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Weniger schwere Unfälle am Wilhelmsplatz wegen Tempo 30

Die Verkehrslösung an dieser Stelle überzeugt die Stadträte. Anderswo stehen sie solchen Zonen skeptisch gegenüber.

Von Ralph Schermann

Nach fast einem Jahr steht es jetzt fest: Die im März 2014 eingerichtete Tempo-30-Zone rund um den kompletten Wilhelmsplatz bleibt. Damit steht auch die Rechts-vor-links-Regel an der Kreuzung Konsul-/Blumenstraße/Wilhelmsplatz endgültig fest. Im Jahr 2014 gab es dort zwar viel mehr Unfälle als vorher. Dennoch wurde ein Unfallschwerpunkt beseitigt.

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So sagte es Peter Frenes von der Görlitzer Straßenverkehrsbehörde jetzt den Stadträten des Technischen Ausschusses: Von 2008 bis 2013 krachte es an besagter Kreuzung 23-mal. Das waren rund vier Unfälle im Jahr. Allein 2014 aber gab es 15. Doch wer an dieser Stelle einen Aufschrei der Stadträte erwartet hätte, lag falsch. Richtig dagegen ist ein Blick hinter die Protokolle dieser 15 Fälle. Zum einen gab es nämlich seit der Rechts-vor-links-Regel fast keine Schwerverletzten und keine massiven Sachschäden mehr. Die gab es zuvor bei fast jedem Crash an dieser Stelle, was letztlich der Grund für die Umgestaltung der Kreuzung war. Zum anderen trieben leichtere Unfälle in jener Zeit die eigenwillige Statistik hoch, als Jakob- und Augustastraße wegen Bauarbeiten gesperrt und der Verkehr über James-von-Moltke- und Blumenstraße umgeleitet wurde. „Das verfälschte die Sicht auf die neue Verkehrsregelung“, bestätigte auch Peter Demme vom Görlitzer Polizeirevier. Er weiß zudem aus den Unfallprotokollen, dass sich unter den 15 Zusammenstößen mit die Macht der Gewohnheit verbarg: „Es gab anfangs viele unaufmerksame Gewohnheitsfahrer, die die Verkehrszeichen nicht beachteten.“ Inzwischen aber habe sich die Änderung herumgesprochen und die neue Lösung bewährt, es gab bereits erste unfallfreie Monate an der Kreuzung, mit der die Stadträte noch vor einem Jahr mächtig haderten. Jetzt aber hatten sie keine Probleme mehr damit, bedankten sich bei Peter Frenes und Peter Demme für die Informationen und gingen zum nächsten Thema über.

„Jeden kleinen Blechschaden ausschließen kann niemand, aber Unfälle mit Verletzten müssen deutlich weniger werden“, erinnerte Peter Demme. Allerdings ist die Ausgestaltung der Wilhelmsplatz-Kreuzung für ihn noch nicht ideal. Zwar wurden mittlerweile feste Leitbaken eingebaut und Straßenmarkierungen aufgetragen, dennoch gibt es hier noch mehr und bessere Möglichkeiten. „Die Einfahrt in die Tempo-30-Zone muss eine Torwirkung bekommen“, fordert er. Denn wer klar so eine Zone erkennt, sollte sich gleichzeitig auch bewusst werden, dass dann immer rechts vor links zu erwarten ist. Peter Frenes gab zu, dass die Ausführung der Kreuzungsumgestaltung „anfangs nur halbherzig“ erfolgte, was vielleicht auch zur Unfallzahl beigetragen habe. Er will sich jetzt auch dafür einsetzen, die Markierungen für die Radfahrer zu verbessern. Diese dürfen die südliche Konsulstraße in Richtung Wilhelmsplatz entgegen der Einbahnstraße befahren.

Dass die Unfälle an Schwere abgenommen haben, läge nach Meinung beider Verkehrsexperten nur zum geringen Teil an der Vorfahrtregel, mehr aber an der eingeschränkten Geschwindigkeit. Während ein Auto mit 50 km/h erst nach 26 Metern zum Stehen kommt, betragen Reaktions- und Bremsweg bei Tempo 30 nur zwölf Meter. Deshalb sei die 30 in vielen Wohngebieten längst normal. Nur in der Innenstadt fehle so ein Instrument der Unfallverhütung noch an vielen Stellen, sagte Frenes. Er erinnerte daran, dass die Bürger aber gerade solche Lösungen fordern. Auch an Wilhelmsplatz und Konsulstraße hatten sich mehrere Betreiber von Kinder- und Jugendeinrichtungen die Tempominderung gewünscht. Peter Frenes nutzte die Gelegenheit, diese Gedanken den Stadträten nochmals mit auf den Weg zu geben. Zwar gaben sie nun für die Wilhelmsplatzkreuzung endgültig grünes Licht, sind aber für weitere Tempo-30-Zonen weniger offen.

Peter Demme hatte in Vorbereitung auf die Berichterstattung vor den Stadträten die Kreuzung mit anderen umgestalteten Straßenknoten verglichen. Die Erkenntnis aus allen neuen Vorfahrtwechseln zeigte sich dabei gleich: Am Anfang kommt es immer zu Unfällen, weil alte Gewohnheiten überwiegen. Am Ende aber setzte sich die höhere Sicherheit bisher immer durch. Selbst Unsicherheiten, wer bei allseits belegter Rechts-vor-links-Kreuzung nun zuerst fährt, tragen zur Unfallverhütung bei: „Wer sich untereinander verständigen muss, baut keinen Unfall“, sagte Demme. Und: „Wer unsicher ist, hat erst recht allen Grund, zunächst einmal anzuhalten.“

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