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Wenn der Diesel einfriert

Bei vielen Fahrzeugen flockte gestern der Diesel aus. Selbst Tankstellen waren betroffen.

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Von Klaus-Dieter Brühl, Peter Redlich und Birgit Ulbricht

Nach wie vor hat uns die sibirische Kälte fest im Griff. Nachttemperaturen um minus 20 Grad sind keine Seltenheit und bereiten vielen Autofahrern Probleme, besonders wenn sie ihren Kraftwagen im Freien parken müssen. Davon können zurzeit die Autohäuser und Werkstätten ein Lied singen.

„Vier Autos hab ich heut schon abgeschleppt – das Telefon klingelt ständig“, sagte gestern Tino Schietzel, der in Priestewitz eine freie Werkstatt betreibt. Häufigste Ausfallursache bei Kälte sind laut ADAC schwache Batterien. Die schaffen es vielleicht gerade noch, das Auto zu starten, doch wenn dann Scheinwerfer, Gebläse, Heckscheiben- und Sitzheizung ihren energetischen Tribut fordern, bleibt für den Akku kaum noch etwas zum Wiederaufladen übrig – bis er seinen Geist aufgibt. Während solche Probleme noch mit dem Servicefahrzeug und Hilfsakku lösbar sind, muss bei vielen Dieselfahrzeugen gleich der Abschleppwagen kommen.

Auch Tankstellen betroffen

Der Grund: Ausflockender Dieselkraftstoff. Der bildet bei sehr niedrigen Temperaturen Paraffinkristalle, die dann den Kraftstofffilter verstopfen. Ein Fall, der nur in der Werkstatt durch Auftauen und Auswechseln des Filters behoben werden kann. Zwar schreibt der Gesetzgeber für die Tankstellen in der kalten Jahreszeit den Verkauf von Winterdiesel vor, der bis minus 20Grad filtrierbar sein muss, aber diese Kältegrade wurden eben in den vergangenen Nächten vielfach unterboten. In Österreich und den skandinavischen Ländern ist dagegen für Diesel eine Untergrenze von minus 25 Grad vorgeschrieben. Übrigens waren auch Tankstellen selbst von dem Problem betroffen, denn die Dieselzapfsäulen haben ebenfalls Pumpen und Filter, die verstopfen können.

Während die Technik vielfach streikte, gab es kaum wintertypische Unfälle. Polizei und Feuerwehr meldeten gestern nahezu Winterruhe. Hektik herrschte dagegen bei den Heizungsbauern. Für die Firma Griesche waren gestern zehn Kundenbetreuer unterwegs, die sich nur um defekte Heizungen, geplatzte oder eingefrorene Wasserrohre kümmerten. Mancher kommt nicht auf die Idee, dass die Toilette auch ein paar Plusgrade braucht. Eisklumpen in der Spülung sind das Ergebnis. Typisch seien eingefrorene Wasserleitungen neben offenen Kellerfenstern. Wenn die volllaufen und dann das Eis drückt, sei der Wasserrohrbruch fast vorprogrammiert. Wie schon am Wochenende hatten gestern auch Andreas Stützner und seine Mitarbeiter in Radeburg und Umgebung alle Hände voll zu tun. Hilferufe kämen immer wieder wegen eingefrorener Leitungen. „Vor allem in älteren Häusern dringt der Frost jetzt durch die Wände. Manchmal sind die Leute aber auch leichtsinnig und lassen Fenster offen stehen.“ Der Fachmann rät daher nicht nur, Fenster und Türen geschlossen zu halten, sondern auch dafür zu sorgen, dass die Kälte nicht durch Ritzen ziehen kann. „Eine Styroporplatte vor dem Fenster kann da schon viel helfen.“ Oder eine zusätzliche Isolation für die Rohre.“

Denn die Leitung mit Heißluft wieder aufzutauen, kann manchmal auch einen ganzen Tag dauern. „Meist kommt es auch noch zu Schäden, die repariert werden müssen“, ergänzt Stützner. Bei Heizungsanlagen, die derzeit auf Dauerlast laufen, seien beispielsweise Ölpumpen anfällig.