merken
PLUS Leben und Stil

Weniger Krankschreibungen in Sachsen

Die Corona-Pandemie sorgte anfangs für Rekordzahlen, nun bewirken die Schutzmaßnahmen offenbar das Gegenteil.

Vier von zehn erkrankten Arbeitnehmern nutzten die Möglichkeit, sich telefonisch krankschreiben zu lassen.
Vier von zehn erkrankten Arbeitnehmern nutzten die Möglichkeit, sich telefonisch krankschreiben zu lassen. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Krankenschein per Telefon – das klingt wie eine Einladung zum Blaumachen. Vom 9. März bis Ende Mai konnten sich Arbeitnehmer damit den Weg zum Arzt sparen. Offenbar wurde diese Möglichkeit aber nur zu Beginn in größerem Ausmaß ausgenutzt. Dies belegen inzwischen die Zahlen von mehreren Krankenkassen.

Demnach verzeichnete die AOK Plus in den ersten beiden Wochen nach Beginn der Pandemie-Maßnahmen ab 9. März zwar einen sprunghaften Anstieg der Krankschreibungen. Erkältungskrankheiten hatten daran einen maßgeblichen Anteil. 

Anzeige
Sachsen entdecken und erleben
Sachsen entdecken und erleben

Lernen Sie unbekannte Orte der Region kennen - wir geben Ihnen Insidertipps um die Schönheit und Einzigartigkeit Sachsens neu zu entdecken.

Danach sanken diese Zahlen jedoch rapide und bis unter das Vorjahresniveau. Zum Vergleich: Vor der Pandemie gingen bei der größten Krankenkasse in Sachsen und Thüringen pro Woche rund 60.000 Fälle von Arbeitsunfähigkeit ein, seit Mitte April sind es im Schnitt nur noch etwa 25.000.

21 Prozent mehr Atemwegsinfekte

Ähnlich ist die Situation bei den anderen großen gesetzlichen Krankenversicherern. Bei der IKK classic hatten sich im März in Sachsen knapp 20.000 Versicherte aufgrund von Atemwegsinfekten krankschreiben lassen, ein Plus von 21 Prozent gegenüber 2019. 

Bereits im April lag die Zahl bei unter 10.000 und damit unter dem Vorjahresniveau. Die Techniker Krankenkasse (TK) verzeichnete nach eigenen Angaben im März den höchsten Krankenstand seit 20 Jahren mit 6,88 Prozent. Im Mai erreichte er mit 3,35 Prozent den niedrigsten Wert für diesen Monat seit zehn Jahren.

Zu den Gründen für diese Entwicklung gibt es nur Spekulationen. So könnten Kontaktverbote, die genauere Einhaltung der Hygieneregeln, das schöne Wetter, Homeoffice und weniger Stress den Rückgang erklären, heißt es bei der AOK Plus.

Entlastung durch Telefon-Krankschreibung

Die Daten der Kassen lassen auch keine Rückschlüsse darüber zu, wie viele Patienten die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung genutzt haben. Bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK hatten vier von zehn erkrankten Arbeitnehmern angegeben, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) im März und April lediglich durch einen Anruf bei ihrem Hausarzt bekommen zu haben.

Die Telefon-AU war nur bei Symptomen einer Erkrankung der oberen Atemwege und ohne Vorliegen eines begründeten Verdachts einer Corona-Infektion erlaubt. Krankenkassen und Ärztevertreter wollten damit die Arztpraxen entlasten und die Ausbreitung des Virus über die Wartezimmer zu vermeiden. 

Weiterführende Artikel

Krankschreibungen gehen zurück

Krankschreibungen gehen zurück

Die Krankenkasse Barmer verzeichnet viel mehr Krankschreibungen als im letzten Jahr. Der Höhepunkt ist jedoch überwunden.

Aus Sicht der Krankenkassen ist der Plan aufgegangen. „Die Zahlen zeigen, dass diese Möglichkeit nicht ausgenutzt wurde“, sagte TK-Landeschefin Simone Hartmann. Die AOK Plus empfiehlt dem Gemeinsamen Bundesausschuss, die Telefon-AU einer genauen Evaluation unterziehen, um deren Wirkung zu prüfen.

So informieren wir Sie zum Thema Corona

Mehr zum Thema Leben und Stil