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Bautzen

Weniger Verkehrstote

Zwischen Januar und Oktober 2019 kamen im Kreis Bautzen zehn Menschen ums Leben – halb so viele wie im Vorjahr.

Im Sommer 2019 kam es auf der A 4 kurz vor der Abfahrt Ottendorf-Okrilla zu einer Massenkarambolage. Insgesamt kollidierten fünf Fahrzeuge. Nicht der einzige schwere Unfall im vergangenen Jahr.
Im Sommer 2019 kam es auf der A 4 kurz vor der Abfahrt Ottendorf-Okrilla zu einer Massenkarambolage. Insgesamt kollidierten fünf Fahrzeuge. Nicht der einzige schwere Unfall im vergangenen Jahr. © Archivfoto: xcitepress

Bautzen. Die Lkws sind wie an einer Perlenschnur aneinandergereiht. Kaum mehr als einen Meter beträgt der Abstand zwischen den Riesentonnern. Doch auch viele Pkw-Fahrer halten die Verkehrsregeln nicht ein. Obwohl auf der Autobahn 4 an der Abfahrt Burkau ein Tempolimit gilt, rasen die Fahrzeuge hintereinander mit weit mehr als 120 Kilometer pro Stunde an den Lkws vorbei – und die liefern sich auf der dreispurigen Strecke auch noch ein Elefantenrennen.

Sowohl den Lkw- als auch den Pkwfahrern ist es egal, dass sie gegen Verkehrsregeln verstoßen. „Endlich Platz zum Überholen“, denken sich die Kraftfahrer. Und die Autofahrer dürften wohl folgende Gedanken haben: „Es wird schon nichts passieren. Der vor mir muss nur mal ordentlich Gas geben.“ Mit wilden Gesten und Aufblendlicht verleihen sie ihrem Willen, endlich zu überholen, Nachdruck.

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Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Wer regelmäßig auf der A 4 zwischen Dresden und Bautzen unterwegs ist, dem kommen solche Beschreibungen nicht fremd vor. Im Gegenteil: Viele werden sich fragen, warum es eigentlich nicht häufiger zu Verkehrsunfällen kommt als ohnehin schon. So wie im August 2019, als kurz vor der Ausfahrt nach Ottendorf-Okrilla gleich fünf Autos ineinanderkrachten und somit für einen kilometerlangen Stau und eine Vollsperrung sorgten. Damals musste ein Hyundai etwas langsamer fahren, woraufhin ein nachfolgender BMW nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte und in das vor ihm fahrende Auto krachte. Drei weitere Autos rasten anschließend in den Unfall.

Es war nicht der einzige Unfall im Landkreis Bautzen im letzten Jahr. Insgesamt gab es zwischen Januar und Oktober 6.988 Zusammenstöße. Im Vorjahr waren es für den gleichen Zeitraum rund 80 Unfälle weniger. Die SZ hat sich die Daten zu allen Unfällen in diesem Zeitraum angesehen und die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Mehr Unfälle in den Städten

Besonders in den Großen Kreisstädten Bautzen, Hoyerswerda, Kamenz und Radeberg kommt es häufig zu Unfällen. Spitzenreiter in dieser Statistik ist Bautzen mit 189 Unfällen zwischen Januar und Oktober. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es sogar zehn Unfälle mehr. Die zweitmeisten Unfälle passierten in Hoyerswerda (119), gefolgt von Kamenz (67) und Radeberg (62).

Dieter Müller, Professor für Verkehrsrecht an der Polizeihochschule Rothenburg, nennt die Gründe dafür: „In diesen Städten herrscht zum einen ein erhöhtes Verkehrsaufkommen. Die Verkehrsteilnehmer begegnen sich häufig, dabei ist eine hohe Konzentration gefragt.“ Zu oft seien sie aber abgelenkt. „Besonders technische Geräte wie Handy, Navigationsgerät und Radio beeinflussen das Fahrverhalten negativ“, sagt Müller.

Vorfahrtsunfälle sowie Zusammenstöße beim Anfahren und beim Abbiegen sind die häufigsten Unfallformen. „Man sollte viel öfter mit anderen Verkehrsteilnehmern kommunizieren“, sagt der Unfallforscher. Damit meint er das aufmerksame Beobachten und Reagieren auf andere Teilnehmer.

Zahl der Verkehrstoten geht zurück

Während es häufiger zu Unfällen kam, hat sich dagegen die Zahl der Verkehrstoten im vorigen Jahr fast halbiert. 2018 überlebten 19 Menschen einen Unfall nicht. Im vergangenen Jahr waren es nur zehn tödlich verunglückte Personen. Dafür stieg die Zahl der Schwerverletzten leicht an. 2018 waren es 288 Menschen, ein Jahr später 23 Personen. Laut Dieter Müller gibt es vor alllem drei Gründe für schwere Unfälle: „Oft ist es so, dass die Geschwindigkeit nicht angepasst ist.“ Vor allem junge Fahrer würden oft zu schnell fahren. Er schlägt deswegen eine weitere Ausbildungsphase für Autofahrer vor. „Ein Jahr nach der Fahrschule könnte noch eine zweite Überprüfung erfolgen, wie sicher die Fahrer mittlerweile sind und welche Fehler sich eingeschlichen haben“, sagt er.

Die weiteren Gründe für schwere Unfälle sind: schlechte Sicherung der Insassen und Ablenkung der Fahrer. „Der Bremsvorgang wird dann zu spät eingeleitet, und es kommt zum Zusammenstoß.“

Am Wochenende kracht es häufiger

Am Montag passieren prozentual die wenigsten Unfälle, am Sonnabend und Sonntag die meisten. „Das Fahren am Wochenende ist ein anderes, als wenn man in der Woche auf Arbeit fährt“, sagt Dieter Müller, der seit mehreren Jahren zu dem Thema forscht. Vor allem nachts komme es zu vielen Unfällen. „Nach einer Party ist man noch in Feierlaune. Die Konzentration lässt nach. Man hat vielleicht etwas getrunken.“ Dazu kommen schlechte Lichtverhältnisse.

Don’t drink and drive

Seit 1993 setzt sich eine Initiative dafür ein, Verkehrsteilnehmer in ganz Deutschland mit der Botschaft zu erreichen, dass Alkohol und Autofahren nicht zusammen passen. Doch laut Müller gehört Alkohol noch immer zu den Hauptgründen, warum es überhaupt zu Unfällen kommt. „Vor allem bei der Unfallschwere spielt Alkohol immer noch eine große Rolle.“ Müllers Vorschlag: „Alkohol-Kontrollen steigern.“ Das Problem: „In Sachsen wurden in den letzten Jahren immer mehr Stellen bei der Verkehrspolizei gestrichen.“ Erst seit einem Jahr stellt die Landesregierung wieder mehr Verkehrspolizisten ein.

Noch mehr Sicherheit gefordert

Seit der Wende wurde viel für die Sicherheit im Straßenverkehr getan, meint Müller. Die Fahrzeuge seien insgesamt sicherer. Die Zahl der Unfälle ist so seit den 1990er-Jahren stark zurückgegangen. „Die Autos von heute sind serienmäßig mit ABS, Gurtstraffer und Airbags ausgestattet. Dadurch passieren weniger schwere Unfälle. Und auch die Zahl der Todesfälle ist dadurch zurückgegangen“, sagt Müller. Zudem seien die Rettungsabläufe verbessert worden. „Die Rettungskräfte sind heute viel schneller am Unfallort.“

Dennoch gebe es auch noch viel Verbesserungspotenzial. So schlägt Müller ein verpflichtendes Fahrsicherheitstraining während der Fahrschulzeit vor. „Das gibt es zum Beispiel in Österreich.“ Außerdem hält er ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde in den Innenstädten für einen guten Ansatz. Dies wurde erst letztes Jahr in Helsinki umgesetzt. „Fahrradfahrer sind sehr häufig in Verkehrsunfälle involviert. Sie könnte man durch das Tempolimit besser schützen.“ Außerdem fordert er mehr Abstandskontrollen auf den Autobahnen. „Die Fahrer wären aufmerksamer, so würden weniger Unfälle passieren“, so Müller.

Alle Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum von Januar bis Oktober 2019. Für November und Dezember lagen noch keine Zahlen vor.

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