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Wenn das Fernsehen zur Leidenschaft wird

Klaus König arbeitete 40 Jahre als Bildingenieur beim Fernsehen. In einem Vortrag im Gasthof Dreißig erzählte er davon.

Von Helene Krause

Etwas seltsam ging es in den 50er Jahren auf dem Sportplatz in Kroptewitz zu. Klaus König probte damals die Übertragung von Tönen von A nach B. Dazu hatte er Drähte von weggeworfenen Klingeltrafos von einem Tor zum anderen gespannt. An einem Drahtende hatte er ein Kohlekörnermikrofon angebracht und an dem anderen einen Kopfhörer. Was als Spiel begann, sollte für den ehemaligen Bildingenieur vom Deutschen Fernsehfunk und vom MDR zum Beruf werden. Im Gasthof Dreißig erzählte er davon.

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In seinem Vortrag erzählte er den Zuhörern und Zuschauern nicht nur von seiner Tätigkeit beim Deutschen Fernsehfunk in Berlin und später beim Mitteldeutschen Rundfunk in Dresden. Er gab auch Einblicke in die Arbeit der Fernsehleute. In Videofilmen zeigte er die Anfänge des Deutschen Fernsehfunks 1951 und seine Entwicklung bis zur Wende und den mühevollen Aufbau des Mitteldeutschen Rundfunks. Die Zuhörer und Zuschauer bekamen Einblicke in die Arbeit der Fernsehleute und welches Räderwerk hinter den Kulissen rotiert.

„Bis zum 31. Dezember 1991, 24 Uhr, sendete der Deutsche Fernsehfunk“, berichtete König. „Am 1. Januar 1992, Punkt 0.00 Uhr, ging das Programm auf den MDR über. Alles musste korrekt ablaufen.“ Doch weil eine Strippe falsch steckte, wurde für eine Sekunde der Ton vom Sender RBB übertragen. Der zuständige Techniker fand den Fehler sofort, sodass die Panne recht schnell behoben wurde.

Ein Schlüsselerlebnis für seine spätere Tätigkeit war für den heute 68-Jährigen ein Strandfest im Naturbad Roda, das er als Schüler mit seinen Eltern besuchte. Das Radio berichtete von dem Fest. Er begeisterte sich so sehr für die Arbeit der Radiotechniker, dass er von ihrem Übertragungswagen (Ü-Wagen) nicht mehr wegzubringen war. Seit dem Tag stand sein Berufswunsch fest. Er wollte Rundfunktechniker werden. Die Übertragung von A nach B wurde zu seiner Leidenschaft.

Nach dem Besuch der Erweiterten Oberschule in Döbeln lernte König den Beruf des Elektromechanikers. Schon in der Lehre bewarb er sich beim Radio „Sender Leipzig“ und beim „Deutschen Fernsehfunk“. Von beiden bekam er eine Zusage. Er entschied sich für das Fernsehen. Bis heute hat er das nicht bereut. Er wurde Wahlberliner, blieb seiner Heimat Sachsen aber immer treu. In Berlin hatte er nur eine kleine Nebenwohnung. Nebenbei studierte er Elektronik. Er wollte auf einen Übertragungswagen. Das schaffte er auch. Als die DDR-Regierung anlässlich der Weltfestspiele der Jugend 1973 in Berlin zwei Farbübertragungswagen aus der BRD kaufe, hatte Klaus König Glück. Er durfte als Nichtgenosse auf einem der neuen Ü-Wagen arbeiten. König übertrug fast alle Sendungen von „Alles singt“ mit Hans Georg Ponesky. Dreieinhalb Jahre gehörte „Ein Kessel Buntes“ zu seinen Stammsendungen. Auch Übertragungen vom Papstbesuch in Polen, von UEFA-Fußballpokalspielen und Motorradrennen vom Sachsenring gehörten zu seinen Highlights.

Nach der Wende wurde der DFF abgewickelt. Klaus König bekam das Angebot, in Dresden eine technische Abteilung aufzubauen. Dort bereitete er mit seiner Arbeit den Sendestart des MDR vor. Auch einen gebrauchten Übertragungswagen, ein Geschenk des Bayrischen Rundfunks, hat er für den MDR von München nach Dresden überführt.