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Wenn der Jugendclub dichtmacht

Jugendclubs waren schon mal gefragter. Ihnen fehlt der Nachwuchs. Doch der hat viele andere Interessen.

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Von Tobias Hempel

Vor Kurzem wollte ich mich mit ein paar Freunden im Jugendclub in Oelsa treffen. Wir wollten einfach nur mal reden und chillen. Der Jugendclub schien uns dafür ein guter Ort zu sein. Wir waren zu fünft und da wird es zu Hause etwas eng. Doch als ich dann um 16 Uhr als Erster am Jugendclub im Hause des Gastes ankam, war die Tür zu. Das hat mich schon gewundert, denn eigentlich sollte ein Jugendclub auch nachmittags geöffnet haben, damit sich Jugendliche dort treffen können.

Am Abend habe ich mal meine Eltern gefragt, ob die was davon gehört haben, warum der Jugendclub am Nachmittag geschlossen ist. Sie haben mir gesagt, dass zum Club kaum noch Jugendliche gehören. Die meisten Mitglieder des Vereins sind bereits Erwachsene. Deshalb ist der Club nicht mehr regelmäßig geöffnet. Doch wo sollen wir Jugendlichen uns treffen? Zu Hause fällt definitiv flach und Bushaltestelle ist eher blöd und auch keine Lösung. Ich wollte wissen, was unser Bürgermeister, Thomas Paul, dazu sagt. Er gehört selber noch zum Jugendclub-Verein.

Wie er erklärte, hatte der Club anfangs über 20 Mitglieder und es rückten immer wieder Jüngere nach. Doch seit einigen Jahren fehlt der Nachwuchs. Die jüngsten Mitglieder sind bereits über 20 Jahre alt, einige haben sogar schon Kinder. Wegen der Überalterung wurde der Club auch in Jugend- und Freizeit-Verein umbenannt. So können sich diese Mitglieder noch mit dem Verein identifizieren, auch wenn sie keine ausgesprochenen Jugendlichen mehr sind.

Damit diejenigen, die noch Jugendliche sind, nicht auf der Straße stehen müssen und der Jugendclub neue Mitglieder gewinnt, schlägt der Bürgermeister ein Treffen mit den interessierten Jugendlichen, dem Vorsitzenden des Jugendclubs, dem Ortschaftsrat und ihm selbst vor. Bei diesem Treffen soll es darum gehen, was der Jugendclub macht und wie die Räumlichkeiten auch von den Jugendlichen genutzt werden können. Thomas Paul erklärte aber auch, dass dazu auch Vertrauen aufgebaut werden muss, damit wir Jugendlichen uns auch mal ohne Aufsicht treffen können. Natürlich können wir auch nicht einfach nur den Raum nutzen, ohne etwas für den Verein zu tun, sondern wir müssen uns auch engagieren. So organisiert der Jugendclub das jährliche Dorffest, und da diese Tradition noch viele Jahre weiterleben soll, müssen wir künftig dabei mithelfen

Mich interessierte, ob Oelsa ein Einzelfall ist oder ob auch andere Jugendclubs in der Umgebung Nachwuchssorgen plagen. Betreut werden viele vom Verein Pro Jugend. Die Vereinsmitarbeiter Michael Janowitz und Ronny Wenzel kümmern sich um 21 Jugendclubs im Raum Dippoldiswalde und Klingenberg.

Die beiden haben mir erklärt, dass alle Jugendclubs in der Region Nachwuchsprobleme haben. Ursachen dafür sind unter anderem der hohe Leistungsdruck in der Schule, der wenig Freizeit lässt, die modernen Medien, die neue soziale Kontakte ermöglichen und die Abwanderung dorthin, wo es gute Jobs gibt. Pro Jugend versucht, die Jugendclubs bei der Nachwuchsarbeit zu unterstützen und bietet dazu auch Workshops an. Der Verein hilft auch vor Ort und betreut die Mitglieder bei der Jugendarbeit.

Der Vorschlag unseres Bürgermeisters und die Unterstützung durch Pro Jugend könnte ein wichtiger Schritt dahin sein, den Oelsaer Jugendclub mit neuen Leuten aufzufrischen und so auch die Tradition des Dorffestes zu bewahren.