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Wenn der Krankentransport nicht fährt

An einem Sonntag soll eine Radebeuler Seniorin in der Klinik in Dresden eintreffen. Doch wie soll sie hinkommen?

© Norbert Millauer

Von Dominique Bielmeier

Radebeul. Seit Dezember sitzt Christa Stephan wegen ihrer Hüfte im Rollstuhl. Zweimal wurde die 82-jährige Radebeulerin Ende vergangenen Jahres operiert, doch die zweite OP wäre um ein Haar ins Wasser gefallen – weil die Seniorin an einem Sonntag keinen Krankentransport in die Dresdner Universitätsklinik bekam, auf den sie angewiesen ist. Trotz festem Termin und vom Hausarzt ausgestelltem Transportschein.

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In einem offenen Brief an den Landrat Arndt Steinbach (CDU), welcher der SZ als Leserbrief zuging, schreibt ihr Mann Johannes Stephan: „Es stimmt also, was wir schon vor Wochen gerüchteweise gehört hatten: Der Kreis Meißen habe als einziger den Krankentransport an Sonntagen abbestellt; man brauche ihn nicht.“

Bei einem Treffen in der Radebeuler Wohnung des Ehepaares schildert der Rentner, woher er diese Information hat: Vor der ersten Operation am 15. November seien sie mit einem Rettungssanitäter ins Gespräch gekommen. „Als wir dem sagten, dass sie am Sonntag mit dem Krankentransport nach Dresden muss, sagte er, da werden Sie kein Glück haben, der Kreis Meißen hat den Krankentransport an Sonntagen abbestellt.“

Mit dem Krankenhaus verhandeln?

Das Paar meldete trotzdem wie üblich den Transport für den Sonntag an – und war überrascht, dass dieser am Telefon anstaltslos entgegengenommen wurde. „Da haben wir uns gesagt, der Mann hat entweder gesponnen oder übertrieben. Es klappt doch!“

Der bestellte Krankentransport kam auch tatsächlich und brachte Christa Stephan nach Dresden in die Klinik. „Aber die fragten uns auch, hat man Ihnen am Telefon denn nicht gesagt, dass wir sonntags nicht nach Radebeul fahren?“, so Johannes Stephan. Nein, entgegnete der Rentner. „Dann liegt es vielleicht daran, dass wir eh auf der Rückfahrt nach Dresden sind“, zitiert Johannes Stephan weiter. Wahrscheinlich habe es deswegen geklappt.

Bei ihrer nächsten OP, für die sie am 13. Dezember im Krankenhaus eintreffen sollte, hatte Christa Stephan weniger Glück. „Nun kam das strikte Nein“, so ihr Mann. Auf die Frage, was das Ehepaar nun machen solle, erhielt er den Ratschlag, mit dem Krankenhaus wegen eines anderen Termins zu verhandeln. „Aber stellen Sie sich mal vor, ein No-Name, wie man auf Neudeutsch sagt, soll mit der Bettenplanung der Universitätsklinik verhandeln“, sagt Johannes Stephan kopfschüttelnd.

Schließlich war es ein Enkel, der Christa Stephan mit ihrem Rollstuhl nach Dresden brachte, mithilfe eines Transporters, den er sich dafür extra geliehen hat. „Damals konnte ich wenigstens noch einen Schritt laufen und selbst ins Auto klettern“, sagt die Seniorin. „Das ginge jetzt gar nicht mehr.“ Bei der OP wurde die Hüftprothese entfernt. „Jetzt habe ich gar nichts mehr drin, weder rechts noch links.“

Sonntagstransporte nur in Dresden

Auf eine SZ-Anfrage an den Landkreis antwortet Frank Oßwald, Leiter des Amts für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen. Die Antwort überrascht: „Es wurden im Landkreis Meißen in den letzten 25 Jahren noch nie an Sonntagen Krankentransportwagen vorgehalten“, schreibt Oßwald.

Den niedergelassenen Ärzten und Kliniken im Kreis sowie der zuständigen Rettungsleitstelle Dresden sei das hinreichend bekannt. Montag bis Freitag halte der Landkreis temporär 11 Krankentransportwagen vor, sonnabends sind es zwei Fahrzeuge. Für Sonntage sei die Auslastung aber nicht gegeben.

Stattdessen sei für die Landkreise Meißen, Sächsische Schweiz und Dresden die Rettungsleitstelle in der Landeshauptstadt zuständig. „Hier sind alle Hilfeersuchen für Notfallrettung und Krankentransport zu stellen.“

Das deckt sich mit der Verwunderung von Johannes Stephan, dass sich die Vorwahl für den Krankentransport vor einer Weile von einer Meißner zu einer Dresdner Nummer geändert hat. Eine Anfrage bei der Leitstelle in Dresden ergibt: Wer sonntags in eine Klinik muss und auf einen Krankentransport angewiesen ist, hat tatsächlich keine Chance. Zumindest wenn er nicht in Dresden wohnt.

Laut Karsten Fink, dem Leiter der integrierten Regionalleitstelle in Dresden, ist ein Krankentransport für Sonntage nicht vorgesehen. In Riesa fährt der Krankentransport an Sonnabenden bis 15.30 Uhr, in Meißen bis zum Mittag. Nur die Dresdner profitieren von einem Transport, der das ganze Wochenende lang fährt.

Zufall hilft den Stephans

Dass es für das Ehepaar aus Radebeul einmal an einem Sonntag geklappt hat, erklärt Karsten Fink genauso, wie Johannes und Christa Stephan es schon geahnt hatten: Der Krankenwagen war wohl eh gerade in der Nähe unterwegs und wäre auf dem Rückweg nach Dresden leer gewesen.

Auch ein Ausweichen auf den Krankentransport, den das DRK im Kreis anbietet, bringe wenig, so Fink. „Auch diese Fahrten werden über die Leitstelle in Dresden delegiert, im Auftrag des Trägers des Rettungsdienstes, was der Landkreis ist.“

Dass die Kliniken Patienten öfter auch mal an Sonntagen einbestellen, kann der Leiter der Regionalleitstelle sich nur so erklären, dass diese auch nicht immer wissen, ob jemand einen Krankentransport braucht.

Für sich selbst hat Christa Stephan nun auf jeden Fall beschlossen: „Bei der nächsten OP werde ich sagen: Bestellen Sie mich bloß nicht sonntags rein!“