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Löbau

Wenn 15 Minuten zum Bus fehlen

Eine Löbauerin lernt an der Freien Mittelschule in Weißenberg. Nur der Weg dahin ist wegen einiger Minuten eine Herausforderung für die Familie.

André Richter bringt seine Tochter Sarah zur Bushaltestelle in Kittlitz, damit sie zur Schule nach Weißenberg kommt. Der Bus aus der Stadt kommt zu spät an.
André Richter bringt seine Tochter Sarah zur Bushaltestelle in Kittlitz, damit sie zur Schule nach Weißenberg kommt. Der Bus aus der Stadt kommt zu spät an. © Matthias Weber

André Richter hat sich gefreut, als er vor einigen Wochen den Platz an der Freien Mittelschule Weißenberg für seine Sarah klar gemacht hat. Die Elfjährige hat schwere Schicksalsschläge hinter sich und auch beim Lernen einige Schwierigkeiten. "Wir haben mit der Evangelischen Grundschule in Löbau die Erfahrung gemacht, dass sie an kleineren, freien Schulen am besten zurechtkommt", schildert der alleinerziehende Vater die Erkenntnisse der vergangenen Jahre.

Deshalb sollte es auch nun wieder eine freie Schule sein - schon allein wegen der weitaus übersichtlicheren Größe, den kleineren Klassen und des Lernansatzes, den er für seine Tochter zu schätzen weiß.

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Die Schule, die eigentlich für Sarah empfohlen wurde, ist die Löbauer Pestalozzi-Oberschule. Doch die findet Richter zu groß: "An der Pesta würde meine Kleine untergehen." Da er aber auch an anderen freien Schulen bereits Absagen erhalten hatte, war André Richter froh über die Zusage in Weißenberg, wo insgesamt 167 Schüler lernen. Und mit dem Bus - so sagte man es ihm an der Schule - seien auch die 14 Kilometer Schulweg kein Problem.

Das entpuppte sich aber als Irrtum: "Der Bus nach Weißenberg startet in Kittlitz. Doch mit dem Schulbus aus Löbau erreicht meine Tochter ihn nicht", schildert der Vater die Lage. Reichlich 15 Minuten unterscheiden sich bei Ankunfts- und Abfahrtszeit der beiden Busse. Aufeinander warten können sie nicht. Also bringt André Richter seine Tochter nun täglich nach Kittlitz. "Ich kann mir das im Moment beruflich einrichten, aber es kann eben auch einmal sein, dass ich schon sehr früh weg muss", sagt der Witwer. Wer bringt dann seine Tochter zum Bus? "Mit dem Rad kann sie nicht von Löbau nach Kittlitz - viel zu gefährlich ohne durchgehenden Radweg, erst recht im Winter", sagt der Vater. Die Oma könnte gelegentlich einspringen. Aber dauerhaft ist das keine Lösung. "Es sind insgesamt drei Schüler allein in der fünften Klasse, die dieses Problem haben", sagt er.

Auch die Weißenberger Schule hat inzwischen versucht, das Problem anzugehen: "Bei uns ist dieses Problem bislang nie aufgefallen, weil die Löbauer Schüler, die bereits bei uns lernen, offenbar nicht so weit von der Kittlitzer Haltestelle entfernt wohnen", sagt Sigrid Süsse, Sekretärin der Freien Mittelschule Weißenberg. Ihren Recherchen zufolge, könnten die Kinder aus Löbau höchstens mit dem Zug bis Bautzen und dann mit dem Bus weiter bis Weißenberg fahren. "Das haben wir als Alternativvorschlag vom Landkreis Görlitz erhalten", sagt Frau Süsse durchaus ratlos.

Aber welcher Landkreis ist nun wirklich zuständig? Bei der Frage schieben sich Bautzen und Görlitz gegenseitig die Verantwortung zu - und zitieren die jeweiligen Gesetzesstellen: Der Kreis Görlitz erklärt auf Nachfrage, dass Bautzen dafür zuständig sei, weil die Schule ja auf seinem Gebiet liege. Der Kreis Bautzen hingegen verweist darauf, dass die Kinder aus Löbau ja nicht die nächstgelegene Schule - diese ist in Löbau - besuchen und damit kein Anspruch auf zusätzliche Leistungen vom Landkreis Bautzen gerechtfertigt sei. "Ob es Möglichkeiten gibt, die vorhandenen Linien im Landkreis Görlitz mit geringfügigen Aufwendungen anzupassen, kann nur der Landkreis Görlitz entscheiden. Von unserer Seite besteht keine Einflussmöglichkeit", betont die Bautzener Kreissprecherin Sarah Günther.

Eine solche Möglichkeit sieht Alfons Dienel derzeit nicht: Der Chef der Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck (KVG) kennt das Problem. Bei seinem Busunternehmen bestellt der Kreis die Linien für den Schülerverkehr. Er selbst kann da nichts zusätzlich anbieten. Dienel erklärt auch, warum die Busfahrer in Kittlitz nichts tun können: "Die Linie 119 nach Weißenberg ist auch für den Schülerverkehr nach Hochkirch wichtig. Das ist genau getaktet", sagt er. Schon in den vergangenen drei Jahren hat der Anschluss von einem Löbauer Bus in Kittlitz Richtung Weißenberg nachweislich nicht funktioniert, gibt er sich beim Blick in die alten Pläne sicher. Dass es vor vielen Jahren mal eine zeitlich befristete Sonderlösung gegeben habe, könne sein.

Für André Richter, seine Tochter Sarah und die anderen betroffenen Familien ist die Situation mehr als unbefriedigend. Man wolle sich vielleicht zusammentun, eine Fahrgemeinschaft bilden, bringt Richter ins Spiel. Auch an der Schule bedauert man die Probleme: "Wir freuen uns über das Engagement der Eltern, geben aber auch zu bedenken, dass sie das sechs Jahre durchhalten müssen", sagt Frau Süsse. Eigentlich sei Weißenberg ja gut in das Nahverkehrsnetz eingebunden. Aber über die Kreisgrenze sei das eben schwierig. Ob der neue Fahrplan ab Winter Verbesserungen bringt? Da ist Alfons Dienel skeptisch. Und André Richter ist sauer: "Ich bezahle schon statt 13 Euro insgesamt 20 Euro für den Schülerverkehr pro Monat zu, weil meine Tochter nicht die nächstgelegene Schule besucht", sagt er. Aber, dass es so gar keine Möglichkeit gibt, das sie früh überhaupt pünktlich ohne Weltreise die Schule erreicht, will er nicht einsehen. Denn der Heimweg nach Löbau, der klappt problemlos.

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