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Wenn der Handyvertrag scheinbar ewig läuft

Die Fallstricke der deutschen Konsumgesellschaft lassen Ausländer häufig stolpern. Jetzt gibt es ein besonderes Angebot.

Von Peter Anderson
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Handyverträge locken oft mit günstigen Einstiegskonditionen. Der Teufel liegt im Detail. Damit ihn Ausländer besser erkennen können, bietet die Verbraucherzentrale Sachsen einen Dolmetscherdienst zu den Beratungen an.
Handyverträge locken oft mit günstigen Einstiegskonditionen. Der Teufel liegt im Detail. Damit ihn Ausländer besser erkennen können, bietet die Verbraucherzentrale Sachsen einen Dolmetscherdienst zu den Beratungen an. © Archiv/Christin Klose/dpa

Meißen. 24-monatige Vertragslaufzeiten? Nach einem Jahr steigende Preise? Sich automatisch verlängerende Verträge? Was den meisten deutschen Mobilfunkkunden geläufig sein dürfte, kann aus dem Ausland kommende Konsumenten schnell kalt erwischen.

„In anderen Ländern ist es offenbar so, dass Verträge von einem Tag auf den anderen gekündigt werden können“, sagt Jan Müller. Der junge Mann ist Mitarbeiter eines speziellen Projektes der Verbraucherzentrale Sachsen. Dieses richtet sich unter der Überschrift „Wir sind für alle da!“ an Migranten und Geflüchtete sowie deren haupt- und ehrenamtliche Helfer.

Vor allem die Hinzugezogenen aus entfernteren Kulturkreisen hätten oft große Mühe, die den meisten Deutschen bekannten Regeln zu verstehen. Erschwerend kommt die Sprachbarriere hinzu. Um diese leichter zu überwinden, haben Müller und seine Kollegen jetzt einen besonderen Service organisiert.

Per Telefon kann zu den zumeist kostenpflichtigen Beratungen der Verbraucherschützer ein Dolmetscher kostenfrei hinzugeschaltet werden. Auf diese Weise lassen sich Verständnisprobleme vermeiden und Nachfragen zu Details einfacher stellen. „Wir haben damit bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Qualität stimmt“, sagt Jan Müller.

Generell verfügbar sind seinen Angaben zufolge die beiden am weitesten verbreiteten Sprachen, nämlich Englisch und Arabisch. Dazu kommen Persisch für Iraker und Afghanen, Urdu für Pakistaner, Russisch, Tigrinisch für Eritreer, Spanisch sowie Somali. Um letztere sechs Sprachen zu übersetzen, muss das Anliegen etwas zeitiger angemeldet werden.

Aus dem Landratsamt ist die Kreisausländerbeauftragte Franziska Pohl an diesem Vormittag in die Meißner Verbraucherzentrale gekommen und freut sich über das neue Angebot. Mithilfe sogenannter Wohnschulen bereiten sie und ihre Mitstreiter ausländische Mitbürger auf das Leben in eigenen vier Wänden im Kreis vor. 

Dort wird zum Beispiel vermittelt und ganz praktisch geübt, wie das Trennen des Mülls funktioniert. Ohne diese Hinweise könne es schnell zu Konflikten mit Nachbarn oder dem Vermieter kommen. Unwissen werde schnell als Unwillen ausgelegt, berichtet eine Integrationskoordinatorin. Sie könnte sich vorstellen, die Verbraucherhinweise in Muttersprache in die regulären Programme der Ausländerbehörde einzubauen.

Wie nötig diese Informationen sind, bestätigt Energieberaterin Angelika Baumgardt von der Verbraucherzentrale. Sie ist derzeit sehr häufig in Leipzig unterwegs, wo der Verein Mosaik Vor-Ort-Besuche bei ausländischen Mitbürgern organisiert. 

„Oft sind im ersten Jahr hohe Wasserkosten und Betriebskosten ein Problem, weil zum Beispiel falsch gelüftet wird“, sagt Angelika Baumgardt. Daraus würden jedoch häufig die falschen Schlüsse gezogen. Es werde kaum noch gelüftet, wodurch sich Schimmel bilde. 

Auch sie zeigt großes Interesse daran, einen Weg zu finden, Verbrauchertipps in der jeweiligen Muttersprache des Kunden weitergeben zu können.

Die Zweigstelle der Verbraucherzentrale hat in Meißen auf der Gerbergasse 5 montags und mittwochs von 10 Uhr bis 12 Uhr und 13 Uhr bis 18 Uhr geöffnet, sowie donnerstags von 10 Uhr bis 13 Uhr. Eine Anmeldung ist nötig.

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