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Weltmeisterinnen paddeln sich fit

Im Drachenboot holen die Blue Wonder Ladies einen Titel nach dem anderen. Dafür gehen sie auch bei Frost auf die Elbe.

© Norbert Millauer

Von Kay Haufe

Die gesunde Drittelstunde

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Für den kurzen Schneeschauer haben Betti, Andrea, Heike und die anderen Frauen nur ein Lächeln übrig. Gegen die Kälte dick mit Neoprenbekleidung eingepackt, heben sie ihr Drachenboot auf den Transportwagen, und los geht es vom Bootshaus zur Elbe. Auf den 200 Metern macht „Fei Long – Fliegender Drache“, wie ihr Boot heißt, seinem Namen keine Ehre. Sperrig hüpft er über das grobe Pflaster und lässt sich nur schwer lenken. Doch die 14 Frauen haben Erfahrung mit dem windschnittigen Wassergefährt. Schließlich sind sie im Winterhalbjahr jeden Sonnabendvormittag mit Fei Long unterwegs. Im Sommer noch weitaus häufiger. Im April startet die Wettkampf-Saison und bis dahin müssen sich die Krankenschwestern, Tischlerinnen, Sekretärinnen, Straßenbahnfahrerinnen und anderen Damen vom Weltmeisterteam „Blue Wonder Ladies“ in Form gebracht haben.

Im italienischen Ravenna haben sie es im Vorjahr über 200 Meter in der Kategorie Ü50/Ü60 allen anderen Teams gezeigt. Über 500 Meter holten sie die Silbermedaille. „Allerdings waren wir im Smallboat nur mit zehn Frauen unterwegs“, sagt Kapitänin Heike Kranz. Doch auch mit den großen Booten für 20 Paddler sind die Frauen des Wassersportvereins am Blauen Wunder weltweit erfolgreich. In diesem Jahr wollen sie ihren Europameistertitel von 2013 auf dem Genfer See verteidigen. Damit das klappt, schinden sich die Frauen an zwei weiteren Abenden der Woche im Kraftraum und trainieren ihre Ausdauer. „Die meisten können sich das gut einrichten, nur manchmal kommen berufliche Verpflichtungen dazwischen“, sagt Heike Kranz. Sie selbst hat das Drachenboot-Paddeln 2002 für sich entdeckt. Mit der Mannschaft ihres Arbeitgebers, einer großen Dresdner Wohnungsgenossenschaft, hat sie damals am Festival zum Elbhangfest teilgenommen. Und so viel Spaß dabei gehabt, dass sie weitermachte. Heute kann die zierliche 53-Jährige diverse Titel vorweisen. „Aber das wissen nur Insider zu schätzen“, sagt sie lachend. So viel Aufmerksamkeit wie Fußball oder Leichtathletik werden die Drachenboot-Paddler wohl niemals haben. Sämtliche Kosten für Ausrüstung, Bekleidung und Wettkampf-Fahrten sind selbst zu tragen. Nur die fliegenden Drachen sind von Sponsoren gestiftet worden. „Dafür sind wir eine ganz eingeschworene Truppe, verstehen uns super“, sagt Kranz. Alle seien motiviert. „Wenn ich per E-Mail zu einem Training oder Wettkampf einlade, ist die Resonanz schnell und groß. Das macht Spaß“, sagt Kranz. Nur so seien die Erfolge zu verteidigen. Vereinsintern gibt es stets ein unausgesprochenes Wetteifern zwischen Männern und Frauen. Dabei liegen die „Blue Wonder Ladies“ nun vorn.

Noch knapp sechs Wochen, dann starten die Loschwitzer Drachenboot-Teams zum ersten Wettkampf der Saison, ihrem Vereins-Halbmarathon vom Bootshaus an der Fidelio-F.-Finke-Straße nach Söbrigen und zurück. Die 21 Kilometer gegen und mit dem Strom werden kräftezehrend werden. Dabei wird auch Bettina Schneider mitpaddeln. Die 62-Jährige hat ihre sportliche Karriere als Kanutin auf der Elbe begonnen. 1975 wurde sie Weltmeisterin. „Dass ich knapp vierzig Jahre später noch einmal einen WM-Titel hole, fand ich super. Ich fahre auch in der Deutschen Drachenboot-Nationalmannschaft“, sagt sie und lächelt. Sport gehört für sie zum Leben. Nicht nur als Sporttherapeutin im Kneipp-Verein, sondern vor allem mit den Frauen im Fliegenden Drachen.

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