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Sachsen

Wenn Corona Kinder von Eltern trennt

Nach den Ausgangsbeschränkungen halten manche Mütter oder Väter ihre Ex-Partner auf Distanz – nicht ganz zu Recht, sagt das Sozialministerium.

Corona wird zurzeit von manchen Elternteilen als Vorwand missbraucht, um ungewollte Begegnungen zu unterbinden.
Corona wird zurzeit von manchen Elternteilen als Vorwand missbraucht, um ungewollte Begegnungen zu unterbinden. © Symbolbild: Marcel Kusch/dpa

Von Sven Heitkamp

Leipzig.
Jörg Meyer* hat einen Jungen und ein Mädchen im Grundschulalter. Doch wegen der Trennung von der Mutter vor ein paar Jahren dürfen sie sich nur noch hin und wieder sehen, zurzeit alle zwei Wochen in der Beratungsstelle des Jugendamtes in Leipzig.

Die Einrichtung ist nun wegen Corona geschlossen, doch ein Umgangsbetreuer würde sich mit dem Vater und seinen Kindern auch an einem anderen Ort treffen, erzählt Meyers Anwalt Christian Avenarius. Doch die Mutter ist dagegen – und beruft sich ausgerechnet auf Corona. Die Ansteckungsgefahr sei ihr zu groß, argumentiert sie. Doch so einfach dürfe sie dem Vater und den Kindern die Umgangsrechte nicht beschneiden, sagt der erfahrene Familienrechtsanwalt.

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„Corona wird zurzeit von manchen Elternteilen als Vorwand missbraucht, um ungewollte Begegnungen zu unterbinden. Aber es ist kein stichhaltiges Argument“, sagt Avenarius. Der Umgang sei trotzdem möglich, solange niemand aus der Familie infiziert sei.

Videotelefonate als Alternative

Sein Mandant ist kein Einzelfall. „Auch andere Kollegen berichten, dass unter zerstrittenen Eltern zurzeit mit Verweis auf Corona Schwierigkeiten gemacht werden.“ Der Anwalt forderte seit Tagen das Sozialministerium dringend zu einer Klarstellung auf. Denn in der Corona-Allgemeinverfügung habe der Freistaat zwar die Wahrnehmung des Sorgerechts im privaten Bereich geregelt, nicht aber den Umgang bei minderjährigen Kindern.

Am Freitag stellte das Ministerium auf seiner Internetseite klar: „Der Umgang mit Kindern ist nach Maßgabe der familienrechtlichen Regelungen weiterhin gestattet.“ Allerdings seien Infektionsrisiken besonders für Hochrisikopersonen zu vermeiden. Auch solle jeder Umgangsberechtigte überlegen, ob Treffen mit Kindern nicht auf die Zeit nach der Corona-Krise verschoben und bis dahin mehr Telefon, E-Mail und Videotelefonate genutzt werden könnten.

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Landesweit gibt es abertausend Familien, in denen Umgangszeiten geregelt sind. Allein 2018 wurden laut Statistischem Landesamt mehr als 6.000 Ehen geschieden – dabei gab es 4.987 Scheidungskinder. Trennungen von Paaren ohne Trauschein sind da noch nicht berücksichtigt.

*Name geändert

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