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Drohnen transportieren eine Hauswand 

In Hoyerswerda und Welzow sollen Anwendungen des jüngsten Mobilfunkstandards getestet werden.

Prognostiziert ist durch 5G eine wirtschaftliche Revolution.
Prognostiziert ist durch 5G eine wirtschaftliche Revolution. © Foto: Adobe Stock

Hoyerswerda. Es gibt Leute, die halten die sogenannte fünfte Generation des Mobilfunks für Teufelswerk, das ganz bestimmt strahlenkrank mache. Und so wollte am Dienstagabend im Hoyerswerdaer Stadtrat Detlef Degner (AfD) gern wissen, wer denn „hier geschrien“ habe, als es um 5-G-Tests in der Stadt ging. Oliver Schenk dagegen, seines Zeichens Chef der Staatskanzlei, bewertet 5G als „enormen Schub für den Strukturwandel. Überall, wo 5G ist, ist Zukunft.“

Schenk war gestern ins Hoyerswerdaer Rathaus gekommen, wo symbolisch der Startschuss für das 5G-Forschungsfeld Lausitz gegeben wurde. In Hoyerswerda und in Welzow wollen Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden gemeinsam mit Handwerk und Industrie herausfinden, welche sinnvollen Anwendungen für die Wirtschaft der superschnelle Mobilfunk ermöglicht. Der Bund hat für die 3-jährigen Forschungen in Hoyerswerda und Welzow fast sieben Millionen Euro bereitgestellt.

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Technik im Container

Deutschlandweit werden sechs Modellregionen so gefördert, neben der Lausitz auch Aachen, Amberg-Weiden, Braunschweig-Wolfsburg, Hamburg und Kaiserslautern. „Wir werden ziemlich schnell herkommen“, kündigte gestern Projektmanager Thomas Welsch vom sogenannten 5G Lab Germany der TU an. Schon im September soll demnach ein Container aufgestellt werden, der die nötige EDV-Technik und die zugehörige Antenne enthält. Es ist also mitnichten so, dass für die Forschungen die ganze Stadt zu einem einzigen Testfeld wird. Die Reichweite liegt laut der Wissenschaftler bei ungefähr 500 Metern.

Im Hoyerswerdaer Rathaus wurde angedeutet, was so alles denkbar wäre. Da wurde zum Beispiel ein Bild an die Wand geworfen, das drei Drohnen zeigt, die gemeinsam eine Fertigteilwand zum Hausbau transportierten. Die Rede war auch von einer Drohne mit einer Farbdose, die statt eines auf einem Gerüst stehenden Malers eine Hauswand einfärben könnte. Gewählt waren diese Ideen nicht von ungefähr. Neben Anwendungen im Bereich Fahren und im Bereich Fliegen liegt ein Schwerpunkt in Hoyerswerda auf dem Bauen. Die Stadt ist prädestiniert. Schließlich entstanden hier zwischen 1957 und 1989 ganze Stadtteile aus vorgefertigten Bauteilen.

Thomas Welsch erklärt, dass die Forschung sich auf drei Gebiete konzentrieren werde, nämlich auf Fernsteuerung, auf Automatisierung und auf Vernetzung. Man werde Partner aus der Wirtschaft mitbringen, setze aber auch auf Interessenten aus der lokalen Geschäftswelt. Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU) brachte schon einmal die Städtischen Wirtschaftsbetriebe, die Wohnungsgesellschaft, die Versorgungsbetriebe, das Seenland-Klinikum, das Lausitzer Technologiezentrum und die Breitband Hoyerswerda GmbH ins Gespräch, die im Zusammenhang mit dem parallel zum Ende der Kohleverstromung erwünschten Wandel der Wirtschaftsstruktur entsprechende Projekte erarbeitet haben. Als ein Ziel der sächsischen Landesregierung nannte Oliver Schenk, dass Unternehmen auch aus anderen Regionen Leute nach Hoyerswerda schicken, die sich die Möglichkeiten von 5G hier ansehen: „Wir wollen Technologie-Tourismus befördern.“ Die Hoffnung ist, der Region einen Innovationsvorteil zu verschaffen, um wirtschaftliche Aktivitäten zu stimulieren.

Keine Schädigung nachgewiesen

Mit im Boot ist mit Professor Dr. Frank Fitzek vom TU-Lehrstuhl für Kommunikationsnetze eine echte Koryphäe. Er hat als Student an 2G (GSM) mitgearbeitet, seine Doktorarbeit über 3G (UMTS) geschrieben und war dann als Professor in Dänemark mit 4G (LTE) befasst. Er sagt, Diskussionen über mögliche Gesundheitsschäden durch Mobilfunk habe es jedes Mal gegeben. Es seien bisher nur nie welche nachgewiesen worden. „Es ist mir ein Hochgenuss“, antwortete er auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, bei einer öffentlichen Veranstaltung in Hoyerswerda auf entsprechende Sorgen einzugehen. Thomas Welsch ergänzte, man beziehe nicht nur Behörden wie das Bundesamt für Strahlenschutz ein, sondern habe auch fest eingeplant, die Forschungen zu erklären. Angestrebt sei eine größtmögliche Transparenz.

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