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Wohin mit den alten Klamotten?

Im Landkreis Bautzen gibt es jetzt weniger Altkleider-Container. Das hat mehrere Gründe - und für die Einwohner vor allem einen Nachteil.

Wie hier in Göda quellen derzeit viele Altkleider-Container im Landkreis Bautzen über - auch weil Standorte weggefallen sind.
Wie hier in Göda quellen derzeit viele Altkleider-Container im Landkreis Bautzen über - auch weil Standorte weggefallen sind. © Steffen Unger

Bautzen. Es gibt Rituale, an denen möchte Diana Schneider nicht rütteln. Eines davon ist die jährliche Aufräumaktion in ihrem Kleiderschrank. Immer im Juli sichtet die Bautzenerin alle Anziehsachen, und was sie schon mindestens drei Jahre nicht mehr getragen hat, kommt in den Altkleider-Container. Auch diesmal war wieder ein gut gefüllter Plastebeutel zusammengekommen. Und wie immer lief Diana Schneider damit zu ihrem Stamm-Container im Stadtteil Gesundbrunnen - und stand vor einem leeren Fleck auf den Gehwegplatten.

So wie Diana Schneider geht es in diesen Wochen vielen Menschen, die gebrauchte Kleidung zum Container bringen wollen. Mehrere Organisationen bauten die Sammelbehältnisse für Altkleider ab oder reduzierten deren Anzahl. Zum Beispiel das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Torsten Haufe weiß als Fahrdienstleiter beim Kreisverband Bautzen genau, wo die Container stehen - oder standen. "Von den rund 200 Altkleider-Containern im Kreisgebiet mussten wir etwa die Hälfte reinholen. Die verbliebenen etwa 100 werden aber regelmäßig geleert", sagt er. Und so stehen eben in Bautzen nur noch ganz wenige DRK-Container, in Bischofswerda gar keiner mehr. 

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Gut erhaltene Sachen aus den DRK-Containern landen in den Kleiderkammern in Bischofswerda und Lauta oder im Sozialkaufhaus an der Bautzener Steinstraße. Das soll auch so bleiben, sagt Torsten Haufe. Aber weltweit sei der Markt für gebrauchte Textilien zusammengebrochen.

Läden geschlossen, Häfen dicht

Es ist keineswegs so, dass solche Kleidungsstücke nicht mehr benötigt würden. Studien besagen, dass 70 Prozent der Weltbevölkerung zur Deckung ihres Bedarfes an Bekleidung mehr oder weniger auf Gebrauchtes zurückgreifen müssen. Doch seit Corona sind in Osteuropa viele Second-Hand-Läden nach wie vor geschlossen. Zudem haben mehrere afrikanische Länder ihre Häfen zumindest zeitweise dichtgemacht. Weltweit herrscht Verunsicherung, wie es weitergeht.

"Die Märkte haben sich noch nicht erholt", erklärt Ramona Diercksen von der Bremer Firma FWS. Das Unternehmen aus der Hansestadt hat im Landkreis Bautzen 224 Altkleider-Container stehen. Diese würden je nach Bedarf alle sieben oder 14 Tage geleert – in jüngster Zeit aber öfter, sagt Ramona Diercksen. "Das Sammelaufkommen ist nach wie vor sehr groß, da in den letzten zwei Monaten einige Mitbewerber ihre Sammlung eingestellt haben und wir auch diese Mengen bewältigen müssen."

Es kam einiges zusammen seit März: Wegen der Corona-Beschränkungen waren viele Leute notgedrungen zu Hause und nutzten die unerwartete Freizeit, um die Kleiderschränke durchzuforsten. Gleichzeitig blieben über mehrere Wochen die Wertstoffhöfe geschlossen - so landete noch mehr in und vor den Altkleider-Containern. Deren Betreiber kamen mit dem Sortieren nicht mehr nach und reagierten unter anderem damit, dass sie Container vom Markt nahmen.

Aber die Spendenbereitschaft der Bürger sei während der Wir-bleiben-zu-Hause-Phase gestiegen, bestätigt auch der Kreisverband der Volkssolidarität. Er hat 150 Container stehen, daran hat sich auch nichts geändert, sagt Kreisgeschäftsführerin Romy Pietsch. Die Container der Volkssolidarität leert die Soex Textil-Vermarktungsgesellschaft mit Stammsitz im schleswig-holsteinischen Ahrendsburg. Soex betreibt in Bitterfeld-Wolfen ein Sortierwerk und nimmt dort alle Sachen und Schuhe unter die Lupe.

Selbst der letzte Fetzen findet Verwendung

Nach dem Sortieren werden immerhin rund 57 Prozent aller weggeworfenen Kleidungsstücke irgendwo auf der Welt wieder von Menschen getragen. Ramona Diercksen von FWS in Bremen bestätigt. „Es ist kein Klischee, dass Alttextilien in Ländern, in denen die Bevölkerung über ein geringes Haushaltseinkommen verfügt, gerne gekauft werden."

Nicht mehr tragbare Sachen werden zu Putzlappen oder in Recyclinganlagen zu Fasern verarbeitet. Aus solchen Fasern entstehen unter anderem textile Vliese und Filze, aber auch Dämmstoffe in Autos oder Kühlschränken. Allerdings mussten in den vergangenen Wochen auch zahlreiche Autofabriken eine Zwangspause einlegen und brauchten keine Textilreste. Was sich von den Alttextilien überhaupt nicht mehr verwenden lässt, verwandeln Müllverbrennungsanlagen in Strom und Wärme. So dient auch das letzte Stück Stoff noch einem nützlichen Zweck.

Auch wenn die Kleidercontainer derzeit an der einen oder anderen Straßenecke fehlen: Kleiderspenden sind nach wie vor willkommen. Sie sollten aber wirklich eine Spende sein, keine Alternative zur Mülltonne.

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