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Wenn die Autos über die Schwelle kacheln

Die Aufpflasterung am Holländerweg ist sehr lärmintensiv. Und sie bringt nichts, meint ein Anwohner.

Auf dem Holländerweg in Döbeln darf über weite Strecken nur 30 gefahren werden. Eine Aufpflasterung soll die Autofahrer bremsen. Aber sie erzeugt auch eine Menge Lärm.
Auf dem Holländerweg in Döbeln darf über weite Strecken nur 30 gefahren werden. Eine Aufpflasterung soll die Autofahrer bremsen. Aber sie erzeugt auch eine Menge Lärm. © Dietmar Thomas

Döbeln. Als die neue Brücke an der Schillerstraße geplant wurde, war schon der mögliche Schleichverkehr durch Sörmitz ein Thema. In dieser Woche hat die Firma Hoff aus Ostrau damit begonnen, im Auftrag der Stadt die potenzielle Abkürzung durch das Wohngebiet für die Autofahrer unattraktiv zu machen. An der Kreuzung der Oberranschützer Straße zur Karl-Liebknechtstraße wurde die Fahrbahn gepflastert, um die Autofahrer an eine gemächliche Fahrweise zu erinnern. Zwei weitere Kreuzungen folgen. Der Döbelner Karsten Malig schaut darauf mit Skepsis. „Viel Krach für wenig Ergebnis“, meint er.

Malig spricht aus Erfahrung. Seit einem reichlichen Jahr wohnt er in einem neu gebauten Haus am Holländer Weg in Döbeln direkt neben einer Pflasterschwelle. „Wenn die Autos hundertfach am Tag über das Pflaster fahren, dann ist das schon ganz schön laut“, sagt Malig. „Wenn ich im Garten bin, dann sind das gefühlt 150 Fahrzeuge in zwei Stunden. Manche SUV knallen da einfach drüber. Häufig auch die Handwerker mit ihren Transportern. Das spüren wir bis ins Haus“, sagt Malig. Bevor er auf der Höhe in der Nähe des Holländerturms gebaut hatte, sei er oft auf dem Grundstück gewesen. „Der Verkehr hat gefühlt stark zugenommen“, sagte er. Auch viele Auswärtige seien auf der schmalen Straße unterwegs, die eine Abkürzung über Gärtitz von und zur B 169 nehmen.

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Im Bereich der Aufpflasterung gilt Tempo 30, dahinter wird die Begrenzung aufgehoben und 50 Stundenkilometer sind erlaubt. „Nach der Aufpflasterung beschleunigen manche, als gäbe es kein morgen“, erzählt Malig. Dabei seien auf dem Holländerweg häufig Fußgänger und Leute mit Kindern unterwegs. Für viel wirkungsvoller und leise hält der Anwohner die mittlerweile im Stadtgebiet allgegenwärtigen Geschwindigkeitsmesstafeln. „Ich erlebe kaum, dass nach den Tafeln einer übermäßig schnell fährt“, sagt Malig. Er habe sich telefonisch auch schon ans Ordnungsamt gewandt, aber nur oberflächige, nichtssagende Antworten bekommen.

Ganz neu ist das Pflaster auf der Kreuzung Karl-Liebknecht-Straße, das die Autofahrer zur verhaltenen Fahrweise animieren soll. Es soll den Schleichverkehr zur neuen Brücke Schillerstraße abmildern.
Ganz neu ist das Pflaster auf der Kreuzung Karl-Liebknecht-Straße, das die Autofahrer zur verhaltenen Fahrweise animieren soll. Es soll den Schleichverkehr zur neuen Brücke Schillerstraße abmildern. © Jens Hoyer

Döbelns Ordnungsamtschef Jürgen Müller ist auch kein Freund von Fahrbahnschwellen, wie die am Holländerweg. „Das war damals so gewollt“, sagt er. Neben dem Lärm gebe es auch Probleme mit dem Winterdienst, der an den Schwellen hängen bleibt. „Wir werden uns das einmal anschauen“, sagte er. Eventuell könnte am Holländerweg auch eine Messtafel aufgebaut werden. „Wir haben zwei, die wir umsetzen können.“

Insgesamt hat die Stadt elf Messtafeln im gesamten Gemeindegebiet im Einsatz. Und sie zeigen den Autofahrern nicht nur Geschwindigkeitsüberschreitungen an, sie speichern auch die gemessenen Daten. Dabei relativiert sich auch manche subjektiv empfundene Raserei. Etwa auf der Straße durch Ziegra. „Dort halten sich 98 Prozent der Autofahrer an die Geschwindigkeit. Nur zwei Prozent fahren zu schnell durchs Dorf“, sagte Müller. In Gärtitz, also an der Abkürzung zur B 169, wo ebenfalls Tempo 30 gilt, werde vom Ordnungsamt öfter geblitzt. „Die Geschwindigkeitsüberschreitungen halten sich im Rahmen, da gibt es in Döbeln ganz andere Ecken. Die wenigsten rasen durch Gärtitz“, so Müller.

Richtig zu vergleichen ist die grob gepflasterte Fahrbahnschwelle am Holländerweg auch nicht mit den Pflasterungen, die in Sörmitz an der befürchteten Schleichstrecke zur Brücke vorgesehen sind. Dort werden die Kreuzungsbereiche auf Fahrbahnniveau mit relativ kleinen Steinen gepflastert, sodass die Geräuschentwicklung nach Müllers Ansicht gering ausfällt.

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