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Weltkriegsmunition stoppt Breitbandausbau

Bei Schachtarbeiten im Görlitzer Umland werden Granaten entdeckt. Die sorgen aber nur kurz für Verunsicherung. Allerdings könnte es auch weiter explosiv bleiben.

Steven Goltzsch, Sergej Abb und Thomas Kobelt (von links) waren überrascht, als bei Baggerarbeiten für den Breitbandausbau in Särichen Weltkriegsmunition entdeckt wurde. Inzwischen ist die Grube schon fast wieder zugeschüttet.
Steven Goltzsch, Sergej Abb und Thomas Kobelt (von links) waren überrascht, als bei Baggerarbeiten für den Breitbandausbau in Särichen Weltkriegsmunition entdeckt wurde. Inzwischen ist die Grube schon fast wieder zugeschüttet. © André Schulze

In Särichen wird schon seit einiger Zeit am Aufbau des schnellen Internets gearbeitet. Im Auftrag der Görlitzer Firma NetCommunity, die hier den Zuschlag bekommen hat, kümmert sich die Firma M & M Gesteuerte Bohrungen und Kabelbau Erhard Micklisch aus Löbau um die Tiefbauarbeiten und das Verlegen der Leerrohre, die Voraussetzung für das künftige Glasfaserkabelnetz sind. Doch Dienstagnachmittag war auf der Baustelle alles anders als sonst.

Bauarbeiter rufen die Polizei

Da nämlich kam bei Schachtarbeiten ein kleines, verrostetes Stück Metall zum Vorschein. "Wir haben natürlich einen geschulten Blick. Deshalb kam uns das nicht ganz geheuer vor", sagt Steven Goltzsch, der schon seit mehreren Jahren im Breitbandausbau beschäftigt ist und viele Baustellen, nicht nur in Ostsachsen, erlebt hat. Kurzerhand wurde Bauleiter Sergej Abb hinzugezogen.

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Er entschied, die Polizei zu rufen. "Es ist immer besser, auf Nummer sicher zu gehen, als die Mitarbeiter irgendwelchen Gefahren auszusetzen", stellt der Mann klar, der für die Firma FiB Infrastruktur und Service GmbH aus dem bayerischen Frammersbach am schnellen Internet in Särichen mitwirkt. Er selbst habe keinen Schreck bekommen, meint er lächelnd. Denn: "Das kommt bei Schachtarbeiten immer wieder mal vor." Explodiert sei glücklicherweise noch nie etwas. 

Metallteil entpuppt sich als Handgranate

Anja Leuschner von der Polizeidirektion Görlitz bestätigt, dass die gefundenen Metallteile nicht ganz ungefährlich waren. "Kurz vor neun waren unsere Beamten am Mittwoch vor Ort. Bei den mit Rost bedeckten Fundstücken handelte es sich um die Hülse einer Panzergranate und eine Handgranate sowjetischer Bauart." Der ebenfalls verständigte Kampfmittelbeseitigungsdienst sammelte die Weltkriegsmunition ein und gab die Baustelle wieder frei.

Särichen war im Weltkrieg umkämpftes Gebiet

Das Löbauer Unternehmen, das zum Verlegen der Leerrohre das horizontale Spülbohrverfahren einsetzt und je nach Bodenbeschaffenheit und schon vorhandenen Medienleitungen in unterschiedlichen Höhen arbeiten kann, hat einen derartigen Baustopp noch nie erlebt. "Das war auch für uns Neuland", meint Inhaber Erhard Micklisch. Ob es das letzte Mal gewesen ist, muss sich in den nächsten Wochen erst noch zeigen, wenn weiter in Richtung Kodersdorf gebuddelt wird. Denn das Gelände hier gilt als im Zweiten Weltkrieg sehr umkämpftes Gebiet.

Sogar Skelette wurden schon gefunden

Das bekamen die Einwohner in den vergangenen Jahren bereits mehrfach zu spüren. Im Mai 2010 wurde bei Baggerarbeiten auf der Görlitzer Straße in Särichen eine sogenannte Werfergranate entdeckt. Spezialisten der sächsischen Polizei bargen die etwa 30 Zentimeter große Munition. Grausig war der Fund, den Arbeiter im Herbst 2018 auf der Baustelle Särichener Kreuzung machten. Weil dort die Kurve der B 115 und damit die Abbiegespur verbreitert werden sollte, mussten auch hier Erdarbeiten durchgeführt werden. Dabei kamen die Gebeine von Weltkriegstoten zutage, mussten geborgen und umgebettet werden, was zu einigen Tagen Verzögerung führte.

Brandbombe legt 2019 Gewerbegebiet lahm

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Rund ein Jahr später, im September 2019, legte eine Brandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg das komplette Gewerbegebiet Kodersdorf lahm. Auch der Verkehr auf A 4 und B 115 musste für mehrere Stunden angehalten werden. Der Sprengkörper war bei Baggerarbeiten für Ostsachsens größtes Container-Terminal entdeckt worden und entpuppte sich als 70 Kilo-Bombe deutscher Herstellung. Weil sie zunächst kurz Feuer fing und - wie sich herausstellte - nicht transportfähig war, musste sie am Fundort gesprengt werden. Das bedeutete neben den Verkehrssperrungen auch etwa 600 Mitarbeiter aus drei Firmen zu evakuieren. Die Produktion dort wurde zwischenzeitlich eingestellt. Erst nach ein paar Stunden fand das Leben wieder zur Normalität zurück.

Die Fundmunition entpuppte sich als russische Handgranate und Hülse einer Panzergranate aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Gelände rund um Särichen und Kodersdorf war damals sehr umkämpft.
Die Fundmunition entpuppte sich als russische Handgranate und Hülse einer Panzergranate aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Gelände rund um Särichen und Kodersdorf war damals sehr umkämpft. © Mario Förster

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