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Weniger Interesse an Pillen aus Tschechien

Apotheken im Nachbarland verzeichnen eine sinkende Kundenzahl aus Deutschland – trotz Preisunterschieden.

Von Katja Zimmermann und Matthias Klaus

Helga F. hat gerade ihre Einkaufstour hinter sich. Einmal pro Woche macht sich die Rentnerin aus dem Oberland auf in Richtung Tschechien. Neben diversen Lebensmittelmärkten ist auch die Lékárna Varnsdorf, die Apotheke Varnsdorf, ihr Ziel. Diese befindet sich keine 200 Meter vom dortigen Rathaus entfernt. „Was soll man denn machen? Die knappe Rente, da muss man jeden Pfennig zweimal umdrehen, bevor man ihn ausgibt. Und in den Medikamenten ist doch eh überall das Gleiche drin. Hier kann ich richtig sparen“, sagt Frau F.

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Etwa 15 Prozent der Kundschaft der Apotheke Varnsdorf sind Deutsche, schätzt Chef Jindrich Smíd. Das liege wohl am hilfsbereiten Personal – zwei der Mitarbeiterinnen sprechen perfekt Deutsch, der Rest ist dabei, es zu lernen – und natürlich den Preisunterschieden, sagt er. Vor allem Anwohner aus dem Grenzgebiet zählen zu seinen Kunden. Dazu gehören allerdings nicht nur Senioren, sondern auch junge Frauen, die hier ihre Pille kaufen – mit dem entsprechenden Rezept von ihrem Arzt. „Dabei handelt es sich um unterschiedliche Sorten“, schildert Herr Smíd. Er schätzt, dass die Pille bei ihm etwa ein Drittel billiger sei als in Deutschland. Die deutschen Kunden kaufen bei ihm außerdem beispielsweise das Schmerzmittel Voltaren und den Gedächtnisstärker Gingko. Medikamente ohne Rezept, für die in Deutschland eines gebraucht wird, gebe es in Tschechien nicht, sagt Smíd.

In der Apotheke am Marktplatz in Šluknov (Schluckenau) sind nur noch fünf bis zehn Prozent der Kunden Deutsche, schätzt die Angestellte Eliska Zemanová. Das seien weniger als in den vergangenen Jahren. „Wir reden alle Deutsch, nicht perfekt, aber wir verständigen uns.“ Deutsche Kunden kommen vorwiegend aus dem hiesigen Grenzgebiet, nur manchmal aus größerer Entfernung. Meist seien es Rentner, aber auch junge Leute.

Apotheken zwischen Löbau und Zittau setzen derweil auf gute Beratung, Stammkunden – das ergab eine SZ-Umfage. „Apotheken geben nicht nur Tabletten aus oder rühren Salben an. Sie versuchen auch, mit vielen zusätzlichen Angeboten Patienten dauerhaft an sich zu binden und so im verschärften Wettbewerb Einnahmen zu sichern“, heißt es von der Verbraucherzentrale Sachsen. Modelle wie Bonus- und Kundenkarte oder eine Hausapotheke, ein Vertriebsverfahren mit Coupons und Gutschriften, gehören dazu.

Die Konkurrenz in Tschechien ist den Apotheken in der Region bekannt, wird aber, so der Tenor der befragten Apotheken, nicht überbewertet. Zumal sich die Situation in jüngerer Zeit offensichtlich geändert hat. Beispiel Liberec (Reichenberg): In der Apotheke „Dr. Max lékárna“ im innerstädtischen Einkaufszentrum Forum sind weniger als ein Prozent der Kunden Deutsche. „In unserer Apotheke sind das wohl eher Touristen“, schätzt die Apothekerin Katerina Roubínková ein, die wie ihr Varnsdorfer Kollege Jindrich Smíd Doktor der Pharmazie ist.

Wer nach Deutschland einreist, darf Arzneimittel für den persönlichen Bedarf mitbringen. Das bedeutet: eine Menge, die bei üblicher Dosierung für drei Monate reicht. Rentnerin Helga F. aus dem Oberland macht sich darüber wenig Gedanken. „Ich nehme meistens zwei, drei Päckchen Schmerztabletten mit“, sagt sie. „Wenn sie alle sind, gehe ich wieder nach Varnsdorf. Da sind die Pillen eben billiger.“