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Wenn das Wolfophon klingelt

Die SZ sprach mit Wildtiermedizinern des Leibnitz-Instituts Berlin über die enthaupteten Wölfe.

Von Birgit Ulbricht

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Kurz vor Jahresende fand ein Jagdpächter bei Hirschfeld einen toten Wolf. Schlimm genug, doch das Tier wurde auch geköpft. Und das war nicht der erste Fall. Schon einige Wochen zuvor passierte das Gleiche. Während der kurz vor Silvester getötete Wolf offenbar durch den Schradenwald in Brandenburg streifte, soll das erste enthauptete Tier aus Sachsen stammen. Ermittler des Landeskriminalamtes Brandenburg untersuchten jetzt noch einmal den Fundort. Im Gepäck: Befunde des Leibnitz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung Berlin. Denn jeder tote Wolf wird hier seziert. Die SZ sprach mit dem Wildtier-Radiologen Guido Fritsch und der Pathologin Claudia Szentiks über die jüngsten Fälle.

Guido Fritsch ist Radiologe im Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin.Foto: IZW
Ermittler des LKA Brandenburg inspizieren den Fundort des geköpften Wolfes. Die Polizei ist wahrscheinlich auf der Jagd nach Trophäenjägern.Foto: Veit Rösler

Herr Fritsch, ist einem toten Wolf der Kopf abgeschnitten worden, oder wurde der Wolf wegen der Trophäe getötet?

Das Tier wurde wirklich illegal geschossen. Wir haben Munitionsreste identifiziert, so viel kann ich sagen. Also hier ist nicht ein zufällig verstorbener Wolf gefunden worden.

Die Polizei hat laut ihrer Pressemitteilung gesagt, das Tier sei mit einer Pistole erlegt worden.

Dazu kann ich mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nichts weiter sagen, auch nicht, wie der Kopf abgetrennt wurde. Das sind Details der Spurensicherung.

Wie wurden Sie über den neuen Vorfall informiert?

Wir werden, sobald ein Wolf tot aufgefunden wird, über unser Wolfophon, wie wir es nennen, informiert. Das ist unser Bereitschaftstelefon, auf dem die Wolfsbeauftragten der Länder anrufen. Wir sind natürlich daran interessiert, die Tiere so frisch wie möglich zu obduzieren.

Was ist die häufigste Todesursache der Wölfe in Deutschland?

Verkehrsunfälle, sowohl mit Autos wie auch Lkw als auch mit der Bahn, machen mit 69 Prozent den Hauptanteil aller Todesfälle aus. Wir sind nun mal eines der am dichtesten besiedelten Wolfsgebiete in Europa. Auf Platz zwei kommen die illegalen Tötungen. Wir hatten jetzt einen absichtlich überfahrenen Wolf. Anhand der Spurenlage ließ sich gut zeigen, dass das Tier auf einem Wirtschaftsweg, der rechts und links von Wildzäunen begrenzt war, mit dem Auto gehetzt und schließlich überfahren wurde. Man mag es kaum glauben, aber Menschen tun so etwas.

Frau Szentiks, welche Rolle spielen Krankheiten?

Alle toten Wölfe, bisher 83 Tiere, werden am Institut auf Krankheiten und Infektionen untersucht. Das beinhaltet virologische Erreger wie das Virus der Tollwut, das Virus der Aujeszky'schen Krankheit, das Staupevirus, das Parvovirose Virus und das Virus der infektiösen Leberentzündung der Hundeartigen. Auch nach bakteriellen Erregern wird gesucht. So prüfen Kooperationspartner auf Erreger der Brucellose. Weiterhin werden die Parasiten auf und in den Wolfskörpern gesichert und identifiziert. Zusätzlich wird mit molekularen Methoden der Wolfsdarm auf das Vorhandensein des Fuchsbandwurms getestet. Der überwiegende Teil der Wölfe wird ohne Erkrankung – durch Menschen – aus dem Leben gerissen. Auf den Menschen übertragbare Erkrankungen wie die Tollwut wurden bei den bisher in Deutschland tot gefundenen Wölfen nicht nachgewiesen.

Herr Fritsch, welchen Part übernehmen Sie als Radiologe?

Das Institut verfügt über den weltweit leistungsstärksten und modernsten Computertomografen (CT), der in der Veterinärmedizin eingesetzt wird. Insbesondere im Falle forensischer Ermittlungen wie bei den illegal getöteten Wölfen ermöglicht unser Hochleistungs-Computertomograf die Darstellung nicht nur der Geschosspartikel, sondern auch der des Wundverlaufes im Tier. Die Staatsanwaltschaften können Drei-D-Modelle für ihre Ermittlungen nutzen, die anhand der im CT erhobenen Daten angefertigt werden. Wir untersuchen damit aber nicht nur tote Wölfe, sondern auch andere Zoo- und Wildtiere. Der Patienten-Schwerlasttisch unseres CT ermöglicht es uns, Tiere mit einem Körpergewicht von bis zu 300 Kilogramm zu untersuchen. Ein besonderes Highlight sind die Untersuchungen an lebenden Tieren. So können wir beispielsweise ein zwei  Meter langes Krokodil innerhalb von 15 Sekunden scannen. Die Schnelligkeit der Untersuchung ist ganz besonders wichtig bei narkotisierten Tieren. Wir haben mit diesem einzigartigen Computertomografen die Möglichkeit, schlagende Herzen in Bewegung zu scannen und die Bewegung nachfolgend darzustellen.

Was für Patienten hatte Sie denn da schon in Ihrem Institut?

Kürzlich untersuchten wir den Babyelefanten aus dem Allwetterzoo Münster, aber auch Eisbären wie Nancy und Knut aus dem zoologischen Garten Berlin und der Schnabeligel Tiffy aus dem Darwineum des Zoos Rostock waren hier. Sicherlich ist es traurig, wenn so berühmte und seltene Zootiere sterben. Jedoch bringen die Ergebnisse aus der Zusammenarbeit zwischen Computertomografie und Pathologie, wie sie am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung erfolgt, einen erheblichen Erkenntnisgewinn. Dies hilft nicht nur den Tierärzten und Biologen, sondern auch den Zoo- und Wildtieren selbst.

Das Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung ging aus der zoologischen Forschungsstelle hervor, die Tierparkdirektor Prof. Dr. Dr. Heinrich Dathe 1958 auf dem

Gelände des Berliner Tierparks gründete.

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