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Dresden

Wenn die Elbefluten kommen

Vor 17 Jahren stand die Jahrhundertflut am höchsten. Seitdem wurde zum Schutz der Dresdner Altstadt viel getan.

Land unter vor dem Kronentor. Am 17. August 2002 stand die Elbe am höchsten.
Land unter vor dem Kronentor. Am 17. August 2002 stand die Elbe am höchsten. © Ronald Bonß

Für Matthias Kolitsch war der August 2002 ein harter Einschnitt. Als das Dresdner Zentrum zuerst von der Weißeritz und dann von der Elbe überflutet wurde, überstürzten sich nicht nur für den damaligen Sachgebietsleiter Öffentliche Beleuchtung im Straßenbauamt die Ereignisse. Auf den Tag genau vor 17 Jahren erreichte die Elbe am 17. August in Dresden mit 9,40 Metern ihren höchsten Stand.

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Der Auftakt: Wilde Zeit hatte letztlich einschneidende Konsequenzen

„Wir waren rund um die Uhr aktiv“, sagt Kolitsch. Stadtteile wie Laubegast, Zschieren oder Gohlis waren evakuiert, leere Häuser standen an den heißen Tagen zum Lüften offen. „Glücklicherweise waren wir in der Lage, dort viele unserer Beleuchtungsanlagen umzuschalten und in Betrieb zu halten.“ So konnte zumindest die Sicherheit in den Flutgebieten mit nachts beleuchteten Straßen, die regelmäßig kontrolliert wurden, besser gewährleistet werden. „Das waren 14 Tage Aufregung, die unvergessen sind“, erinnert er sich. Und diese hatten für ihn eine Konsequenz. Mit Gründung des Regiebetriebes Zentrale Technische Dienstleistungen 2006 wurde der heute 60-Jährige zum Abteilungsleiter und Beauftragten für mobilen Hochwasserschutz.

„Auch für mich war das eine völlig wilde Zeit“, erzählt Hans-Georg Richter von der Landestalsperrenveraltung (LTV). Als stellvertretender Flussmeister der Flussmeisterei Dresden ist er auch für den Flutschutz zuständig. Es sei äußerst schwierig gewesen, den damals zu koordinieren. So erinnert sich Richter an gesperrte Brücken zum Flutauftakt und den verzweifelten Versuch, mit einem Autodrehkran ein Wehr am Lockwitzbach an der Lockwitzer Tögelstraße zu öffnen. Nachts musste er sogar im Auto schlafen. „Doch seitdem hat jeder gesagt, wo der Hase im Pfeffer liegt, und seine Hausaufgaben gemacht“, sagt der 54-Jährige. Richter und Kolitsch erläutern, was geschafft wurde, um das Dresdner Zentrum zu schützen.

Das Schutzsystem: Auf 3,5 Kilometern Mauern, mobile Verschlüsse und Tore

Der Hochwasserschutz, der sich vom Beginn der Brühlschen Terrasse am Hasenberg bis zum Alberthafen erstreckt, wurde zwischen 2006 und 2011 errichtet (siehe Grafik). Er ist 3,5 Kilometer lang und besteht aus Mauern, Böschungen und 22 verschiedenen Anlagen. Dazu zählen die mobilen Wände aus Aluminiumbalken, mit denen die Münz- und die Brühlsche Gasse verschlossen werden können. Außerdem gibt es mobile Verschlüsse, die im Ernstfall unter anderem am Terrassenufer vor dem Italienischen Dörfchen oder an Freitreppen am Landtag aufgebaut werden können. Außerdem sind vier, bis zu knapp 24 Meter lange große Hochwasserschutztore am Ostraufer, auf der Weißeritzstraße, am Heinz-Steyer-Stadion sowie an der Zufahrt zum Alberthafen installiert. Damit ist die Innenstadt vor einem 100-jährlichen Hochwasser wie 2002 geschützt, erklärt Richter.

Die mobilen Elemente sind in neun Containern untergebracht, die im Betriebshof des Regiebetriebes auf der Reicker Lohrmannstraße stehen.

Der Ernstfall: Steigt der Pegel, schließen die Schotten an der Festung

Eine Betriebsvorschrift regelt genau, was im Ernstfall geschieht. Erreicht der Dresdner Elbpegel an der Augustusbrücke vier Meter, wird die Alarmstufe 1 ausgelöst. Die Einsatzbereitsschaft wird hergestellt und die Entwicklung genau beobachtet. Das Umweltamt verfolgt das Wetter, das Straßenbauamt veranlasst nötige Sperrungen und der Regiebetrieb kümmert sich um die mobilen Elemente.

Da das Haupteinzugsgebiet zu 95 Prozent in Tschechien liegt, schwillt die Elbe dort zuerst an. Beispielsweise zwischen Usti und Dresden gibt es eine Vorwarnzeit von 16 Stunden. Erreicht der Dresdner Pegel 5,60 Meter, werden die mobilen Verschlüsse an der Münz- und der Brühlschen Gasse aufgebaut und das Flutschutztor an der Weißeritzstraße ausgefahren. Steigt die Elbe weiter, folgen die anderen Tore und mobilen Anlagen. „Beim Junihochwasser 2013 hatten wir uns entschlossen, alle mobilen Anlagen aufzubauen“, sagt Kolitsch. Beim Höchstpegel von 8,78 Metern wäre das zwar nicht nötig gewesen. So konnten aber spätere Probeaufbauten gespart werden. „Die gesamte Anlage hat im Juni 2013 ihre Feuertaufe bestanden“, erklärt Richter. So konnte Starviolinist David Garret trotz der Flut am 8. Juni auf dem Theaterplatz vor vielen Gästen spielen. Das habe gezeigt, welches Vertrauen die Dresdner in den Flutschutz fürs Zentrum haben.

Die Tests: Straßenbauer und Elektriker proben Aufbau mobiler Schutzwände

Unter Leitung von Kolitsch werden die mobilen Elemente regelmäßig aufgebaut. Bei den Flutschutztoren geschieht das jährlich, bei den mobilen Verschlüssen alle drei Jahre. Dafür werden Schlosser, Straßen- und Brückenbauer, Elektromonteure und Gärtner des Regiebetriebes eingesetzt. Die Stadt sei jetzt für Hochwasser gut gerüstet. Trotz aller Vorkehrungen gebe es aber nie eine 100-prozentige Sicherheit.

© Grafik: SZ/Sylvia Tietze

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