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Döbeln

Wenn der Boden hart und die Zisterne leer ist

Der Wasserverbrauch ist bei den Gärtnern der Stadt und des Friedhofes enorm gestiegen. Das ist nicht das einzige Problem.

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit gießt der Verwalter des Niederfriedhofes Siegfried Roßberg drei- statt zweimal pro Woche die Pflanzen auf den Gräbern.
Aufgrund der anhaltenden Trockenheit gießt der Verwalter des Niederfriedhofes Siegfried Roßberg drei- statt zweimal pro Woche die Pflanzen auf den Gräbern. © Dietmar Thomas

Döbeln. Der Bagger habe es geschafft, das Grab auszuheben. Aber, es sei sehr aufwendig gewesen, sagt Siegfried Roßberg, Verwalter des Niederfriedhofes.

Erst vor Kurzem gab es dort eine Erdbestattung. Die Tiefe des Grabes beträgt 1,50 Meter. Bis dahin ist der Boden enorm hart und trocken. „Egal, ob Frost oder Hitze, das nimmt sich nichts“, vergleicht Roßberg die Bodenbeschaffenheit. Ist eine Erdbestattung geplant, können die Mitarbeiter des Friedhofes auch nicht auf anderes Wetter warten. Spätestens acht Werktage, nachdem der Mensch verstorben ist, muss die Beerdigung laut Gesetz erfolgen.

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Der kleine Bagger sei eine große Hilfe. Alle neuen Grabstellen werden auf dem Niederfriedhof so angelegt, dass sie mit dem Gerät erreichbar sind. „Bei Nachbelegungen müssen wir das Grab auch mal mit der Hand ausheben“, so der Friedhofsverwalter. Das dauert mit Verschalung in der Regel einen Tag, bei den derzeit heißen Temperaturen um einiges länger. „Wir haben auch schon einen Pavillon aufgestellt, um im Schatten arbeiten zu können, oder das Ausschachten auf zwei Vormittage verteilt“, so Roßberg. Selbst der Bagger braucht statt drei jetzt vier Stunden und muss die Erde teilweise zentimeterweise abschaben. „Ich möchte ihn nicht mehr missen“, sagt der Verwalter.

Die Zisterne des Friedhofes, die vier Kubikmeter Wasser fasst, ist leer. Ab jetzt müssen die Mitarbeiter den Wasserhahn aufdrehen, um die Pflanzen zu gießen. Das erfolgt derzeit drei statt zweimal pro Woche. Etwa drei Kubikmeter Wasser werden dabei jedes Mal verbraucht. „Selbst als es in der vergangenen Woche einmal geregnet hat, haben wir weitergegossen. Der Regen hat für die Gräber nicht gereicht“, so Roßberg.

Nicht nur die Mitarbeiter greifen jetzt öfter zur Gießkanne, auch die Angehörigen der Verstorbenen. Dadurch komme es schon mal zu Wartezeiten an den Gießkannenständern. Und das schon zu morgendlicher Stunde.

Extra Wasserschalen für Tiere wurden auf dem Niederfriedhof nicht aufgestellt. „Es gibt zwei Grüfte, deren Deckel Dellen haben. Darin baden die Amseln“, hat Roßberg beobachtet. Und rund um die Wasserstellen, an denen die Gießkannen gefüllt werden, tummeln sich unzählige Insekten.

Auch die Bienen einer benachbarten Imkerin fühlen sich auf dem Friedhof wohl. Deshalb hat sie angeboten, sich an der Finanzierung von Neuanpflanzungen zu beteiligen. So könnte im oberen Parkbereich des Friedhofes eine Art Bienenweide entstehen.

Gießen, gießen, gießen

So wie die Mitarbeiter des Friedhofes verbrauchen auch die Döbelner Stadtgärtner zurzeit enorm viel Wasser. Normalerweise wässern sie die Pflanzen im Stadtgebiet im Sommer aller zwei bis drei Tage und kommen dabei mit jeweils rund drei Kubikmetern Wasser aus. „Jetzt sind sie jeden Tag mit zwei Fahrzeugen und etwa fünf Kubikmetern unterwegs“, sagt Jürgen Aurich vom Baubetriebsamt.

Die Gärtner kümmern sich derzeit ausschließlich um das Gießen und achten dabei besonders auf junge Pflanzen, wie die erst drei Jahre alten Bäumchen auf dem hinteren Obermarkt. Aber auch die Alleen wie an der Friedrichstraße und in Pommlitz werden nicht vergessen.

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