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Wenn die Zahluhr am Krankenbett tickt

Ein Kunstprojekt machte gestern in Potschappel Station. Die Passanten standen der Aktion eher skeptisch gegenüber.

Von Sara Gläser

Gestern bot sich auf dem Platz des Handwerks ein skurriler Anblick. Mehrere Krankenbetten, an deren Kopfende Parkuhren befestigt waren, standen vor dem Bahnhof Potschappel aufgereiht. Mit diesem Kunstprojekt wollen Politiker der Linken auf die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitssystems aufmerksam machen.

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„Besonders im ländlichen Bereich fehlen Ärzte“, sagt Verena Meiwald, Landtagsabgeordnete der Linken aus Kesselsdorf. „Damit dehnen sich auch die Wartezeiten aus, was vor allem für älteren Menschen eine zunehmende Belastung darstellt.“ Die Parkuhren mit horrenden Gebühren sollen daher den größer werdenden Mangel an Fachkräften und die dadurch fehlende Zeit für die Behandlung und Betreuung von Patienten symbolisieren.

Vor Ort war auch der Bundestagsabgeordnete Dr. André Hahn: „In vielen Krankenhäusern werden die Bettenzahlen reduziert und Patienten viel zu früh entlassen, um Platz zu schaffen. Auch im Pflegebereich ist kaum genügend Zeit für eine entsprechende Versorgung“, so der Bundestagsabgeordnete der Linken. Und man spüre deutlich, welche Unterschiede zwischen normalen Kassenpatienten und Privatversicherten gemacht werden, fügt Meiwald hinzu. Hier müsse sich was ändern.

Die Idee zu dem Projekt „Gesundheit ist keine Ware“ entwickelte die Dresdner Künstlerin Eva Olivin im Auftrag der Linken im Bundestag. Die Kunstinstallation wird in zwölf Orten in Sachsen Station machen, um auf gewisse Mängel im Gesundheitssystem hinzuweisen. Gestern war sie in Freital und in Pirna zu Gast.

Um die Betten herum waren außerdem Krankenakten zu finden. Dort schilderten Betroffene, welche Erfahrungen sie mit dem deutschen Gesundheitssystem gemacht hatten – zumeist waren es negative. Für Interessierte waren zahlreiche Mitarbeiter der Linken vor Ort. Am Infomobil konnte man sich mit den Initiatoren auf Gespräche einlassen. Obwohl das Freitaler Publikum das Szenario eher von Weitem begutachtete und es kaum zu Gesprächen kam, ist die Resonanz der vergangenen Tage eher positiv, sagt zumindest Die Linke. „Die Leute kommen zu uns und erzählen uns von ihren persönlichen Erfahrungen und stellen uns Fragen“, sagt Hahn, der sich deswegen in der Aktion bestätigt sieht.