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Wenn das Harz nicht mehr fließt

Er ist der Schrecken aller Waldbesitzer – der Borkenkäfer. Wegen des heißen Sommers haben sich die rund fünf Millimeter großen Insekten in Sachsen stark vermehrt. Allerdings gibt es regionale Unterschiede.

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Von Gunter Niehus &Iris Schmidt

Er ist der Schrecken aller Waldbesitzer – der Borkenkäfer. Wegen des heißen Sommers haben sich die rund fünf Millimeter großen Insekten in Sachsen stark vermehrt. Allerdings gibt es regionale Unterschiede. Nicht alle Kreise im Elbland sind von dem gefräßigen Krabbler gleichermaßen betroffen.

Forstamt Dresden

„Uns hat es in diesem Jahr schlimm erwischt“, sagt Heiko Müller, Leiter des Forstamtes Dresden, zu diesem Thema. „Wir verzeichnen auf Grund der warmen Witterung eine sprunghafte Zunahme beim Borkenkäfer.“ 2003 sei eine Generation mehr herangewachsen, als normal. Das klingt noch nicht spektakulär. Da ein Käferweibchen aber bis zu 60 Nachkommen in die Welt setzen kann, steigt die Population dadurch rapide an. „Die Bäume sind im Stress“, weiß Müller. Normalerweise können die Bäume sich gegen die Schädlinge mit einer Ladung Harz zur Wehr setzen und die Fresswerkzeuge verkleben. Doch der akute Wassermangel verhindere dies. Von den 8 000 Hektar Wald in seinem Bezirk sind zwar rund drei Hektar abgestorben. Dennoch sei die Gefahr nicht zu unterschätzen.

Die Revierförster kontrollieren in diesen Tagen besonders intensiv ihre Bestände, fällen kranke Bäume und schleppen sie aus dem Wald. Bleibt ein geschlagener Stamm im Wald liegen, wird sofort Rinde abgeschält, damit die Larven absterben. Auf den Einsatz von Chemie will der Amtsleiter nach Möglichkeit verzichten. An lebenden Bäumen verbiete sich das von vornherein. Auch bei totem Holz sei das nicht sinnvoll, denn es werden immer auch Nützlinge vernichtet.

Wie in vielen Wäldern Sachsens dominieren auch in denen des Forstamtes Dresden die Nadelbäume. 50 Prozent des Staatswaldes besteht aus Fichten. Auf dem zweiten Platz folgt die Kiefer. Dies ist beim Kampf gegen den Borkenkäfer ein enormes Handikap. Außerdem kann der Waldboden unter Laubbäumen mehr Wasser speichern, da die herabgefallenen Blätter wie ein Schwamm wirken. An den Nadeln perlt die Flüssigkeit dagegen ab und verdunstet. Ein Buchenwald kann 10 bis 15 Prozent mehr Wasser speichern, als ein Nadelwald. Mehr Wasser bedeutet für die Bäume mehr Widerstandskraft gegen den Schädling. Deshalb pflanzt man im Bereich des Forstamtes Dresden in den vergangenen zehn Jahren verstärkt Buche, Eiche und Linde an, damit in ferner Zukunft ein gesunder Mischwald entstehen kann. Doch bis es soweit ist, werden noch viele Jahre vergehen.

An die Faustregel: „Je kälter der Winter, desto schlechter für den Borkenkäfer“, glaubt Müller nicht. Kälte könne die Puppe des Käfers nämlich recht gut ertragen. Nicht so ein Pilz, der als Parasit Käfer und Larven schädigt; sagt der Forstamtsleiter. Damit dieser Verbündete gut gedeihen kann, muss die Temperatur zwischen den Frostperioden nach oben klettern.

Forstamt Laußnitz

„Der Borkenkäfer macht uns richtig Sorgen“, berichtet Jan Glock, Chef des Laußnitzer Forstamtes. Grund: Rund 200 bis 300 Festmeter Holz in seinem Amtsbereich sind betroffen. Insgesamt umfasst sein Amtsbezirk rund 5 500 Hektar, der reicht von Ottendorf-Okrilla bis an die brandenburgische Grenze, auch Königsbrück und Schwepnitz gehören dazu. Glock beobachtet mit seinen Mannen genau, was sich im Wald so tut, denn die richtige Katastrophe, die kann noch kommen. Nester des Käfers werden sofort entsorgt und Bäume schnell gefällt und gleich abtransportiert. Glock nennt ein Beispiel, erinnert sich noch voll Grausen an den Sturm im Oktober vergangenen Jahres. Der habe, so der Amtsleiter, Löcher in die Bestände gerissen. Als dann die Sonne die Schneisen erwischte, trocknete gerade hier alles aus. „Ein regelrechter Tummelplatz mit reichlich Nahrung für den Borkenkäfer“, so der Fachmann. Die Lage habe sich verschlimmert, fasst er zusammen. Allerdings gesteht er ein, dass andere Ämter viel mehr mit dem Schädling zu kämpfen hätten, als seins.

Forstamt Großenhain

Entwarnung auch für den Landkreis Riesa-Großenhain. „Bei uns gibt es keine besondere Zunahme des Borkenkäfers“, vermeldet Andreas Riedel, Büroleiter im Forstamt Großenhain. Damit das so bleibt, kontrollieren die Revierförster regelmäßig den Baumbestand. Sie achten auf kranke Bäume, auf verräterische Fressspuren und nehmen im Zweifel Rindenproben. „In den staatlichen Wäldern klappt die Überwachung ganz gut“, berichtet Andrea Ende, Sprecherin des Landesforstpräsidiums in Graupa. „Private Waldbesitzer haben da manchmal mehr Schwierigkeiten. Um den Wald im Kampf gegen den Borkenkäfer zu kräftigen, werden auch in Riesa-Großenhain mehr und mehr Laubbäume gepflanzt. Ein gesunder Mischwald ist auch hier das ehrgeizige Ziel.