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Weniger Unfälle dank Rüttelstreifen

Das Verkehrspilotprojekt in Hohnstein scheint erfolgreich zu sein. Zufrieden sind dennoch nicht alle.

Von Anja Weber

Es rüttelt und rumpelt. Doch es gibt keine Unfälle mehr auf dem besonders gefährlichen Streckenabschnitt in den Serpentinen zwischen dem Polenztal und der Hocksteinschänke. Ereigneten sich zwischen den Jahren 2010 und 2012 insgesamt fünf Unfälle in besagtem Streckenabschnitt, ist bis jetzt dort kein einziger gemeldet worden. In den gesamten Serpentinen wurden in den letzten drei Jahren allerdings neun Unfälle gezählt. Damit passierten die restlichen vier außerhalb der Rüttelstreifen. Dass die Unfallzahlen nunmehr gesenkt werden konnten, führt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr auf die Rüttelstreifen zurück, die im Jahr 2012 montiert wurden. Damit sind die Serpentinen bei Hohnstein eines von insgesamt fünf Pilotprojekten dieser Art in Sachsen. Weitere gibt es im Erzgebirgskreis sowie zwei im Bereich Leipzig und ein Projekt in der Nähe von Kamenz.

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Ziel erreicht? Der Rückgang der Unfallzahlen könnte das so bestätigen. Die Stelle sei von der Unfallkommission des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge auch deshalb für diese Maßnahme ausgewählt worden, sagt Klaus-Peter Lechler, Leiter des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr. Die Rüttelstreifen seien ein effizientes Mittel, um Unfälle zu reduzieren. Sie seien auf Dauer angelegt, und die Unfallkommission würde die Ergebnisse überwachen.

Die zum Langsamfahren zwingenden Rüttelstreifen waren aber auch ein erneuter Versuch des Landesamtes, illegale Rennen auf dieser Staatsstraße – egal ob mit Autos oder Motorrädern – zu verhindern. So hieß es im Jahr 2012.

Doch das eigentliche Problem der genau gegenüber der Strecke wohnenden Hohnsteiner ist nicht gelöst. Motorradfahrer geben weiterhin kräftig Gummi, und die Geräusche brechen sich am Hang auf der gegenüberliegenden Seite. Manche Anwohner berichten schon seit Jahren von „höllischem Lärm“. Und der soll auch noch zugenommen haben. Denn inzwischen haben offenbar Biker ihre Leidenschaft für die Rüttelstreifen entdeckt.

Die Stadt hatte bereits 2012 vorgeschlagen, die Strecke zwischen Polenztal und Hocksteinschänke wieder an Wochenenden und Feiertagen für Motorräder zu sperren. Das allerdings hat das Landratsamt wie auch das Landesstraßenbauamt abgelehnt. Solche Maßnahmen seien nur begründet, wenn auch entsprechend viele Unfälle auf der Strecke passieren würden. Und die gibt es nun laut Statistik nicht mehr, aber eben nur in den Kurven mit den Rüttelstreifen. Unfälle davor und danach gibt es weiter, so wie vor Kurzem nahe dem Parkplatz an der Hocksteinschänke.

Anwohnersorgen bleiben

„Die Anwohner denken nicht an die Unfälle, sondern an den Lärm“, sagt Stadtrat Thomas Riedel (Unabhängige Wählervereinigung). Durch die Rüttelstreifen würden sogar mehr Motorradfahrer angelockt, weil es für sie auch eine Mutprobe sei, zwischen den Rüttelstreifen hindurch oder drüberzufahren, sagt er. CDU-Fraktionschef Konrad Weber sieht das Lärmproblem ebenfalls nicht gelöst. „Mir tun die Vermieter in diesem Gebiet leid“, sagt er. Deshalb müssten sich Stadtrat und Stadt auch weiter mit dem Thema Lärm auf den Serpentinen auseinandersetzen. Die Antwort wäre eine Sperrung für Motorräder bergauf, sagt Bürgermeister Daniel Brade (SPD). Genauso, wie es die schon einmal gegeben hat. „Wenn das jetzt von den Hohnsteinern wieder so gefordert wird, dann müssen wir es so angehen“, sagt der Bürgermeister. Außerdem habe es vor einiger Zeit auch Überlegungen gegeben, die Straße zurückzubauen, also sie schmaler zu machen.

Sicher sei aber, die Stadt könne über die Zukunft der Serpentinen nicht allein entscheiden. Die Handelnden seien hier der Freistaat, das Landratsamt und die Polizei. Eine Entscheidung darüber ist noch nicht getroffen. Und die könnte durchaus auch nicht so einfach sein. Denn neben den Vermietern, die über den Lärm klagen, gibt es auch Hohnsteiner, die von Bikern profitieren und sie willkommen heißen, wie die Burg. Aus diesem Grund wird sich der neue Stadtrat mit den Serpentinen weiterhin beschäftigen müssen.

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr hatte unterdessen entschieden, noch weitere Rüttelstreifen zu montieren (SZ berichtete). Im Mai wurde deshalb eine weitere Kurve damit ausgestattet. Die Kraftfahrer werden mit Hinweisschildern auf die Hindernisse hingewiesen.