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Leere Schubladen in den Apotheken

Immer öfter haben Apotheker wie Frank Stiewert aus Zittau nicht die vom Arzt verschriebenen Medikamente vorrätig. So gehen sie und ihre Kunden damit um.

Frank Stiewert leitet seit 15 Jahren die Rats-Apotheke an der Schliebenstraße.
Frank Stiewert leitet seit 15 Jahren die Rats-Apotheke an der Schliebenstraße. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Normalerweise sollten die Schubladen in den großen Vorratsschränken in der Zittauer Rats-Apotheke gut gefüllt sein und Frank Stiewert und seine Mitarbeiterinnen können ihren Kunden in kürzester Zeit die gewünschten Medikamente aushändigen. Das ist jedenfalls das Ziel des Apothekers, für den die Patienten immer im Mittelpunkt stehen.

Was jedoch gerade in Deutschland eine Selbstverständlichkeit sein sollte, ist immer öfter nur ein Wunschtraum des Apothekers. Denn immer öfter muss er seine Kunden vertrösten, weil ein oder mehrere Medikamente nicht vorrätig und auch nicht zeitnah lieferbar sind. Es gab schon Phasen, da betraf das allein in der Rats-Apotheke fast 200 verschiedene Medikamente, sagt der Inhaber.

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Das Schlimme für Frank Siewert – Er als Apotheker kann an dieser unschönen Situation so gut wie nichts ändern, denn er hat keinen Einfluss auf die Produktion der Medikamente. Ihm bleibt nur, immer wieder zu erklären, wie es dazu kommt.

Wirkstoffe in Asien produziert

Weil das Problem so oft auftritt, hat er dafür einen Flyer von der Noweda Apothekergenossenschaft parat. Eine Ursache für den Mangel sei, dass viele Wirkstoffe aus Kostengründen im Ausland, insbesondere in Asien, produziert werden, heißt es darin. Hinzu komme, dass ein Werk mehrere Pharmafirmen beliefert. Gibt es dort Probleme, habe das riesige Auswirkungen auf den weltweiten Markt und damit auf die Lieferfähigkeit der Medikamente.

Speziell in Deutschland seien Lieferengpässe auch auf eine bestimmte Praxis der Krankenkassen zurückzuführen, heißt es in dem Flyer weiter. Sie schließen sogenannte Rabattverträge mit den Firmen ab, oft sogar nur mit einem Hersteller. Ihm wird die Versorgung mit dem Medikament garantiert, wenn er es günstig abgibt. Unternehmen, die den Zuschlag nicht bekommen, steigen dann häufig aus der Produktion aus und nur noch wenige Hersteller bleiben übrig. Ist der Bedarf dann einmal höher als erwartet oder gibt es technische Probleme, ist die Versorgung gefährdet.

Selbstverständlich versucht Frank Stiewert zu helfen, soweit es ihm möglich ist. Viel ist es nicht. Manchmal gibt es das gleiche Medikament in einer anderen Packungsgröße. Doch dann muss der Patient möglicherweise für mehrere Packungen zuzahlen. Frank Stiewert und seine Mitarbeiterinnen können vereinzelt auch Medikamente im Ausland bestellen. Das kostet aber zusätzlich. Als Beispiel nennt er Augentropfen, die es in Deutschland für rund 20 Euro gibt. Im europäischen Ausland sind inklusive Versandkosten schon rund doppelt so viel fällig und oft sei unklar, wann es geliefert wird.

Ausweich-Medikament vermerken

Man könne auch nicht in jedem Fall einfach das gleiche Medikament mit einer anderen Wirkstärke nehmen. Dann nimmt man zum Beispiel statt einer Ibuprofentablette mit 800 Milligramm zwei zu je 400 Milligramm. Viele Arzneimittel jedoch geben ihre Wirkstoffe verzögert ab und dazu muss die Hülle intakt bleiben und man kann sie nicht einfach halbieren.

Am einfachsten ist es da noch, wenn der Arzt auf dem Rezept vermerkt hat, dass ein gleichwertiges Medikament eines anderen Herstellers ausgereicht werden darf. Dann kann Frank Stiewert auf dieses ausweichen. Ist auch das nicht verfügbar, wird es richtig aufwendig. Dann muss er Rücksprache mit dem Arzt halten, damit der eventuell etwas anderes verschreibt. Das kostet vor allem Zeit, denn nicht immer ist der Arzt sofort erreichbar und er muss ja auch erst ein neues Rezept ausstellen.

Das alles ist mehr als ärgerlich für den Apotheker, der die Rats-Apotheke vor 15 Jahren von seiner Mutter übernommen hat. Eigentlich würde er sich gern der Beratung seiner Kunden widmen, hat dafür aber immer weniger Zeit. Solche Engpässe habe es auch schon früher gegeben, erinnert er sich.

Da sei das aber eher zum Jahresende gewesen und für einen überschaubaren Zeitraum. Heute sei der Mangel das ganze Jahr über präsent. Und wenn dann mal Medikamente geliefert werden, wollen es alle haben. Selbst wenn man Glück hat und schnell genug war, bekomme man nicht immer die erhoffte Menge und Frank Stiewert kann seine Regale selbst dann nicht auffüllen.

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Er ist nur dankbar für die vielen Kunden, die dafür Verständnis aufbringen, obwohl sie ihre Medikamente manchmal wirklich dringend brauchen. Sein Rat an die Patienten ist, bei nötigen Neuverschreibungen nicht bis zur letzten Tablette zu warten, bis man ein neues Rezept holt. Das vergrößere etwas den Handlungsspielraum. Die Noweda Apothekergenossenschaft rät in ihrem Flyer zusätzlich, Lieferengpässe der Krankenkasse zu melden und örtliche Politiker über diese Missstände zu informieren.

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