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Was passiert, wenn der Stromanbieter nicht mehr liefert?

Hunderte Görlitzer sind von der Pleite der BEV betroffen. Es ist nicht die erste Insolvenz. Die Folgen können Jahre dauern.

Immer mehr Stromzähler in privaten Haushalten arbeiten digital. Allerdings arbeiten nicht alle Stromanbieter zuverlässig.
Immer mehr Stromzähler in privaten Haushalten arbeiten digital. Allerdings arbeiten nicht alle Stromanbieter zuverlässig. © Patrick Pleul/dpa

Teldafax, Flexstrom, Care Energy, DEG – die Liste der insolventen Energieversorger ist lang. Jetzt reiht sich auch noch die Bayerische Energieversorgungsgesellschaft (BEV) mit ein. Betroffen sind rund 500 000 Kunden deutschlandweit, „und hunderte Strom- und Gaskunden in Görlitz“, sagt Belinda Brüchner, Sprecherin der Stadtwerke Görlitz AG. Eine konkrete Anzahl der Haushalte in Görlitz könne sie nicht nennen, aber sie hat eine gute Nachricht: „In Görlitz betroffene Kunden werden von uns automatisch in der gesetzlich geregelten Ersatzversorgung weiter beliefert.“ Es bleibt also niemand im Kalten oder Dunklen sitzen.

Aber wollen das überhaupt alle? Oder suchen sich manche lieber gleich den nächsten Billig-Anbieter im Internet? Belinda Brüchner kann es nicht genau sagen: „In jedem Fall werden die BEV-Kunden erst einmal durch uns lückenlos weiterversorgt.“ Zudem hätten die Betroffenen bereits Angebote für die preiswerteren Sondertarife der Stadtwerke erhalten: „Wir hoffen natürlich, dass wir die Kunden, die gerade schlechte Erfahrungen mit einem Discount-Energie-Anbieter gemacht haben, mit unseren Produkten überzeugen und mit Faktoren wie Vertrauen, Lokalität und persönlichem Service punkten“, erklärt die Sprecherin. Immerhin wurden die Görlitzer Stadtwerke in der aktuellen Ausgabe des Magazins Focus Money beim „Energie-Atlas Deutschland“ erneut ausgezeichnet. Dieses Jahr belegen sie in der Region Görlitz sogar den ersten Platz. Die Ausgabe von Focus Money erscheint heute.

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Für die BEV hingegen hat das Amtsgericht München Ende Januar ein Insolvenzverfahren eröffnet. Bei den Verbraucherzentralen hatten sich zuletzt die Beschwerden über den Strom- und Gasanbieter gehäuft. Es ging um fehlende Schlussrechnungen, nicht ausgezahlte Guthaben und Boni sowie Preissteigerungen von mehreren Hundert Prozent.

Katrin Schütz hat all das längst durch. Die Verkäuferin aus Görlitz gehört zu den Betroffenen der Pleite des Anbieters Care Energy vor fast exakt zwei Jahren. Die Folgen für sie dauern bis heute an, sagt Katrin Schütz: „Obwohl ich am Ende ein Guthaben hatte, mir also noch Geld zustehen würde, habe ich im Nachhinein ständig Mahnungen in unterschiedlicher Höhe bekommen.“ Mal sollte sie 300 Euro nachzahlen, mal 600. Katrin Schütz hat vollkommen richtig reagiert: Sie hat sich auf keine Forderung eingelassen. Andere Betroffene hätten Drohbriefe und -telefonate erhalten und schließlich aus Angst vor beispielsweise Schufa-Einträgen bezahlt, berichtet sie. Die Geldeintreiber dürften in solchen Fällen überhaupt keine Schufa-Einträge vornehmen, sagt Katrin Schütz: „Aber wer das nicht weiß und Angst hat, der zahlt eben.“

Neben ihr gibt es mindestens noch zwei weitere Görlitzer, die betroffen sind, sagt Katrin Schütz. Sie weiß das durch die Facebook-Gruppe „Care Energy Betroffene und Erfahrungen“. Die deutschlandweite Gruppe hat über 4 000 Mitglieder, Katrin Schütz ist dort Moderatorin. Und sie empfiehlt allen Betroffenen, in die Gruppe zu kommen, weil es dort kostenlosen Rat gibt.

Ihre wichtigste Botschaft: Die alten Forderungen von Care Energy sind verjährt. Trotzdem erhebe das Inkassounternehmen EWD weiterhin Forderungen. Viele Mitglieder der Facebook-Gruppe haben nun die sogenannte „Einrede der Verjährung“ an EWD geschickt. Und das erfolgreich: „Einige haben sogar schon die Antwort mit der Rücknahme der Forderung erhalten.“ Das Problem aber ist: Jeder Betroffene muss die „Einrede der Verjährung“ selbst an EWD schicken. Das Schreiben mit der „Einrede der Verjährung“ ist bei der Facebook-Gruppe erhältlich. Sie hofft, dass viele Menschen das kostenlose Hilfsangebot nutzen.

Sie selbst ist nach der Care-Energy-Pleite nicht zu den Stadtwerken gewechselt, sondern zu einem neuen Internet-Anbieter. Als der seine Preise erhöht hat, ist sie zum Dritten gewechselt und jetzt, seit 1. Februar, zum Vierten. Im OB-Wahlkampf greift nun auch der AfD-Kandidat Sebastian Wippel das Thema auf. Während seiner Bürgersprechstunde habe er einen unabhängigen Energieexperten gewinnen können, der bereit ist, im Görlitzer AfD-Büro die Bürger über den Ablauf in so einem Falle kostenfrei zu informieren. „Außerdem wird im AfD-Bürgerbüro ab sofort ein kostenloser Tarifvergleich für Privatkunden angeboten“, teilt Wippel mit. Mit den Stadtwerken ist dieses Vorgehen nicht abgestimmt, sagt Belinda Brüchner: „Generell können wir hier nicht bewerten, mit welcher Intention der unabhängige Energieberater agiert.“ Er arbeitet völlig unentgeltlich, sagt Wippels Mitarbeiter Detlef Lothar Renner: „Allerdings gibt er nur Erstinfos – die gleichen, die man im Internet auch findet.“

Kontakt zur Facebook-Gruppe (Beitrittsanfrage muss bestätigt werden): www.sz-link.de/careenergy

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