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Weniger Züge von Neukirch nach Dresden

Wahrscheinlich ab 2005 werden die Regionalbahnen der Linie Dresden – Zittau nicht mehr über Neukirch, sondern über Wilthen und Bautzen fahren. Neukirchs Gemeinderat meldet Widerspruch an.

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Von Ingolf Reinsch

Neukirchs Gemeinderat befürchtet, die Gemeinde könnte aufs Abstellgleis geraten. Auf der Sitzung am Mittwoch meldeten sie „sofortigen Handlungsbedarf“ wegen der Pläne des Zweckverbandes Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) an, das Zugangebot im Oberland neu zu ordnen. „Mit der Kraft der Betriebe“ (Gemeinderat Dr. Karl-Heinz Salm) wolle man sich gegenüber Landkreisverwaltung und Wirtschaftsverbänden dafür einsetzen, den jetzigen Status zu erhalten. Mit den Plänen des Zvon verliere Neukirch als Wirtschaftsstandort an Attraktivität, hieß es im Gemeinderat, auch mit Blick auf Berufspendler, die in ortsansässigen Betrieben arbeiten.

Hintergrund sind Planungen des Zvon, wahrscheinlich ab 2005 die Regionalbahnen Dresden – Zittau über Bautzen und Wilthen zu leiten. Neukirch-Ost wäre dann nur noch aller zwei Stunden durch den Regionalexpress mit der Landeshauptstadt verbunden. Der Westbahnhof bleibt in Betrieb – als Halt für die Bahnstrecke Bautzen – Bad Schandau, die, auch aus touristischer Sicht, erhalten bleiben soll. Betroffen ist auch Putzkau, wo ab 2005 kein Zug mehr halten soll. Schmölln ist als Stopp für den Regionalexpress vorgesehen.

Durch den geplanten Ausbau des Streckennetzes werden die Reisezeiten kürzer. Außerdem sollen die Zuganschlüsse aus Ostsachsen an den Fernverkehr in Dresden mit der Umstellung besser werden, sagte Zvon-Mitarbeiter Klaus Maciejewski. Als Nachteil nannte er auf Frage eines Abgeordneten die dann nur noch zweistündige Verbindung nach Dresden. Allerdings planen Zvon und Landkreis einen Ersatz durch Busse. So werde beispielsweise an mehr Verbindungen zwischen Bischofswerda und Neukirch am Abend gedacht. Sollte im Berufsverkehr Bedarf bestehen, sei es möglich, zusätzliche Busse einzusetzen oder auch Linien zu verändern, sagte Zvon-Geschäftsführer Dr. Georg Janetzki auf SZ-Anfrage.

Für die Region insgesamt überwiegen allerdings die Vorteile der geplanten Umstrukturierung. So ist nach Zvon-Angaben Bautzen dann stündlich mit Dresden per Regionalbahn verbunden; hinzu kommen die Expresszüge. Zwischen Bautzen und Zittau würde aller zwei Stunden ein Zug fahren. Dadurch würden auch die Regionalbahnen zwischen Bautzen und Wilthen im Einstundentakt fahren.

Bereits am 9. Juli vergangenen Jahres hatten Zvon und Landkreis mit Neukirchs Bürgermeister Gottfried Krause die Pläne beraten. Der Bürgermeister habe zugestimmt, heißt es. Gottfried Krause hingegen will das Treffen im Rückblick nur als ein „Informationswerbegespräch des Zvon“ verstanden haben, bei dem „die Tragweite der geplanten Veränderungen nicht dargestellt“ worden sei.