merken
PLUS Pirna

Wenn der Borkenkäfer für Kahlschlag sorgt

Ein Waldbesitzer musste fast alle seine Fichten fällen lassen. Daran sei auch der Nationalpark schuld, sagt er.

Siegfried Leuner vor den Resten seines Waldes: Fast dreieinhalb Hektar Fichten musste er wegen des Borkenkäfers fällen lassen.
Siegfried Leuner vor den Resten seines Waldes: Fast dreieinhalb Hektar Fichten musste er wegen des Borkenkäfers fällen lassen. © Dirk Zschiedrich

Der Nationalpark tue alles, um den Borkenkäferbefall einzudämmen. So hatte es Nationalpark-Sprecher Hanspeter Mayr auf einer Exkursion diesen Sommer sinngemäß erklärt. Die 500 Meter Abstand zu angrenzenden Privatwäldern werden eingehalten, um diese zu schützen. In diesem Radius wird der Käfer bekämpft. 500 Meter – das ist die Distanz, welche die Käfer fliegen, wenn sie von einem befallenen Baum ausschwärmen, um neue Nahrung zu suchen.

Diese Aussage konnte und wollte Siegfried Leuner so nicht stehen lassen. Der Ostrauer besitzt ein Stück Wald am Hang zwischen der Hohen Liebe und dem Kirnitzschtal. 3,6 Hektar, auf denen mittlerweile nicht mehr viel steht, außer ein paar Stümpfen. Die Fichten, die bis vor wenigen Wochen hier am Steinbruchweg wuchsen, musste Siegfried Leuner fast komplett fällen lassen. Der Borkenkäfer hatte sich hier eingenistet.

Anzeige
Kirnitzschtal statt Grand Canyon
Kirnitzschtal statt Grand Canyon

Jeden Ferienmittwoch sind Sie mit der Tageskarte für eine Tarifzone im ganzen VVO-Netz unterwegs.

Die Ursache liegt für den Waldbesitzer nur wenige Meter weiter. Direkt an seinen Wald grenzt ein Ruhebereich des Nationalparks, eine Fläche also, in die nicht mehr von Menschenhand eingegriffen wird. „Dort war der Käfer schon letztes Jahr drin“, sagt Leuner. Es sei nichts unternommen worden. In diesem Sommer nun, war auch sein direkt angrenzender Privatwald betroffen. Der zuständige Revierförster hat ihn darüber informiert.

Der Nationalpark bestätigt, dass der Borkenkäfer in dem direkt angrenzenden Ruhebereich nicht bekämpft wurde und somit auch die 500 Meter Abstand nicht eingehalten wurden. Unterschiedliche Auffassungen gibt es jedoch zum Zeitpunkt des Befalls: „Der Befall erfolgte gleichzeitig“, sagt Nationalpark-Sprecher Hanspeter Mayr. „Eine Bekämpfung im Landeswald hätte den Borkenkäferbefall im Privatwald nicht verhindert, da dieser bereits zum gleichen Zeitpunkt und mit dem gleichen Entwicklungsstadium des Borkenkäfers befallen war“, erklärt der Nationalparksprecher. Das Fällen der Borkenkäferfichten im Landeswald hätte zudem die dort gewachsenen jungen Buchen im Steilhang zur Kirnitzsch massiv geschädigt. „Damit hätten wir unsere Waldpflegearbeit von 20 Jahren zerstört“, sagt Mayr. Die Entscheidung sei bis zur Leitungsebene der Nationalparkverwaltung diskutiert und letztlich dort bestätigt worden. Der Nationalpark habe es als wichtiger eingeschätzt, den privaten Waldbesitzer bei der Aufarbeitung des Holzes zu unterstützen und ihm ein zurzeit kaum zu bekommendes Forstunternehmen vermittelt.

Weiterführende Artikel

Wie Dresden den Borkenkäfer stoppen will

Wie Dresden den Borkenkäfer stoppen will

Diesen Sommer hat der Schädling tausende Fichten befallen. Den Wald wird das radikal verändern.

Brennholz zum Schnäppchenpreis

Brennholz zum Schnäppchenpreis

Stürme, Borkenkäfer, Hitzesommer: Das Schadholz muss aus dem Landeswald. Auch das Fischbacher Revier ist betroffen.

„2019 war das schlimmste Borkenkäferjahr“

„2019 war das schlimmste Borkenkäferjahr“

Forstfrau Kristina Funke sagt, warum der Wald zwischen Tharandt und Osterzgebirgskamm leidet und was ihm guttut.

Für Siegfried Leuner ist das Problem allerdings ein generelles: Der Borkenkäfer hätte im Nationalpark schon früher konsequenter bekämpft werden müssen. „Es kann nicht gutgehen, wenn man auf hunderten Hektar nicht mehr eingreift“, sagt der promovierte Diplomlandwirt.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/ort/pirna und www.sächsische.de/ort/sebnitz vorbei.

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.

Mehr zum Thema Pirna