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Weniger kleine Läden in Klingenberg

In den größeren Ortsteilen decken Einkaufsmärkte den meisten Bedarf ab – mit einer Ausnahme.

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© Egbert Kamprath

Von Regine Schlesinger

Klingenberg. Tom Schumann hat vor rund 15 Jahren das Schuhgeschäft im Klingenberger Mehrzweckgebäude am Sachsenhof übernommen. Das Angebot ist reichlich. „Es ist von allem etwas da, wenn auch vielleicht nicht immer in der gewünschten Farbe“, sagt er. Mit seinem Laden ist Tom Schumann einer der letzten Mohikaner im Gemeindegebiet. Nicht nur Schuhe und Taschen gibt es bei ihm zu kaufen, das Sortiment ist deutlich breiter. Doch es läuft nicht wie erhofft. Wenn das so weitergeht wie in den letzten anderthalb Jahren, ziehe er bald einen Schlussstrich und gehe zurück in seinen alten Beruf als Bahnschlosser, kündigt Schumann an. Andere kleine Ladenbetreiber in der Gemeinde haben diesen Schritt schon vor ihm tun müssen. In Colmnitz, dem einwohnerstärksten Ortsteil, gibt es heute nur noch eine Bäckereifiliale und den Hofladen von Essig-Schneider. 19 Einzelhandelsgeschäfte existieren heute im Gemeindegebiet. Vor fünf Jahren waren es noch 24. Das geht aus einer Studie hervor, die die Industrie- und Handelskammer unter dem Titel Handelsatlas veröffentlicht hat. Die wichtigsten Ergebnisse für Klingenberg im Überblick.

Ergebnisse für Klingenberg

Ergebnis 1: Weniger Einwohner kaufen weniger ein

Klingenberg hat seit 2000 viele Einwohnern verloren, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, bei dem sie sozialversicherungspflichtig sind. Mitte 2000 waren das 2257. Für 2014 nennt der Handelsatlas nur noch die Zahl von 1717. In Glashütte zum Beispiel gibt es einen gegenläufigen Trend. Dort ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in den vergangenen 15 Jahren um rund 700 gestiegen – vor allem dank der Uhrenindustrie. Auch die Einwohnerzahl insgesamt geht in Klingenberg von Jahr zu Jahr zurück. Seit 2000 verlor das Gemeindegebiet rund 1300 Einwohner, allein im Laufe des Vorjahres wurden es wieder 40 weniger.

Ergebnis 2: Das meiste Geld geben die Klingenberger für Lebensmittel aus

Abzüglich der Ausgaben für Wohnen, Reisen, Dienstleistungen, Auto und Altersvorsorge können die Klingenberger im Schnitt und pro Kopf 5621 Euro jährlich für den Konsum ausgeben. Im Landkreis sind es mit 5662 Euro nur wenig mehr. Im bundesweiten Vergleich ist aber noch Luft nach oben. Hier nennt die Studie einen Betrag von 6264 Euro. Für Lebensmittel berappen die Klingenberger pro Kopf jährlich im Schnitt 2091 Euro. Das ist nahe dran am Landkreisdurchschnitt von 2105 Euro. Der Mensch lebt aber nicht vom Brot allein. Für Drogerieartikel und Apothekenware geben die Klingenberger 889 Euro aus, im Baumarkt lassen sie im Schnitt 462 Euro, im Möbelhaus 257 Euro, bei PC- und Medientechnik sind es 310 Euro. Bekleidung und Wäsche lassen sich die Klingenberger 459 Euro kosten. Die Mär von den schuhverrückten Frauen scheint für die Gemeinde nicht zu stimmen. Dieser Posten beläuft sich nur auf 82 Euro pro Kopf.

Ergebnis 3: Mit Einkaufsmärkten relativ gut ausgestattet

Die Gemeinde verfügt für ihre 6844 Einwohner über 0,53 Quadratmeter Verkaufsfläche pro Kopf. Zum Vergleich: In Glashütte sind es bei einer ähnlichen Einwohnerzahl nur 0,41 Quadratmeter.

In Klingenberg gibt es mit dem Penny-Markt einen Lebensmitteldiscounter, in Pretzschendorf mit Edeka einen Supermarkt. Die Höckendorfer können sich in einem Einkaufsmarkt mit Backshop im Dorfzentrum mit allem Nötigen versorgen. „Das wird auch gut angenommen“, versichert Verkäuferin Solveig Maleck. Den Markt gibt es bereits seit 1998.

Die Ruppendorfer haben seit Ende 2012 in der Alten Schule einen gut sortierten Landmarkt, dessen Betreiberin, Angelika Scholtyssek, viele regionale Produkte und auch Sortimente wie Spiel- und Schreibwaren anbietet und ein kleines, nettes Café eingerichtet hat. Gemüseladen und Fleischerei ergänzen das Angebot im Ortszentrum. Auch die Röthenbacher haben eine Fleischerei mit Landmarkt. In Friedersdorf, Borlas, Beerwalde und Obercunnersdorf existiert allerdings nichts dergleichen. Zum Wochenende hin bietet in Obercunnersdorf immerhin eine ortsansässige Landbäckerei frische Ware an. Eine Bäckerei haben auch die Pretzschendorfer im Ort, ebenso auch noch einen Computer- & Mobilfunk-Shop sowie ein Geschäft für Haus-, Hof- und Gartenbedarf. Blumengeschäfte, Gärtnereien und Getränkehändler gibt es in einigen Ortsteilen der Gemeinde.

In Colmnitz hatte es vor Jahren den Versuch gegeben, in der früheren Schule einen Einkaufsmarkt zu installieren. Dieser Versuch musste aber mangels Nachfrage nach kurzer Zeit wieder aufgegeben werden. Im Ort einkaufen können die Colmnitzer dank mobiler Händler aber trotzdem. In den Schulzeiten ist auch die Busanbindung zu den Märkten in den Nachbarorten gut. Nachbarn haben außerdem fürs Einkaufen Fahrgemeinschaften gebildet, heißt es aus dem Klingenberger Ortsteil.

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