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Asylbewerber packen mit an

In Bannewitz leben zehn Flüchtlinge. Damit sie sich in der Gemeinde einleben, helfen sie im Bauhof mit.

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© Andreas Weihs

Von Andrea Schawe

Der alte Waggon sieht fast aus wie neu. Das Fahrgestell ist frisch gestrichen, fehlen nur noch die roten Fensterrahmen. Der Waggon, der auf der alten Bahntrasse kurz vor dem ehemaligen Bannewitzer Bahnhof am Windmühlenweg steht, wurde mühevoll restauriert. „Das Gestell musste entrostet werden“, sagt Daniel Walde, der Chef des Bannewitzer Bauhofs. Das ist aufwendig und funktioniert nur in Kleinarbeit – mit Drahtbürste und Nadelpistole. „Für solche Arbeiten haben wir eigentlich keine Zeit“, sagt Walde.

Doch seit Kurzem hat der Bauhof Unterstützung. Danilo und Jovica Stojko gehören zu der Großfamilie aus Serbien, die seit Anfang April als Asylbewerber in Possendorf untergebracht sind. Beide haben an dem Waggon gearbeitet, ihn entrostet, dann Rostschutz aufgetragen und gestrichen. „Tagelang sahen sie aus, als würden sie in einem Kohlekraftwerk arbeiten, so schwarz waren ihre Gesichter vom Rost“, erzählt Walde.

Die Serben arbeiten jeden Tag fünf Stunden beim Bauhof, auch ihr Vater hilft mit. „Sie erledigen die Dinge, zu denen wir nicht kommen“, sagt Daniel Walde. Unkraut jäten, Grünflächen pflegen – Aufgaben, die in der ländlichen Gegend anfallen, zu denen die Gemeinde aber nicht verpflichtet ist. Die jungen Männer sind dankbar und freuen sich darüber, dass sie helfen können. „Die Arbeit ist gut“, sagt der 21-jährige Jovica. In Serbien hatten er und der 23-jährige Danilo nichts zu tun. „Es gibt einfach nichts.“Die Familie hat selbst bei der Gemeinde angefragt, ob es möglich ist, mitzuarbeiten. „Und ob sie Deutsch lernen können“, sagt die Bannewitzer Ordnungsamtschefin Sylvia Stiller. Die Gemeinde fand die Idee gut. Andere Kommunen haben damit schon viele Erfahrungen gemacht, einige beschäftigen Asylbewerber in gemeinnützigen Einrichtungen. „Nur dasitzen und Langweile haben, macht Menschen unglücklich“, sagt Sylvia Stiller. „Die Menschen wollen Beschäftigung.“

Nach dem Gesetz dürfen Asylbewerber in den Einrichtungen, in denen sie leben oder bei staatlichen, kommunalen oder gemeinnützigen Trägern arbeiten, unter anderem bei Kirchen und Vereinen. Sie bekommen eine Aufwandsentschädigung von 1,05 Euro pro Stunde. Die Tätigkeit ersetzt aber kein reguläres Beschäftigungsverhältnis. „Wir stellen nicht drei Asylbewerber für einen regulären Mitarbeiter ein“, sagt Stiller und versucht Vorurteile zu entkräften. Asylbewerber dürfen in den ersten drei Monaten auch keine Erwerbstätigkeit ausüben. Der Bannewitzer Bauhofchef ist mit seinen neuen Mitarbeitern zufrieden. „Es läuft super“, sagt er. „Die beiden sind sehr arbeitsam und helfen, wo sie können.“ Nur die Verständigung ist manchmal schwierig. Weil die Serben gerade Deutsch lernen, nur wenig verstehen und kaum Englisch sprechen, müssen manchmal Hände und Füße herhalten.