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Wenn die Seele krank ist

Im Haus Bethesda können Menschen ihre Freizeit in Gemeinschaft gestalten und Erfahrungen austauschen.

Kornelia Haupt ist sehr froh darüber, dass es den Tagestreff bei der Diakonie St. Martin im Haus Bethesda gibt. Die Anlaufstelle hat seit dem 9. Juni wieder geöffnet.
Kornelia Haupt ist sehr froh darüber, dass es den Tagestreff bei der Diakonie St. Martin im Haus Bethesda gibt. Die Anlaufstelle hat seit dem 9. Juni wieder geöffnet. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Es ist ein Frühlingstag und Kornelia Haupt wirft sich die Jacke über. Ein letzter Blick in den Spiegel, bevor die Tür ins Schloss fällt. Die Senftenbergerin hat ein festes Ziel im Blick. Heute wird es gelingen. Das Wetter ist schön und die Sonne ist Balsam für die kranke Seele.

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Doch plötzlich läuft wieder diese Angst mit, gepaart mit großer Unsicherheit. Die negativen Gefühle werden mit jedem Schritt größer. Dennoch geht sie weiter. Kornelia Haupt hat den Weg bis zum Eingangsbereich im Haus Bethesda geschafft – mal wieder. X-mal stand sie schon vor jener Tür zum Tagestreff, die sie nur öffnen müsste. Dahinter gibt es Menschen, die ein ähnliches Schicksal teilen. Hier gibt es gegenseitigen Austausch und weitere Informationen, um ein besseres Leben führen, Hilfe erfahren zu können. Den Tipp mit der Begegnungsstätte hat Kornelia Haupt von ihrer Therapeutin. Was sie aber nicht weiß: Was erwartet sie hinter der Tür? Wird man sie verstehen, auch wenn sie nichts sagen und nichts über sich erzählen möchte? Fragen schießen ihr durch den Kopf. Auch in diesem Moment zeigt sich kein Hauch von Motivation oder Vorfreude. Gefühle, die Kornelia Haupt auf Grund ihrer Erkrankung lange nicht mehr spüren durfte.

Die Eingangstür vom Tagestreff der Diakonie St. Martin bleibt verschlossen. Kornelia Haupt ist noch nicht so weit und die Angst größer. Sie dreht wieder um. Erste Erleichterung macht sich breit, die wenig später jedoch von tiefer Traurigkeit abgelöst wird. Auch die Tochter macht sich immer größere Sorgen um ihre verwitwete Mutter, bei der eine schwere Depression diagnostiziert wurde. Zurückliegende Ereignisse haben Spuren hinterlassen und tiefe Narben auf der Seele. Sie braucht Zeit, um den Suizid ihres langjährigen Partners zu verarbeiten. Ihre Schuldgefühle sind groß. Dagegen anzukämpfen, fällt ihr schwer. Die Therapie soll ihr helfen, wieder mehr Lebensfreude und Mut zu bekommen und wieder glücklicher werden zu können.Und dann passiert plötzlich, woran sie schon nicht mehr glaubte. Unzählige Male stand Kornelia Haupt in den letzten Monaten schon vor dem Haus Bethesda, ohne es zu betreten. Das soll sich ändern. Ihre Motivation wächst mit jedem Atemzug. Sie durchlebt ein Wechselspiel der Gefühle. Es sind nur noch wenige Meter. Sie atmet tief durch. Die Aufregung steigt und das Herz pocht ihr bis zum Hals. Sie wagt es, drückt die Türklinke und steht plötzlich mitten im Raum. Die nächsten Momente entscheiden, ob sie bleiben oder nie wiederkommen wird. Und was passiert? Nichts! Sie muss keine Fragen beantworten. Davor hatte sie die meiste Angst. Kornelia Haupt durchströmt das schöne Gefühl, willkommen zu sein. Es ist ein stilles An-die-Hand-Nehmen, wodurch sie sich weder bedrängt noch missverstanden fühlt. Das Vertrauen wächst stetig. „Ich wurde sehr herzlich aufgenommen, ohne, dass irgendwelche Erwartungen an mich gestellt wurden. Ich war einfach da und gut. Das hat mir sehr geholfen“, berichtet Kornelia Haupt. Im Tagestreff wird zusammen gelacht, gebastelt, geweint, getröstet, gespielt und geredet. Seitdem gehe es ihr viel besser. Natürlich gibt es auch noch Höhen und Tiefen. „Aber ich kann – mit der Unterstützung von außen – sehr viel besser mit meiner Depression umgehen. Wir tun uns gut.“, meint Kornelia Haupt, die mit dem ersten, mutigen Schritt in den Tagestreff wieder ein Stück mehr über sich selbst hinausgewachsen ist.

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