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Krisen-Einsatz als Feuerwehrfrau

Deutschlands zweitbeste Shorttrackerin Bianca Walter hat gerade viel mehr Zeit, als ihr lieb ist. Also nutzt sie die, um anderen zu helfen.

Auf Schnelligkeit kommt es bei Shorttrackerin Bianca Walter an – auf dem Eis, aber auch bei ihrem Hobby.
Auf Schnelligkeit kommt es bei Shorttrackerin Bianca Walter an – auf dem Eis, aber auch bei ihrem Hobby. © Matthias Rietschel

Dresden. Trainieren im Homeoffice. Im Grunde bleibt auch Bianca Walter, Deutschlands zweitbester Shorttrackerin, derzeit nicht viel anderes übrig. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte die Dresdnerin in der vorzeitig beendeten Saison nur selten zeigen, was sie wirklich draufhat.

Doch Walter macht das Beste aus der Situation. „Alleine zu trainieren, habe ich vor allem während meiner Ausbildung bei der Bundespolizei gelernt. Da war ich für mehrere Monate die einzige Shorttrackerin neben vielen anderen Spitzensportlern. Allein kann ich mich viel mehr auf mich und meine Schwächen konzentrieren“, sagt sie – und hofft, dass zumindest die Vorbereitung auf die nächste Saison wie geplant Anfang Mai beginnen kann.

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Langweilig wird Walter, die vor zwei Wochen ihren 30. Geburtstag feierte, aber keineswegs. Denn die Staffel-Europameisterin von 2010 verfolgt ein recht ausgefallenes Hobby. Seit knapp einem Jahr gehört sie zum Team der Freiwilligen Stadtteil-Feuerwehr in Dresden-Bühlau.

Die Neue fühlt sich sehr willkommen

21 solcher Feuerwehren gibt es in Dresden. Walters Freund Willy, ein hauptberuflicher Feuerwehrmann, hat diese Leidenschaft bei ihr entzündet. „Ich habe im Vorjahr den ersten Teil meiner Truppmann-Ausbildung absolviert“, sagt sie. Teil zwei soll in etwa zwei Jahren folgen, inklusive Motorkettensägenausbildung.

Trotz der noch unvollständigen Grundausbildung ist die Leistungssportlerin sehr willkommen im 44-köpfigen Freiwilligen-Team in Bühlau. „Ich bin ja eigentlich noch die Neue. Aber wir sind froh über jeden, der bei uns mithelfen will“, sagt Walter, nach ihrer Klubkollegin Anna Seidel die zweitbeste Shorttrackerin Deutschlands. 

Speziell in der individuellen Trainingsphase kommt der Eissportlerin jeder Feuerwehr-Einsatz gelegen, so skurril das klingen mag. „Auch wir sind ja eingeschränkt, regelmäßige Treffen oder Ausbildungsdienste, wie sonst üblich, gibt es nicht“, erzählt sie und stellt zunehmend fest, „dass mir die Decke auf den Kopf fällt“. Die sonst für jeden Freitag eingetaktete Fahrzeugübernahme, bei der alle technischen Details auf Einsatzfähigkeit nachgerüstet und überprüft werden, ist zum Beispiel bis auf Weiteres eingestellt.

Wenn der Pieper nachts klingelt

Ständig auf Abruf stehen die Feuerwehrleute dennoch, Tag und Nacht. „Wir werden über einen Pieper, den jeder mit sich trägt, über Einsätze informiert. Auch eine Handyalarmierung ist möglich“, sagt Walter, auch wenn sich die Sache bei ihr etwas anders verhält. „In erster Linie bin ich auch jetzt Leistungssportlerin. Oft trainiere ich, wenn Einsätze reinkommen. Das breche ich derzeit nie ab, Sport ist mein Beruf“, stellt die Shorttrackerin fest. Wenn für sie also frühmorgens eine Trainingseinheit ansteht, stellt Walter auch den Pieper aus. Dennoch sind Nachteinsätze für sie möglich, aber selten. „Die Leute bei der Feuerwehr wissen, dass ich nicht immer verfügbar bin“, erklärt Walter.

Ihren letzten Einsatz erlebte sie vor gut einem Monat bei einem Schuppenbrand in Bühlau. Das Feuer drohte, auf Wohngebäude überzugreifen. „Ich habe da überall mit angepackt, Schläuche angeschlossen, Lampen gebracht, Helme für die Kollegen geholt“, berichtet sie und gibt ehrlich zu: „Ich lerne noch viel, beobachte die anderen und unterstütze, wo ich kann.“ An den Sprechfunk oder sogar ins Feuer darf Walter noch nicht.

Dieses Foto vom letzten Einsatz bei einem Schuppenbrand in Bühlau machte Bianca Walter selbst.
Dieses Foto vom letzten Einsatz bei einem Schuppenbrand in Bühlau machte Bianca Walter selbst. ©  privat

Die Stadtteilfeuerwehren sind häufig die ersten Einsatzkräfte vor Ort, schon wegen der örtlichen Nähe ist das nur logisch. „Jeder begibt sich so schnell wie möglich zum Treffpunkt. Ist das Einsatzfahrzeug mit mindestens sechs Leuten voll, geht es los zum Einsatzort. Es geht darum, schnell zu sein“, sagt Walter. Die Einsätze sind derzeit allerdings überschaubar. Es passiere relativ wenig, die Menschen seien sehr diszipliniert.

Manchmal ist es tagelang ruhig. „Und dann gibt es wieder Tage mit mehreren Einsätzen – Verkehrsunfälle, Tragehilfen, Brände oder Wohnungsöffnungen“, erklärt Walter, und sie betont: „Vielleicht klingt das jetzt komisch, aber es macht mir wirklich Spaß, wir sind eine tolle Gemeinschaft und die Leute sind dankbar.“ Bei der Bundespolizei steht Walter als Polizeiobermeisterin derzeit zudem auf Abruf als Reserve bereit. Die Dresdnerin ist eine, die gern anderen Menschen hilft. Dazu hat sie jetzt mehr Zeit denn je.

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