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Hoyerswerda

Wenn die Bäume weniger werden

Die Stadt Hoyerswerda sagt, nicht immer und nicht überall sei ein Ersatz auch sinnvoll.

Buntes Herbstlaub ist ohne Zweifel schmückend.
Buntes Herbstlaub ist ohne Zweifel schmückend. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Eingegangen beziehungsweise gefällt worden, schildert ein Mann aus Hoyerswerdas Altstadt, seien verschiedene Bäume, die Mitte der 1990er während der Sanierung der Grünstraße an deren Rändern gepflanzt wurden: „Es erfolgte keine Ersatzbepflanzung. Vielmehr wurden die Baumscheiben mit Schotter aufgefüllt“, beschreibt der Mann, warum er nun vorschlägt, über den Bürgerhaushalt 2020 Abhilfe zu schaffen.

Er ist mit seinen Beobachtungen nicht alleine. Unlängst meldete sich eine Frau aus der Neustadt beim TAGEBLATT, um auf Lücken im Baumbestand an Straßenrändern hinzuweisen. Hier und da fuhr wohl ein Auto dagegen. Hier und da gaben Bäume anderweitig den Geist auf. Am Bahnhofsvorplatz finden sich mehrere leere Pflanzflächen, eine weitere in der Frentzelstraße vorm Polizeirevier. Die Frau berichtet über ausgedünnte Baumreihen in der Hufelandstraße oder in der Bahnhofsallee und schlägt vor, man könnte auch die Bautzener Allee, die nicht umsonst Allee heißt, über die Kreuzung Klinkertstraße / Herrmannstraße hinweg in Richtung Norden weiterführen. Ihre Frage an die Zeitung lautete, wer sich eigentlich um Nachpflanzungen kümmert, wenn Bäume verschwinden.

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Nichts geht ohne Gutachten

Generell macht die städtische Baumschutzsatzung für größere Gewächse ziemlich weit auslegbare Vorgaben. Es könnten Ersatzpflanzungen verlangt werden, steht in § 10. Können, nicht müssen! Die Einschränkung: Es müsse sinnvoll sowie erforderlich erscheinen und dem Verpflichteten zuzumuten sein. Das Rathaus sagt, die Zuständigkeit für Ersatzpflanzungen liege beim jeweiligen Grundstückseigentümer. Im Falle betroffener Straßenbäume sei das die Stadt. Bei einem Unfall etwa melde die Polizei, wenn ein Baum betroffen sei. Grundlage für den Ersatz durch den Verursacher sei ein Sachverständigengutachten zur Gehölzwertermittlung. „Diesbezügliche Aktivitäten und Abstimmungen können längere Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Rathaussprecher Bernd Wiemer.

Es sei nicht immer zielführend, an allen Standorten neu zu pflanzen. Beispielsweise könne sich herausstellen, dass sehr alte Bäume auf Leitungen oder Schächten standen. In solchen Fällen könnten Ersatzpflanzungen dann auch an anderen Stellen vorgenommen werden. Man müsse auch berücksichtigen, ob ein neuer Baum an einem Standort überhaupt ausreichend Wasser und Nährstoffe findet, um wurzeln und wachsen zu können. Ein kritisches Auge sei auch vonnöten, wo nicht ausreichend Platz und Kronenfreiraum vorhanden sind. Die Anzahl von Bäumen „sollte dann eher minimiert werden, was zwar einige Bäume weniger bedeuten würde, diese aber dann mit einer hoffentlich besseren Vitalität“, so Bernd Wiemer zur Haltung des Rathauses. Dort, wo die Stadt eine Ersatzpflanzung festlegt, sind die Regeln eindeutig: Pro zehn Zentimeter Stammdurchmesser in einer Höhe von einem Meter den beseitigten Baum betreffend muss ein Baum mit einem Stammdurchmesser zwischen 14 und 16 Zentimetern gepflanzt werden. Es ist dann auch drei Jahre lang dessen Pflege sicherzustellen. „Wachsen die gepflanzten Gehölze nicht an, sind die Ersatzpflanzungen zu wiederholen“, heißt es in der städtischen Baumschutzsatzung.

Womöglich kommt ja jetzt auch über die neue Initiative „Eine Stadt pflanzt“ Bewegung in die Sache. Initiatorin Dagmar Steuer hatte zu deren Auftakt klargemacht, dass es nicht bei der Bepflanzung einer Wiese in Klein Neida bleiben soll, sondern im Prinzip das gesamte Stadtgebiet Operationsfläche ist. Man wolle, erklärt sie nun auf Nachfrage, auch gern eine Plattform für Nachpflanzungen sein. „Wenn uns Bürger gefällte oder fehlende Bäume melden, dann werden wir uns der Sache annehmen“, sagt Dagmar Steuer.

An der Alten Berliner Straße wäre nach einer Fällung Platz für einen neuen Baum. 
An der Alten Berliner Straße wäre nach einer Fällung Platz für einen neuen Baum.  © Foto: Uwe Schulz