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Wie sich Ost-Firmen an den Arbeitsmarkt anpassen

Mehr Frauen in Führungspositionen, Weiterbildung auf Rekordhöhe – aber es bleiben mehr Lehrstellen unbesetzt.

Die Löhne im Osten sind gestiegen, aber im Westen meistens ebenso stark. Doch ein neuer Betriebsvergleich findet in Ost-Firmen auch Vorteile.
Die Löhne im Osten sind gestiegen, aber im Westen meistens ebenso stark. Doch ein neuer Betriebsvergleich findet in Ost-Firmen auch Vorteile. © dpa

Die Beschäftigung wächst, die Löhne steigen – der Arbeitsmarkt in den neuen Ländern hat sich in den vergangenen Jahren zugunsten der Beschäftigten verbessert. Nur Chefs klagen über Fachkräftemangel. Im vorigen Jahr ist auch die Lohnlücke zwischen Ost und West etwas kleiner geworden. Das stellt der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte, in seiner Auswertung einer groß angelegten Firmenumfrage fest. Hirte sagt, die Lebensqualität sei trotz Lohnunterschieden hervorragend. Der Osten müsse „den Vergleich mit Westdeutschland nicht scheuen“. Tatsächlich zeigt die Befragung von 6.000 Betrieben im Osten und 9.000 im Westen große Unterschiede. Nicht immer haben West-Betriebe die besseren Zahlen.

Lohnabstand: Voriges Jahr verringert, Osten auf 84 Prozent vom Westniveau

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Auf der Suche nach Fachkräften zahlen ostdeutsche Betriebe zunehmend höhere Löhne, aber die West-Löhne steigen ebenfalls. Der Lohnabstand hat sich daher zwischen 2005 und 2017 so gut wie nicht verändert. Der gesetzliche Mindestlohn hat aber ab 2015 vor allem in Ostdeutschland Löhne von Geringverdienern erhöht. Nach jüngsten Zahlen für 2018 liegt der Durchschnittslohn im Osten für Vollbeschäftigte bei 2.790 Euro brutto im Monat. Das sind über 630 Euro mehr als im Jahr 2005, aber nur 84 Prozent des Westniveaus von 3.340 Euro. Die Zahlen stammen aus dem Betriebspanel des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Die Forscher stellen fest, dass Durchschnittslöhne über 4.000 Euro in 16 Prozent der Westbetriebe bezahlt werden, aber nur in sieben Prozent der Ostbetriebe. Durchschnittslöhne unter 2.000 Euro gibt es dagegen in 46 Prozent der Betriebe im Osten und in 34 Prozent der Westbetriebe.

© Grafik: SZ

Qualifikation: In ostdeutschen Betrieben mehr Fachleute

Mehr als in Westdeutschland bilden qualifizierte Fachkräfte die Basis der ostdeutschen Wirtschaft, schreiben die IAB-Forscher. In Zahlen: 83 Prozent der Beschäftigten im Osten sind auf Arbeitsplätzen, die eine Ausbildung oder einen akademischen Abschluss erfordern. Im Westen ist dieser Anteil deutlich geringer: 73 Prozent. Darin liegt allerdings auch ein Risiko für die Ost-Betriebe, zumal sie in der Regel kleiner sind: Die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe im Osten hängt noch stärker von der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte ab als im Westen. Für An- und Ungelernte gibt es in fast zwei Dritteln der ostdeutschen Betriebe keine Arbeitsplätze mehr. Ganz chancenlos sind Hilfsarbeiter allerdings nicht. Die Beschäftigung in Ostdeutschland ist allein von 2017 zu 2018 um rund zwei Prozent gewachsen. Ein Drittel dieser neuen Stellen entfiel laut Befragung auf Un- und Angelernte. Noch etwas ist aber im Osten seltener als im Westen: Minijobs, also Arbeit für maximal 450 Euro im Monat. Im Westen bieten 62 Prozent der Betriebe auch solche Jobs, im Osten laut IAB-Betriebspanel nur 44 Prozent.

Frauen als Chefs: Im Osten deutlich häufiger

In den neuen Ländern haben Frauen in der Wirtschaft mehr zu sagen. Zwar sind sie in der obersten Leitungsebene auch im Osten in der Minderheit, aber 26 Prozent der ostdeutschen Betriebe werden von einer Frau geführt. Im Westen sind es nur 20 Prozent der Betriebe. Dazu kommt, dass etwa jeder zehnte Betrieb eine Doppelspitze mit einem Mann und einer Frau hat, das ist im Westen ähnlich. Aber in keiner Branche entspricht der Anteil der weiblichen Führungskräfte dem Anteil der weiblichen Beschäftigten – auch nicht im Gesundheits- und Sozialwesen, wo Frauen im Osten rund 65 Prozent der Führungsstellen haben.

Weiterbildung: Neuer Höchststand im vorigen Jahr erreicht

Die Firmenchefs im Osten wissen anscheinend, dass sie ihre Beschäftigten möglichst halten und zudem etwas für deren Qualifikation tun müssen: Die Weiterbildungsquote hat laut IAB einen neuen Höchststand erreicht. Das bedeutet, dass 40 Prozent der Beschäftigten im Osten im ersten Halbjahr 2018 weitergebildet wurden, etwa vier Prozentpunkte mehr als im Westen. Auch dabei liegen Frauen vorn: 53 Prozent der weitergebildeten Beschäftigen im Osten waren Frauen. Laut Umfrage haben in West wie Ost 54 Prozent der Betriebe ihren Beschäftigten eine Fort- oder Weiterbildung ermöglicht, durch Kostenübernahme oder Freistellung von der Arbeit.

Ausbildung: Kleine Betriebe im Osten können nicht jede Stelle besetzen

Bei der Ausbildung eigener Lehrlinge sind die ostdeutschen Betriebe zurückgefallen. Vor allem Kleinstbetriebe haben es schwer, Bewerber zu finden. Zwar erfüllen 49 Prozent der Ostbetriebe und 56 Prozent der Westbetriebe die Bedingungen zum Ausbilden. Doch fast jeder zweite Betrieb im Osten konnte nicht alle freien Lehrstellen besetzen, im Westen waren es 35 Prozent. Fünf Prozent der Ost-Betriebe gaben an, schon mal einen Flüchtling beschäftigt zu haben, im Westen zehn Prozent.

www.szlink.de/Betriebspanel

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