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Weniger Storchennachwuchs als erhofft

Im Frühjahr hatten Naturschützer noch auf einen neuen Rekord gehofft. Daraus wurde nichts - trotz günstiger Bedingungen.

Zwei Jungstörche im Nest.
Zwei Jungstörche im Nest. © Sebastian Schultz

Riesa. Auf den Feldern rund um Riesa herrschte in den vergangenen Tagen öfter Hochbetrieb. Nachdem es am Dienstagmorgen geregnet hatte, versammelte sich ein Trupp von 13 Störchen bei Kreinitz. "Die Thermik ist bei so einem Wetter nicht günstig", erklärt Olaf Gambke. Der Riesaer Storchenbeauftragte eilte natürlich ans Feld. Es war eindeutig eine Gruppe durchziehender Störche, sagt Gambke. "Ich denke, in der nächsten Woche werden fast alle Weißstörche aus der Region verschwunden sein." Die Jungen sind es überwiegend jetzt schon. 

Es ist gar nicht so einfach, eine Bilanz zu ziehen, was das Storchenjahr angeht. Eine gewisse Enttäuschung jedenfalls kann Olaf Gambke nicht verhehlen. Und das, obwohl 2020 mit 55 Jungtieren deutlich besser ausfiel als das Vorjahr. Damals flogen am Ende gerade mal 36 junge Störche aus. Das ist die eine Seite. 

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Aber dann wären da ja noch die Erwartungen - und die waren groß angesichts der Meldungen im Frühjahr. 29 Brutpaare zählte Olaf Gambke Anfang Mai im Altkreis Riesa. "Da sollten, um von einem super Jahr zu sprechen, mindestens 60 Junge ausfliegen", sagt Olaf Gambke. Stattdessen liege man mit 1,9 Jungtieren pro Paar eigentlich eher im Durchschnitt, was den Bruterfolg angeht. 

© SZ Grafik

Dabei herrschten eigentlich gute Bedingungen für die Jungenaufzucht. Es war weniger trocken als in den Vorjahren, das bedeutete reichlich Futter. Tatsächlich gab es etwa im Raum Meißen so viele Jungstörche wie seit Jahren nicht, und auch im Altkreis Großenhain verließen mehr als 70 Tiere das Nest. 

In und um Riesa allerdings machten sich die Vögel gegenseitig das Leben schwer. "Es hätten ein, zwei Paare mehr Erfolg haben können", sagt Olaf Gambke. Stattdessen gab es in diesem Jahr Revierkämpfe, wie der langjährige Storchenbetreuer sie so noch nie erlebt hatte. Bis in den Juni hinein war beispielsweise ein Horst in Lößnig umkämpft. Für eine erfolgreiche Brut ist es danach schon zu spät. 

Storchenbetreuer Olaf Gambke bei der Arbeit.
Storchenbetreuer Olaf Gambke bei der Arbeit. © Sebastian Schultz

Besonders unglücklich lief auch das Revierverhalten eines Storchenmännchens in Reppis bei Gröditz ab. "Der hat erfolgreich alle anderen verjagt - aber dann vergeblich auf seine langjährige Partnerin gewartet." Was eigentlich möglich gewesen wäre, das zeigen laut Olaf Gambke die Nistplätze, an denen es geklappt hat. "Positiv ist, dass wir viele Bruten mit drei oder sogar vier Jungen haben. Das ist wirklich super."

Wobei das eben noch nicht heißen muss, dass die Störche ihre ersten Ausflüge auch überstehen. Ein Jungstorch aus Gohlis verletzte sich beispielsweise bei einem der ersten Flugversuche. "Ich vermute einen Anflugunfall", sagt Olaf Gambke. 

Typischerweise bleiben die Tiere mit den Flügeln an Weidezäunen hängen, die sie bei Landung oder Start übersehen. Mit einem verletzten Flügel wurde der Jungstorch noch in den Riesaer Tierpark geschafft, aber die Hilfe kam zu spät. 

Riesaer Störche sorgen für Aufregung

Für besorgte Anrufe sorgte auch der Nachwuchs, der auf der Esse am Hercher-Autohaus in Riesa geschlüpft war. "Einige Bürger hatten beobachtet, dass der vierte Jungstorch nicht fliegt, ganz anders als seine Geschwister."

 Da gingen Anrufe beim Nabu und im Umweltamt des Kreises ein. Eigentlich sei das ein gutes Zeichen, sagt Gambke - auch, wenn der Wirbel in diesem Fall umsonst war. "Bei vier Jungen ist es oft so, dass man einen Nachzügler dabei hat. Der sieht zwar auf den ersten Blick genauso groß aus wie die Anderen. Aber beim Vermessen und Wiegen sieht man, dass der noch etwas länger braucht, bis er fliegen kann." 

Der Horst über dem Hercher-Autohaus in Riesa sorgte für Aufruhr.
Der Horst über dem Hercher-Autohaus in Riesa sorgte für Aufruhr. © Sebastian Schultz

Mittlerweile sind auch aus Riesa alle Jungen ausgeflogen - so wie fast überall. Die Jungtiere ziehen laut Olaf Gambke immer früher ab als die Altvögel. Ein paar Tage noch, dann wird vermutlich auch der letzte im Kreis Meißen ansässige Storch verschwunden sein - so wie der Storchentrupp kürzlich auf dem Kreinitzer Feld. "Sobald einer losfliegt, dauert es nur wenige Minuten, dann sind alle anderen auch in der Luft." 

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