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Weniger Annahmestellen fürs Streuobst

Die Lohnmost begann zögerlich, Annahmestellen verschwanden. Falläpfel werden aber zunehmend verfüttert statt vermostet.

Von Kathrin Krüger
 4 Min.
Regina und Helfried Beylich betreuen den Obstlohntausch und sind Sammelstelle in Reinersdorf für die Max Wustlich Fruchtsaftkelterei
Regina und Helfried Beylich betreuen den Obstlohntausch und sind Sammelstelle in Reinersdorf für die Max Wustlich Fruchtsaftkelterei ©  Kristin Richter

Reinersdorf/Colmnitz/Großenhain. Helfried Beylich ist in Reinersdorf nicht zufrieden mit dem ersten Tag. Am Montag begann hier die Obstannahme für die Kelterei Wustlich in Niederau. „Es waren noch nicht viele Leute da, erst drei Kisten Äpfel und ein paar Birnen und Pflaumen wurden abgegeben“, so der Reinersdorfer: Seit zwölf Jahren betreut er die Obstannahme. 

Fallobst gäbe es in diesem Jahr jede Menge, denn der trockene Sommer hat dazu geführt, dass viele Bäume die Früchte schon in Miniformat abwerfen. Doch zunehmend würden Kleinbauern das Obst verfüttern, weil der Wassermangel den eigentlichen Futteranbau für die Tiere einschränkt.

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Allerdings ist gesundes Streuobst auch in der Lohnmost gut aufgehoben, wo man es gegen eine breite Palette von Säften, Obstwein oder Glühwein eintauschen kann. „Wir haben über 20 Sorten im Lohntausch im Angebot“, sagt Helfried Beylich. Davon vier Weinsorten. Und eine sehr günstige Aronia-Box. Für drei Liter der Kelterei Wustlich bezahlt man im Lohntausch in Reinersdorf nur 9,40 Euro.

Auch Pflaumen sowie hartreife Birnen (keine Clapps Liebling) werden am Anger in Reinersdorf gern angenommen. Auf die Qualität des Obstes ist aber zu achten, bitte Familie Beylich. Außerdem auf „frauenfreundliche“ Gebinde, damit auch Beylichs Ehefrau die Äpfelbehälter tragen kann.

Landhandel nimmt nicht mehr an

Zu erwarten ist eigentlich, dass viele Kunden hier herkommen, denn andere Annahmestellen haben längst geschlossen. So gibt es in Welxande, in Böhla bei Ortrand und auch in Blochwitz keinen Lohntausch mehr. „Es hat sich für uns nicht mehr gelohnt, deshalb nehmen wir schon in zweiten Jahr keine Mostäpfel mehr an“, sagt Alexander Heinrich in dem Geschäft, das sowieso gerade Sommerurlaub macht. 

Zum einen sei im Vorjahr durch die Trockenheit wenig Obst angefallen. „Zum anderen konnten wir die Kunden nicht überzeugen, die Früchte in leichteren Gebinden zu bringen als in 50-Kilo-Säcken“, so Alexander Heinrich. Für die Mitarbeiterinnen wäre das auf die Dauer zu schwer gewesen. Den Saft der Kelterei Sachsenobst Dürrweitzschen hätten die Kunden aber gemocht.

Eine weitere Möglichkeit der Abgabe ergibt sich ab diesen Sonnabend allerdings im Großenhainer Gewerbegebiet Zschieschen. In der Eichenallee bietet der GDS-Getränkemarkt Lohntausch für die Kelterei Bauer aus Bad Liebenwerda an. „Jeden Sonnabend nehmen wir von 9 bis 12 Uhr an“, so eine Mitarbeiterin. Bei der Firma Bauer werden ab Oktober auch Quitten gesammelt. Zum Tausch gibt es 13 verschiedene Literflaschen Saft und Wein, alle mit Apfel im Geschmack. Außerdem kleinere Flaschen Sanddorn-Apfelsaft und die Drei-Liter-Bag & Box Apfelsaft.

Saft aus den eigenen Äpfeln

Seit 2015 arbeitet das „Saftwerk“ in Colmnitz bei Familie Bach. Hier werden die eigenen Äpfel zu Saft verarbeitet, der in spezielle, formschöne Flaschen abgefüllt wird. Dabei kann man sogar selbst zuschauen. Sauber gewaschen kommen die Früchte in die Obstmühle, die sie zerkleinert und die Obstmasse mit einer Schraube nach oben zieht. 

Denn jetzt wird in der Packpresse der Saft ausgepresst. Der Apfelsaft hält damit länger, als die Äpfel, wenn sie im Keller gelagert werden. Während der Trester nach unten fällt, wird der Rohsaft in große Plastiktanks gepumpt, wo er zweifach gesiebt wird. „Hier werden die groben Trübstoffe entfernt, aber der Saft bleibt naturtrüb“, erklärt Christof Bach. Dann wird es heiß. Denn der Apfelsaft kommt in den Pasteurer – eine gewaltige Maschine mit Silikonschläuchen und Messfühlern. 

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„Mein Monster“ nennt der Colmnitzer ehrfurchtsvoll seine Technik, vor der er Respekt hat. Denn hier wird der Saft kurz auf 72 Grad erhitzt und damit haltbar gemacht. Ein Jahr Mindesthaltbarkeit garantiert „Hersteller“ Christof Bach. Termine vergibt er ausschließlich am Wochenende. Angenommen werden nur gesunde Früchte.

Fallobst-Annahmestellen

Reinersdorf: bei Helfried Beylich, Am Anger 36, Montag und Dienstag von 15 bis 18 Uhr, für Kelterei Wustlich.

Fallobst-Annahmestellen

Großenhain: GDS-Getränkemarkt Eichenallee 9, Sonnabend von 9 bis 12 Uhr für die Kelterei Bauer.

Fallobst-Annahmestellen

Colmnitz: Saftpresse eigener Äpfel bei Familie Bach, Dorfstraße 1, Anmeldung erforderlich unter 03526552739.

Fallobst-Annahmestellen

Niederau: Oberauer Straße 13 in der Kelterei Wustlich, Montag bis Donnerstag 13 bis 18 Uhr. www.wustlich-frustsaefte.de 

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