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Weniger Unfälle auf Mittelsachsens Straßen

Unter 25-Jährige haben 13 Prozent der Unfälle verursacht. Die Zahl der getöteten Menschen ist gesunken.

Von Peggy Zill

Der 73-jährige Fahrer eines Mercedes fährt beim rückwärts Ausparken auf einem Parkplatz gegen einen Ford. Schaden: 3 000 Euro. Zwei Autofahrer stoßen gleichzeitig rückwärts aus der Parklücke und zusammen. Schaden: 5 200 Euro. Eine Frau kracht beim Ausparken mit ihrem VW gegen einen Porsche. Auch hier entstanden 3 000 Euro Schaden. Durch Fehler beim Wenden und Rückwärtsfahren kommt es im Kreis zu den meisten Unfällen. Das geht aus der gestern veröffentlichten Statistik der Polizeidirektion Chemnitz hervor. In den Jahren zuvor waren zu hohe Geschwindigkeit, Fehler beim Überholen und ungenügender Sicherheitsabstand die drei Hauptursachen.

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Für Evelyn Ernst von der Verkehrswacht für das Muldental ist das ein Anzeichen dafür, dass die Zahl der älteren Verkehrsteilnehmer deutlich gestiegen ist. Denen würden häufiger Ausparkfehler passieren. Ihr Verein bietet regelmäßig Verkehrsteilnehmerschulungen an. Und meist sind es die älteren Autofahrer, die kommen. „Die Jugend interessiert sich dafür nicht“, sagt Evelyn Ernst. Viele Senioren seien hingegen sehr interessiert, hätten allerdings auch Angst vor Sehtests oder Übungen auf dem Verkehrsplatz, weil jemand sagen könnte, dass sie nicht mehr fahren sollten. Dabei gehört die Generation 65 Plus nicht zu den größten Gefahren im Straßenverkehr. Etwa 13 Prozent aller Unfälle im vergangenen Jahr sind von Fahrern unter 25 Jahren verursacht worden. 875-mal, das sind elf Prozent der Fälle, sind über 65-Jährige schuldgewesen. Acht Menschen dieser Altersgruppe starben bei Verkehrsunfällen und 142 wurden verletzt.

Insgesamt ist die Zahl der Unfälle auf Mittelsachsens Straßen im vergangenen Jahr von 7 758 auf 7 510 gesunken. Einer der Unfallschwerpunkte war die B 175 in Döbeln in Höhe der Tankstellen an der Dresdner Straße. Die B 169 zwischen Döbeln und Ostrau, die in den Vorjahren oft als Schwerpunkt aufgeführt war, kommt in der Statistik nicht mehr vor.

Mehr Egoismus auf den Straßen

Es kamen 19 Männer und Frauen ums Leben. Das sind sechs weniger als noch im Jahr zuvor. Auch die Zahl der verletzten Personen ging weiter zurück. Weil es durch Verkehrsunfälle, deren Ursache zu schnelles Fahren war, meist zu den schwersten Folgen kommt, setzt die Polizei auch in Zukunft auf Geschwindigkeitskontrollen. Davon gab es im vergangenen Jahr im gesamten Bereich der Polizeidirektion mehr als 4 000. Dabei wurden fast 140 000 Verstöße erfasst.

Verkehrserziehung ist laut Evelyn Ernst wichtig, um Unfälle zu verhindern, aber auch eine Frage der Finanzierung. Die Verkehrswacht organisiert sich ehrenamtlich für die Altkreise Döbeln und Muldental. Besonders gute Resonanz gibt es auf die Fahrradausbildung in der vierten Klasse. „Ab da werden die Kinder langsam selbstständig.“ Für Ältere ist das Tragen einer Rauschbrille meist eine interessante Erfahrung. Die gibt es sogar in verschiedenen Promille-Stufen. Damit muss dann zum Beispiel ein Autoschlüssel gefangen oder ein Pkw aufgeschlossen werden. „Viele unterschätzen das“, sagt Evelyn Ernst. Bei 139 Unfällen im Kreis stand mindestens ein Beteiligter unter dem Einfluss von Alkohol. Weitere 433 Fahrer konnten aus dem Verkehr gezogen werden, bevor etwas passiert.

Generell hat Evelyn Ernst beobachtet, dass die Einstellung der Autofahrer sich in den vergangenen Jahren verändert habe. Es herrsche ein größerer Egoismus. Viele würden denken, ihnen passiere nichts. „Prävention und Sensibilisierung sind wichtig. Denn jeder Tote und Verletzte ist einer zu viel.“