Sie waren von den Regionalplanern ausgesiebt worden, weil der Naturschutz und die Sichtachsen zum Kottmar gestört werden könnten.
Um diese beiden Potenzialflächen geht es. Sie waren von den Regionalplanern ausgesiebt worden, weil der Naturschutz und die Sichtachsen zum Kottmar gestört werden könnten. © Planungsverband Oberlausitz-Nied

Fabian Musall, Niederlassungsleiter des Unternehmens Energiequelle in Dresden, beruhigt mit Blick auf die Befürchtungen: "Wir schauen schon ein ganzes Stück weiter in die Zukunft", betont er. Das heißt: Das Unternehmen hat gar nicht den gerade zur Einsicht ausliegenden Entwurf des neuen Regionalplanes im Visier, sondern die Zeit danach. "Wir wissen, dass Sachsen noch in diesem Jahr seine Ziele für die Erneuerbaren Energien überarbeiten und erweitern wird", sagt er. Deshalb wird dem gerade neu erstellten Regionalplan, sehr rasch eine sogenannte Teilfortschreibung für das Thema Windkraft folgen. Immerhin sind die Ziele, die man mit dem jetzigen Plan erfüllen will, noch von 2012. Diese Teilfortschreibung, so ist sich Musall sicher, wird dazu führen, dass neue Flächen benannt werden, auf denen Windenergie Vorrang hat. Und das könnten - so sieht es das Unternehmen - eben diese Flächen in Ruppersdorf und Oderwitz sein.

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Flächen bei erster Prüfung nicht gut genug

Jörg Weichler vom Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien, der den neuen Regionalplan erstellt, kennt die nun so heiß diskutierten Flächen gut: "Diese beiden Gebiete auf Herrnhuter und Oderwitzer Flur sind bekannt und als sogenannte Potenzialgebiete in unsere Untersuchungen eingeflossen", sagt er. Viele solcher Flächen, auf denen man sich generell Windräder vorstellen könnte, hat man zu Beginn des Planungsprozesses zusammengetragen. Sie alle habe man überprüft - auf Belange des Arten- und Naturschutzes, der Luftfahrt, des Denkmalschutzes oder mit Blick auf das Landschaftsbild. Als besonders geeignet herausgesiebt haben die Planer so jene fünf Flächen im Südkreis, die nun Vorranggebiete werden sollen, wo die Windkraft also Vorfahrt hat. Für mehr gebe es momentan keinen Zwang, denn: "Die Energiemenge, die in der Region per Windkraft gewonnen werden solle, haben wir mit den im Planentwurf benannten Vorrangflächen übererfüllt", sagt Weichler. Doch genau das könnte sich rasch ändern, wenn der Freistaat nun neue, höhere Ziele beschließt.

Die anderen Potenzialflächen - auch die mit den Nummern 498 und 500 bei Oderwitz und Herrnhut - sind bislang "Flächen zweiter Wahl", bei denen es Hürden gibt: "Das sind im konkreten Fall artenschutzrechtliche Bedenken, weil hier der Schwarzstorch vorkommt - auch wenn es aktuell wohl kein nachgewiesenes Brutpaar gibt", erläutert Jörg Weichler. Auch der Rote Milan sowie der Uhu haben am Königsholz ihr Terrain. Hinzu kommen optische Gründe: "Es geht um Sichtachsen zwischen Spitzberg und Kottmar zum Beispiel", zählt Weichler auf. Stünden auf dem Feld mit Nummer 500 Räder von bis zu 200 Metern Höhe, reichten diese dann insgesamt höher als der Kottmar selbst.

Firma sammelt Unterschriften für Pläne

Fabian Musall sieht die Lage für die beiden Flächen nach eigener Vorprüfung keineswegs aussichtslos. Aber das müssen im Fall des Falles ohnehin die zuständigen Fachbehörden nochmals überprüfen, sagt er. Und auch wenn er betont, dass es gar nicht darum gehe, noch für den aktuell zur Bürgerbeteiligung ausliegenden Regionalplan etwas zu bewirken, sondern erst bei einer Fortschreibung, sammelt die Firma schon jetzt Unterstützer: "Wir haben einige Einwendungen gegen den aktuell vorliegenden Planentwurf offenbar von Grundstücksbesitzern aus diesem Gebiet erhalten", schildert Jörg Weichler vom Planungsverband. Es handele sich um eine Art Vordruck, die wohl das Unternehmen ausgebe und in dem man für Windkraft auf den Flächen plädiere. Ein legitimes Vorgehen, das auf Freiwilligkeit beruhe und die Firma auf Nachfrage bestätigt. Abseits der Befürworter gibt es aber auch schon eine Unterschriftensammlung einer Ruppersdorfer Bürgerinitiative, die sich dagegen ausspricht, bestätigt Weichler.

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Die Bürgermeister von Herrnhut und Oderwitz - Willem Riecke (Herrnhuter Liste) und Cornelius Stempel (parteilos) - geben sich von den Aktivitäten überrascht. Mit ihnen habe das Unternehmen noch keinen Kontakt aufgenommen. Für Riecke ist zudem der Entwurf des Regionalplanes derzeit die entscheidende Grundlage: "Es ist einigermaßen erstaunlich, dass ein Unternehmen aus Dresden mit Landeigentümern Pläne schmiedet, ohne die tatsächlichen Regelungen abzuwarten oder den aktuellen Stand zur Kenntnis zu nehmen", sagt er.

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