SZ +
Merken

Wenn das Herz an einer alten Karre hängt

Die Käferbande ist glücklich. Zum Treffen am Wochenende erzielte sie mit 265 Teilnehmern einen neuen Rekord.

Teilen
Folgen

Von Heike Stumpf

Auf Döbelns Straßen war es am Wochenende etwas lauter als sonst und auch bunter. Viele knatternde VW Käfer und Bullis sind unterwegs gewesen, teilweise in knalligen Farben, die für gewöhnlich nicht so häufig zu sehen sind. Das Käfertreffen lockte Hunderte Käferfahrer nach Döbeln – sehr zur Freude der gastgebenden Käferbande. Deren Chef Alexander Titz war oft atemlos, weil immer wieder nach ihm verlangt wurde, und trotzdem rundum glücklich. Schon am frühen Sonnabendnachmittag war abzusehen, dass noch nie so viele Fahrzeug wie in diesem Jahr nach Döbeln rollten. Der bisherige Rekord hatte bei 232 gelegen.

Während sich die Fans der kleinen knuffigen Käfer-Fahrzeuge und der etwas geräumigeren T2 und T3-Kleinbus-Modelle von nichts abschrecken ließen, hielt die Hitze offenbar so manchen Zuschauer ab. Die schattigen Plätze unter den Bäumen in den Klostergärten waren begehrt, am Eisstand standen die Kunden Schlange.

Doch auch anderweitig war für Abkühlung gesorgt. Wem es zu staubig wurde, konnte duschen. Außerdem standen vielerorts kleine Badebassins, die gefüllt worden waren, um den Gästen Erfrischung zu bringen.

Außer der Sonne tat natürlich die Technik einiges, um die Fans alter Fahrzeuge ins Schwitzen zu bringen. Dirk Knepper und Carsten Dettmer hatten eine Ausstellung organisiert, in der 17 Sondermodelle zu sehen waren, wie sie jeder Fahrzeughersteller ab und an auf den Markt bringt. Eine Besonderheit war das Modell Jeans, bei dem die Sitze mit Jeansstoff bezogen sind sowie das Modell Harlekin. „Das gibt es weltweit nur noch 141-mal, fünfmal in Deutschland“, sagte Dirk Knepper. Der Harlekin, der in Döbeln zu sehen war, steht sonst in Belgien in einer Garage. Mit 1800 Kilometer Anreise war dieser Käferfan auch derjenige, der den weitesten Weg hatte.

Gleich um die Ecke in Ostrau wohnt Tommy Sklaretzky. Der 39-Jährige hatte seinen T2 im Schatten geparkt, das Vordach aufgestellt, die Scheiben mit Thermoschutz „tapeziert“. Im Auto sollte es nicht ganz so warm werden, weil dort die anderthalbjährigen Zwillinge nachts schlafen. Das schicke Rot ist noch nicht lange die Zierde von Sklaretzkys Bulli. Als er den vor zehn Jahren im Schwarzwald abholte, stand der im Wald, hatte keine Scheiben mehr, war mattschwarz gerollt und sah auch sonst ziemlich düster aus.

„Nach und nach haben wir den wieder aufgebaut“, erzählte der 39-Jährige, der als Bauleiter bei einer Estrichfirma arbeitet. Unterstützung bekam er da von den Mitstreitern der Döbelner Käferbande, zu der er gehört. Nur das Lackieren hätten sie dann Fachleuten überlassen. Das Restaurieren hat fünf Jahre in Anspruch genommen. Genauso lange kann der Ostrauer das Fahrzeug jetzt genießen. Zu Pfingsten war die Familie erstmals ein paar Tage mit den Zwillingen im Bulli unterwegs, im Sommer soll ein Urlaub in Italien folgen. Dorthin geht’s mit T2 und Wohnwagen.

Seit er 18 Jahre alt ist, ist Tommy Sklaretzky bekennender VW-Fan. Zunächst hatten es ihn die Käfer angetan. Auf den größeren T2 ist er umgeschwenkt, weil darin Platz zum Schlafen ist. „Ich hatte einfach keine Lust mehr darauf, noch ein Zelt aufbauen“, erzählte der Ostrauer. Der Wechsel vom Käfer zum Bus hatte also eher praktische Gründe.

Mit dem Käfer an sich war es eher Liebe auf den ersten Blick. „Als mein Kumpel sich so ein altes Teil angeschafft hatte, habe ich ihn belächelt. Doch nach der ersten Runde bin ich zu meiner Mutter gegangen. Wir haben unser damaliges Auto mit Verlust verkauft und uns einen Käfer zugelegt.“ Da sei einfach so ein Herzgefühl, beschrieb es Sklaretzkys Nachbarin, deren Mann Fan dieser Fahrzeuge ist.

Dass auch der Ostrauer inzwischen wegen seiner alten Karre belächelt werden könnte, stört ihn nicht. Er zeigt das Auto gern. „Der Unterschied zu Treffen in Hannover oder Chemnitz ist, dass unseres Ostdeutschlands größtes ist und mehr Volksfestcharakter hat als anderswo“, so der 39-Jährige. Mit einem Korso durch Döbeln ist das Rekordtreffen der Käferband gestern zu Ende gegangen.