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Weniger Wald an der Waldstraße

Die Kettensäge kreischte jetzt in Pulsnitz. Alte Bäume müssen dem Straßenbau weichen. Das wirft Fragen auf.

© Matthias Schumann

Von Reiner Hanke

Der Wald an der Waldstraße in Pulsnitz hat sich gelichtet. Da liegen die Bäume niedergemäht. Einige zumindest noch. Die meisten sind inzwischen schon verschwunden. Was bleibt, sind die frischen Stümpfe. Die Waldstraße schlängelt sich von der Schlossklinik zwischen Häusern einen Anstieg hinauf. Die Straße Richtung Ohorn wird auch als Umleitungsstrecke genutzt. An der stehen nun etliche Bäume weniger. Der Pulsnitzer Gerd Kirchhübel hielt die Fällaktion im Foto fest und schreibt dazu: „Ich bin entsetzt.“ Schon im Vorjahr hatte er Kritik an Baumfällarbeiten geübt, unter anderem im Stadtpark. Und schon damals wurde die mangelhafte Information der Öffentlichkeit im Vorfeld über die Hintergründe der Aktion bemängelt.

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Nun sei erneut in der Stadt die Säge angesetzt worden. Die Verantwortung liegt in diesem Fall beim Landkreis. Der will die Pflasterstraße noch in diesem Jahr für 400 000 Euro sanieren. Um rund 400 Meter geht es dabei. Nun wurde offenbar Baufreiheit geschaffen. Gerd Kirchhübel: „Den Straßenrand säumen bzw. säumten sehr alte Bäume, die bei der Stadt Pulsnitz extra erfasst und nummeriert wurden.“ Er spricht von einem Kettensägenmassaker. Laut Plan sind 20 Bäume zwischen 15 cm und  1 Meter Durchmesser betroffen, heißt es aus dem Landratsamt. Dabei soll es bleiben. Falls es während des Baus keine Komplikationen gebe. Er könne jedenfalls kein System in den Arbeiten erkennen, so Bürger Gerd Kirchhübel, zumal parallel wohl auch noch Baumpflegearbeiten laufen würden. Manche Bäume, sichtbar gesund, hätten auch recht weit von der Straße weg gestanden. Es sei zu bezweifeln, dass diese künftig wirklich so breit ausfallen könnte, dass diese Bäume fallen mussten. Trotzdem sei die Säge angesetzt worden. Warum?

Bäume verlieren ihre Standsicherheit

Die SZ wandte sich mit diesen und weiteren Fragen an den Landkreis. Der lässt wissen, dass die Behörde seit vier Jahren an dem Straßenzug plane. Die Bäume zu erhalten, sei dabei stets als wichtiger Aspekt berücksichtigt worden, so Kreissprecher Gernot Schweitzer. Freilich seien immer unterschiedliche Interessen abzuwägen. Ein schwieriges Spannungsfeld. Dabei spiele die Verkehrssicherheit eine große Rolle. So war auch zu beachten, dass Bäume durch den Tiefbau ihre Standsicherheit verlieren und deshalb gefällt werden mussten. Außerdem soll ein durchgängiger Gehweg entstehen. Die Straße sei teilweise einfach zu schmal, um ohne Fällungen bauen zu können. Sie sei überhaupt weit schmal, als unter heutigen Bedingungen zulässig. Das lasse sich bei der Sanierung nicht einfach verdrängen. Es sei denn, man verzichte darauf. Die jetzt gewählte Variante entspreche laut Kreis den absoluten Mindestanforderungen. Gernot Schweitzer: „Es wurde darauf Wert gelegt, dass sowohl der vorhandene Baumbestand, wie auch private Flurstücke nur so weit beansprucht werden, wie es zur Erfüllung der Sicherheitsanforderungen für den Straßenbau notwendig ist.“ So wurde die Straße mehrfach eingeengt, damit möglichst wenige Bäume weichen mussten. Es seien aber auch breitere Abschnitte notwenig, erläutern die Planer, damit größerer Fahrzeuge wie Feuerwehr, Rettungs- und Müllfahrzeuge einander passieren können.

Kreis muss neue Bäume pflanzen

Ob das alles erklärt, warum auch Bäume weichen müssen, die etwas weiter von der Straße entfernt stehen? Da ist sich Gerd Kirchhübel noch längst nicht so sicher. Er hat Akteneinsicht beantragt. Der Kreis hält fest, dass die Fällaktion mit der Unteren Naturschutzbehörde, ebenfalls im Landratsamt, abgestimmt wurde. So hätten sich die Fachleute vor Ort ein Bild gemacht. Die Naturschutzbehörde habe daraufhin für den Bau Auflagen erteilt. Der Kreis muss 50 neue Bäume pflanzen: entlang des linken Straßenrandes der Waldstraße, als Streuobstwiese am Bauende links in Richtung Ohorn und entlang des Feldweges in östlicher Verlängerung der Waldstraße. Auch mit der Stadt Pulsnitz habe sich der Kreis abgestimmt. Die Stadt habe ebenfalls zugestimmt. In der Kritik steht insbesondere auch die Fällung einer noch gar nicht so alten Roteiche im Rondell an der Einmündung „Zur Hufe“. Auch hier gehe es um die Sicherheit, um Unfallgefahren zu minimieren. Der Knoten sei unübersichtlich, die Sicht behindert und Vorfahrtsregelungen nicht in jedem Fall eindeutig erkennbar.

Die Fällaktion hatte eine Privatfirma übernommen. Unabhängig davon sei die Baumpflege gelaufen. Da seien die Kollegen der Straßenmeisterei bei der Arbeit gewesen, so Gernot Schweitzer. Dem Schnitt seien Baumkontrollen vorangegangen. Wegen des Wintereinbruchs seien die Äste vorübergehend liegengeblieben. Die Mitarbeiter waren im Schnee-Einsatz.